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Die Verwandlung eines Schlauchbades in einem Verein für körperlich Beeinträchtigte


Vorher - im 1970er-Stil (Bild vergrößern)
  

(20.10.2017) Mit seinem Verein „Wings for Handicapped“ („W4H“) setzt sich der querschnittsgelähmte Jörg Leonhardt aus dem hessischen Reiskirchen schon seit Jahren für mehr Lebensqualität und Lebensfreude körperlich beeinträchtigter Menschen ein. Wie viel Engagement und Kreativität dafür manchmal nötig sind, stellte er jetzt wieder beim Umbau der Vereinsräumlichkeiten unter Beweis: Dort wurde ein architektonisch mehr als „fragwürdiges“ Schlauchbad aus den 1970er Jahren barrierefrei umgestaltet - selbstredend inklusive bodengleicher Dusche, die passgenau über eine Dallmer-Duschrinne vom Typ „CeraWall Individual“ entwässert wird.

Das Gebäude, in welches der Verein eingezogen ist, wurde Anfang der 1970er Jahre errichtet - mit zu schmalen Türen, zu vielen Stufen, zu engen Toiletten,... Als Rollstuhlfahrer fiel es Jörg Leonhardt nicht schwer, schon bei der ersten Besichtigung die wesentlichen Schwachstellen der Räumlichkeiten aus der Sicht eines körperlich beeinträchtigten Nutzers zu identifizieren: „Zur damaligen Zeit war barrierefreies Bauen noch kein Thema. Zumindest teilweise hat sich das bis heute aber geändert, beispielsweise bei den Bädern. Bei bodengleichen Duschen steht dann zwar meistens der Komfortgedanke im Vordergrund, doch wir Rollstuhlfahrer profitieren automatisch auch davon.“

In den 1970er Jahren gab es diesen Komfortgedanken jedoch nicht - stattdessen lange schmale Schlauchbäder, in denen irgendwo am Ende, in Fensternähe, noch eine Dusche untergebracht wurde. Für Rollstuhlfahrer eine absolute Katastrophe, denn das Bad ist so zum Einfahren schon fast zu schmal. Und wenn die Dusche endlich erreicht ist, stellt die Schwelle der Duschtasse von hier etwa 40 cm eine unüberwindbare Barriere dar.

Wenig „Luft nach oben“


Nach der Renovierung (Bild vergrößern)
  

Der Einbau einer komplett neuen, bodengleichen Dusche lag da zwar nahe, stieß jedoch genau so schnell an technische Grenzen: Knapp 1,20 m Raumbreite entsprechen schon von vorn herein nicht den normativen Anforderungen an eine behindertengerechte Gestaltung. Hinzu kam die benötigte Einbauhöhe des Ablaufs - denn auch der Deckenaufbau und damit die Estrichhöhe sowie die Raumhöhe generell entsprach eben dem 1970er Jahre-Niveau. Leonhardt: „Viel Platz nach unten oder oben, je nach Sichtweise, gab es also für die Entwässerung nicht.“

Zudem sollte der schmale Raum nicht durch kleinteilige Fliesenzuschnitte optisch weiter reduziert werden. Stattdessen war ein möglichst homogenes, flächiges Fliesenbild gewünscht, um das Bad größer wirken zu lassen. Ein konventioneller Punktablauf beispielsweise wäre also schon allein deswegen nicht sinnvoll gewesen. Außerdem ist solch ein mittiger Ablauf in einem für Rollstuhlfahrer konzipierten Bad auch immer ein Störfaktor, da er das Rangieren erschwert.

Jörg Leonhardt hatte jedoch ein konkretes Beispiel vor Augen, wie sich die Aufgabenstellung trotzdem ästhetisch und technisch optimal lösen ließe: „Im Haus meines Vaters gibt es bereits eine bodengleiche Dusche, die mit einer Duschrinne von Dallmer ausgestattet ist. Nach den dort gemachten, guten Erfahrungen war für mich die Entscheidung gefallen, eine solche Entwässerungsvariante auch in den Vereinsräumen einbauen zu lassen.“

Das fiel umso leichter, als das Ablaufgehäuse DallFlex der favorisierten „CeraWall Individual“-Duschrinne mit nur 65 Millimeter Einbauhöhe bemerkenswert flach aufbaut. So flach, dass sie sich auch im 70er Jahre-Haus für den bodengleichen Einbau eignet – und trotzdem eine Entwässerungsleistung von etwa 0,5 Litern pro Sekunde ermöglicht. Das ist für klassische Duschbrausen in der Regel mehr als ausreichend.


alle Fotos © Dallmer GmbH + Co. KG

Praxisgerechte Konstruktion

Der entscheidende Faktor bei der Festlegung auf diese Ablaufvariante war aber, dass der „CeraWall Individual“-Ablauf optisch wie technisch nahezu unsichtbar ist:

  • Zum einen bildet das schmale Edelstahl-Profil - kaum mehr als fingerbreit - einen harmonischen Übergang zwischen Boden und Wand. Die großformatigen Fliesen konnten so ohne optisch störende Schnitte über die volle Länge und Breite des Bades mit kaum wahrnehmbarem Gefälle zur Wand durchgelegt werden. Dort sorgt dann das ebenfalls fast unsichtbar in die Duschrinne eingearbeitete Gefälle zum Ablauf für die Ableitung auch größerer Wassermengen.
  • Zum anderen konnte durch die Entwässerung unmittelbar vor der Wand auch die gesamte Ablauftechnik - hier: das Ablaufgehäuse DallFlex - auf den Rohfußboden gesetzt und leicht in den Fließestrich eingebunden werden. Die Bewegungsfläche liegt also bei der Benutzung der Dusche komplett außerhalb jeder Installation; das erleichtert das Befahren mit dem Rollstuhl.

Konstruktiv ist der Ablauf aber dennoch so ausgelegt, dass er der erhöhten Punktbelastung durch einen Rollstuhl oder einen Hocker in jedem Fall standhält. So wird die Option offen gehalten, bei einer anderen Einbausituation den Ablauf zum Beispiel mittig in einer bodengleichen Dusche zu positionieren.

Gleichzeitig hat Dallmer mit diesem konstruktiven Aufbau der Edelstahl-Duschrinne für eine klare Schnittstelle zwischen Sanitärinstallation und Fliesenleger-Handwerk gesorgt. Der Hintergrund: Durch die klare Trennung zwischen Ablaufgehäuse und Entwässerungsprofil kann der Ablauf im ersten Schritt der Installation auf den Rohfußboden gesetzt, an die Entwässerungsleitung angeschlossen und ausgerichtet werden. Dann wird der Estrich gegossen und die dauerhaft sichere Abdichtung im Verbund über eine flexible Dichtmanschette hergestellt.

Jetzt übernimmt der Fliesenleger: Es legt das schmale Edelstahlprofil der „CeraWall Individual“ in das Kleberbett ein und fliest bodengleich bis an das Profil heran. Dabei liegt das Ablaufprofil stabil komplett auf dem Estrich auf, und es gibt keine Schnittstellenproblematik zwischen Fliesenleger und SHK-Handwerker bei der Abdichtung.

Mehr Kreativität gewünscht

Heute präsentiert sich das alte „Schlauchbad“ in den neuen Vereinsräumen der „W4H“ nicht nur optisch ausgesprochen gelungen. Zugleich ist es ein gutes Beispiel dafür, wie mit planerischem Geschick und einer überlegten Produktauswahl auch funktional bis auf den letzten Zentimeter durchdachte Räume für Behinderte geschaffen werden können, ohne dass dies mit erhöhtem Aufwand verbunden ist, so Jörg Leonhardt: „Gerade in diesem sensiblen Bereich würde ich mir einfach noch mehr Kreativität - und Mut - auch auf dem Bau wünschen.“

Weitere Informationen zu Duschrinnen können per E-Mail an Dallmer angefordert werden.

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