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Das dritte von vier Leitthemen der BAU 2021: Digitale Transformation

(30.8.2020) Das Bauen befindet sich im digitalen Umbruch. Die Corona-Pandemie, die seit dem Frühling 2020 bemerkenswerte Veränderungen für unser Arbeits- und Sozialleben bedeutet, beschleunigt diesen Prozess mit großer Vehemenz. So wurden dezentrales Arbeiten im Home-Office oder digitale Bauprojektbesprechungen via Videokonferenz binnen weniger Wochen gelebter Alltag. Jedes Unternehmen hat sich auf digitale Arbeitsprozesse, auch außerhalb der industriellen Fertigung, umgestellt. Es erscheint fast paradox: Das Bauen reagiert auf die rigiden, teilweise lähmenden Bewegungs- und Arbeitseinschränkungen im Zeichen der Virus-Bekämpfung mit technischer Improvisation und nutzt Corona als Digitalisierungstreiber für die ganze Branche.

Durch die stattfindende Transformation von analogen Denk- und Handlungsszenarien hin zu digitalen Entscheidungs- und Arbeitsprozessen ergeben sich zahlreiche Optionen und neue Potenziale. Diese gilt es zu erkennen und zu nutzen. Für das Bauen als kollaborativem Prozess, an dem viele Partner beteiligt sind, bedeutet digitale Transformation vor allem eines: Offenes Denken und Handeln in vernetzten Strukturen. Das ist aber nicht wirklich neu, denn Teamwork und partnerschaftlicher Austausch sind seit jeher im Bauprozess verankert. Doch verändern sich die Abläufe, wie in Zukunft geplant, gebaut, betrieben, saniert, rückgebaut oder recycelt wird. Gleichzeitig gewinnen die offene Kommunikation im Projekt und die Relevanz vernetzter Arbeitsabläufe weiter an Bedeutung.

Insbesondere auch BIM digitalisiert die Baubranche

Eine Fülle von BIM-Software unterstützt die Protagonisten in den Architektur- und Planungsbüros, in den Ämtern und Institutionen sowie in Forschung und Technologieentwicklung schon jetzt. Herstellerübergreifende Programmschnittstellen wie IFC und BCF erleichtern dabei den verlustarmen Informationsaustausch sowie die Kommunikation und fördern die Zusammenarbeit im Bauprojekt - Stichwort: Open-BIM.

Doch ist es nicht nur das oft zitierte BIM, das als Planungsmethode veränderte Prozesse im Architektur- und Ingenieurbüro, auf der Baustelle und im Gebäudebetrieb impliziert. Die Nutzbarmachung der Fülle von Daten und Informationen, Checklisten, Fachplanungen, Protokollen und Monitorings, die in einem Projekt entstehen, erfordert viele neue Wege. Denn ihr Potenzial für den gesamten Planungs- und Bauprozess sowie den anschließenden Gebäudebetrieb ist immens. Die Beteiligten müssen jedoch lernen, Planungsdaten zu qualifizieren und ebenso sinnvoll im Bauprozess und im Gebäudebetrieb einzubinden. Denn auch dort lassen sie sich nutzen: zur Fehlervermeidung in der Bauphase und zur qualitativen Verbesserung unserer gebauten Umwelt mit nachhaltigen sowie langlebigen Bauten.

2 Minuten-Video aus dem Beitrag „Per BIM/IFC gefütterte mobile Roboterplattform für Baustellen in der Erforschung“ vom 2.6.2020.

Bauindustrie deutschlandweit mit zweithöchstem Digitalisierungspotential

Ohnehin sind in diesem Zusammenhang umfassende Strategien gefragt, die ein Gebäude nicht als Investment, sondern als Beitrag an die Gesellschaft in einem städtebaulichen Kontext und einem baulichen Umfeld verstehen. Baukultur als Oberbegriff manifestiert diesen wichtigen Anspruch: Unsere Straßen und Häuser, Brücken oder Tunnel sind nicht allein als funktionale Beiträge für eine prosperierende Region, Stadt oder Gemeinde zu verstehen. Vielmehr ist dringend eine ästhetische und konstruktive Qualität notwendig, die die Funktion als notwendige Basis voraussetzt - aber weit mehr als diese schafft.

Das digitale Planen und Bauen ist eingebettet in die Transformation unseres analogen Lebens- und Arbeitsumfeldes: Es lässt sich nicht solitär betrachten; Vernetzung und die Digitalisierung von Standardprozessen werden das Bauen in der Zukunft erleichtern. Das ist auch dringend notwendig, wenn man den momentanen Digitalisierungsgrad am Bau betrachtet: Das Bauwesen liegt in Deutschland auf dem vorletzten Platz im Digitalisierungsindex. Lediglich das Fischereiwesen ist noch rudimentärer digitalisiert. Dabei sind Vorteile wie eine optimierte Vorfertigung und hohe Präzision dank digitaler Produktionsprozesse nicht von der Hand zu weisen. Doch das Bauen zeigt auch erste Lösungsansätze im Transformationsprozess. So ist es bereits Standard, Planungsdaten direkt aus dem BIM-Modell in Fertigungsdaten einer CNC-Fräse zu überführen und daraus exakt und millimetergenau den Abbund eines Dachstuhls zu erstellen. Und es ist längst keine Zukunftsmusik mehr, mit einem Betondrucker ganze Häuser oder mit einem Mauerroboter Wände, Geschosse oder Tragstrukturen zu fertigen.

Digitalisierung kombiniert Handwerk, digitale Planung und Robotik

Dass Roboter in den nächsten Jahren und den kommenden Jahrzehnten unsere Industrieproduktion weiter verändern, wird niemand bestreiten. Robotertechnik kommt in allen relevanten Wirtschaftszweigen bereits mehr oder weniger zum Einsatz - ebenso im Bauen. Die bereitwillige Umstellung auf eine digitale Planung oder digitalisierte Fertigungsmethoden ist dabei keineswegs der Garant für eine sorgenfreie Zukunft. Im Gegenteil: In den Architektur- und Planungsbüros, auf den Baustellen und in den Bauämtern sollte weiterhin wertvolles menschliches Knowhow gefragt sein. Vielmehr wird das Zusammenspiel von digitaler Planung, qualitätsvollem Handwerk und robotischer Pro­duk­tion -im Spannungsfeld zwischen Unikat und individualisiertem Massenprodukt - das Bauen der Zukunft bestimmen.

Unsere Baustellen werden schnell auf die anstehende digitale Transformation reagieren müssen. Fachkräftemangel auf der einen und eine immer höhere Qualifizierung des Personals bei der Programmierung und Nutzung digitaler Werkzeuge im Baustelleneinsatz fordern die deutsche Bauindustrie zusätzlich. Und veränderte Arbeitsaufgaben sowie bisher unbekannte Berufsbilder treffen auf ein bisher traditionalistisches Bauhandwerk. Neue Wege zu beschreiten bedeutet also, analoge Bauabläufe in eine digitale Bauwelt zu transferieren. Dennoch gilt: Digitale Werkzeuge allein schaffen weder eine bessere Architektur noch bedeuten sie im Umkehrschluss den Verlust von Architekturqualität durch die voranschreitende Automatisierung des Bauens. Es sind lediglich Tools, die dem Architekten, Planer, Fachhandwerker oder Bauherrn den Weg in die Digitalisierung erleichtern und seine Arbeit optimieren.

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