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Peter Zumthor mit Kunst- und Kulturpreis der deutschen Katholiken gewürdigt

(7.11.2011) Der Schweizer Architekt Peter Zumthor (68) hat Ende September in Frankfurt am Main den mit 25.000 Euro dotierten "Kunst- und Kulturpreis der deutschen Katholiken" entgegengenommen. Bei der Festveranstaltung im Architekturdenkmal "Alter Zollamtssaal" würdigte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, vor rund 300 Gästen Peter Zumthor als Preisträger, der ein "herausragendes Gesamtwerk im Bereich humanen, nachhaltigen, metaphysisch sensiblen Entwerfens und Bauens" vorweise.

In ihrer Begründung argumentierte die Jury, Zumthor sei es "in besonderem Maße gelungen, den spirituellen Dimensionen des Bauens Ausdruck zu verleihen." Sein Werk sei in seiner Gesamtheit auf Sinnerfahrung durch Architektur angelegt und "in beispielhafter Weise architektonischen Denkfiguren verpflichtet, die in der christlichen Metaphorik ihren eigentlichen Ursprung haben." Zumthor gilt als kompromissloser, auf konsequent humanes Bauen bedachter Architekt und genießt hierfür internationale Anerkennung. Mit dem Kölner Diözesanmuseum Kolumba oder seinen Berg- und Feldkapellen in Sumvitg/Schweiz und Wachendorf/Eifel schuf Zumthor geistliche Stätten von seltener Eindringlichkeit.

Die Schriftstellerin Ulla Hahn schilderte in ihrer Laudatio persönliche Eindrücke bei ihren Besuchen von Gebäuden Zumthors. Über die Bruder-Klaus-Kapelle in Wachendorf sagte sie: "Großer Gott wir loben dich - wie leicht kommt uns das in diesem Raum über die Lippen. In diesem Raum, der uns unseren Herzensraum geöffnet hat, nicht anders als ein Gedicht, ein Gebet, dem wir uns anvertraut haben, dem wir uns geöffnet haben. Indem wir uns gefangen nehmen lassen von dem, was besser, größer, beständiger ist als wir selbst, werden wir frei. Der gebaute Raum wird zum Seelenraum."

Erzbischof Zollitsch wies auch darauf hin, dass trotz vereinzelter Umwidmungen von Kirchen nicht übersehen werden dürfe, dass seit 1995 in Deutschland mehr als 50 katholische Gotteshäuser und mehr als 600 sonstige öffentliche Gebäude der katholischen Kirche neu erbaut wurden. "Mithin bleibt die katholische Kirche weiterhin Bauherrin mit einem hohen Ethos", so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. 

Bei der Übergabe der Preisurkunde betonte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, Peter Zumthor schaffe exzeptionelle Bauwerke voller Respekt für die vorgegebene Landschaft und Kultur. Eine solche Inkulturation eröffne auch neue Perspektiven religiöser Erfahrungen. "Dies trifft insbesondere auf die Kapellbauten Peter Zumthors zu, in denen aufscheint, was christliche Spiritualität an den jeweiligen Orten heute ausmachen kann", so Glück wörtlich.

Der Kunst- und Kulturpreis der deutschen Katholiken wird seit 1990 gemeinsam von Deutscher Bischofskonferenz und ZdK für herausragende künstlerische und kulturelle Leistungen vergeben. Er trägt dazu bei, das kulturelle Bewusstsein in der Kirche zu schärfen und die religiöse Dimension in der pluralistischen Kultur der Gegenwart zu stärken. Vorangegangene Preisträger waren etwa das Ehepaar Tankred Dorst und Ursula Ehler-Dorst, Gerhard Richter und Theo Angelopoulos.

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