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Dank Corona sank der Energieverbrauch in Deutschland auf historisches Tief

(4.1.2021) Der Energieverbrauch in Deutschland ist 2020 um 8,7% gegenüber 2019 zurückgegangen und erreichte mit 11.691 Petajoule (PJ) oder 398,8 Millionen Tonnen Steinkohleneinheiten (Mio. t SKE) einen historischen Tiefststand: So beträgt der Rückgang im Vergleich zu 2006, dem Jahr mit dem bisher höchsten hiesigen Energieverbrauch seit der Wiedervereinigung, rund 21%, berichtet die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AG Energiebilanzen).

Infolge des rückläufigen Verbrauchs sowie weiteren Verschiebungen im Energiemix zugunsten der Erneuerbaren und des Erdgases rechnet die AG Energiebilanzen mit einem Rückgang der energiebedingten CO₂-Emissionen in einer Größenordnung von rund 80 Mio. t - was einer Minderung gegenüber 2019 von rund 12% entspricht.

Für die deutlich rückläufige Verbrauchsentwicklung sind vor allem die gesamtwirtschaftlichen und sektoralen Auswirkungen der Corona-Pandemie verantwortlich. Hinzu kamen langfristige Trends, wie ...

  • die weitere Zunahme der Energieeffizienz,
  • Substitutionen im Energiemix hin zu mehr erneuerbaren Energien sowie
  • die vergleichsweise milde Witterung.

Leichte verbrauchssteigernde Effekte ergaben sich hingegen von den im Jahresverlauf spürbar gesunkenen Energiepreisen. Und der verbrauchsdämpfende Effekt der milden Witterung wurde nach Einschätzung der AG Energiebilanzen durch einen Bestandsaufbau beim leichten Heizöl weitgehend ausgeglichen.

Mineralöl im Abschwung

Der Verbrauch von Mineralöl sank 2020 insgesamt um 12,1% auf 3.965 Petajoule (PJ) oder 135,3 Mio. t SKE. Während der Absatz von Otto- und Dieselkraftstoff trotz der Corona-bedingten Einschränkungen nur leicht zurückging, kam es beim Flugkraftstoff zu einer Halbierung des Verbrauchs. Beim leichten Heizöl kam es zu Absatzsteigerungen in der Größenordnung von gut 5%, weil viele Verbraucher die niedrigen Preise nutzten, um ihre Vorräte aufzufüllen. Die Lieferungen von Rohbenzin an die Chemische Industrie nahmen wiederum um rund 3% zu.

Mehr Erdgas in der Strom- und Wärmeerzeugung

Der Erdgasverbrauch verringerte sich 2020 um 3,4% auf 3.105 PJ oder 106,0 Mio. t SKE. Hauptursache für den Verbrauchsrückgang war der gesunkene Erdgasbedarf der Sektoren Industrie sowie Gewerbe, Handel und Dienstleistungen infolge der Corona-Pandemie. In der Strom- und Wärmeerzeugung wurde hingegen mehr Erdgas eingesetzt. Bei den privaten Haushalten wird trotz vergleichsweise milderer Temperaturen ein leichtes Verbrauchsplus erwartet.

Wer braucht noch Kohle?

Der Verbrauch an Steinkohle lag 2020 um 18,3% unter dem Vorjahreszeitraum und erreichte eine Höhe von 894 PJ oder 30,5 Mio. t SKE. Beim Einsatz von Steinkohle in den Kraftwerken zur Strom- und Wärmeerzeugung betrug der Rückgang mehr als 26%. Diese Entwicklung ist vornehmlich zurückzuführen auf ...

  • den rückläufigen Stromverbrauch,
  • die zugleich höhere Stromeinspeisung aus Wind- und PV-Anlagen sowie
  • den stärkeren Einsatz von Erdgas in der Stromerzeugung.

Der Einsatz von Steinkohle in der Stahlindustrie ging wegen der schwachen Stahlnachfrage gegenüber 2019 um rund 14% zurück.

Der Verbrauch von Braunkohle verminderte sich 2020 um 18,2% und lag bei 950 PJ oder 32,4 Mio. t SKE. Diese Entwicklung hat unterschiedliche Ursachen:

  • Überführung zusätzlicher Kraftwerksblöcke in die Sicherheitsbereitschaft,
  • witterungsbedingt Erhöhung der Stromeinspeisung von Wind- und PV-Anlagen,
  • ungeplante Kraftwerksausfälle,
  • Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Stromverbrauch sowie
  • Verschiebungen der Wettbewerbssituation gegenüber Erdgas auf dem nationalen und europäischen Strommarkt.

Während in den Monaten Februar bis August der Verbrauch an Braunkohle deutlich unter den jeweiligen Vorjahresmonaten lag, war allerdings ab September eine deutliche Erholung zu verzeichnen.

Abschaltung der Kernenergie

Bei der Kernenergie kam es 2020 infolge der planmäßigen Abschaltung des Kraftwerks Philippsburg zum Jahresende 2019 zu einem Rückgang der Stromproduktion um 14,4%.

Vorrang für Erneuerbare

Die erneuerbaren Energien steigerten ihren Beitrag zum gesamten Energieverbrauch 2020 um insgesamt 3% auf 1.962 PJ oder 66,9 Mio. t SKE. Die Wasserkraftwerke (ohne Pumpspeicher) lieferten 5% weniger Strom als im Vorjahr. Dagegen stieg der Beitrag der Windkraft um 7%. Die Solarenergie verzeichnete ein Plus von 9%. Bei der Biomasse gab es nur ein kleines Plus von 1%. Der Primärenergieverbrauch aus biogenen Abfällen lag 1% niedriger als im Vorjahr.

Der Verbrauch sonstiger Energieträger - hauptsächlich nicht-biogener Siedlungs- und Industrieabfall - sank um knapp 15% auf insgesamt 189 PJ oder 6,4 Mio. t SKE ab.

Mehr Stromimport, weniger Stromexport

Deutschlands negativer Stromaustauschsaldo mit den Nachbarstaaten fiel 2020 mit rund 21 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh) deutlich geringer aus als im Vorjahr. Nicht nur die Strommenge, die aus dem Ausland nach Deutschland floss, nahm stark zu, auch die Stromflüsse aus Deutschland in die Nachbarstaaten gingen zurück.

Weiterhin breiter Energiemix

Die Anteile der verschiedenen Energieträger am nationalen Energiemix haben sich 2020 gegenüber dem Vorjahr weiter verschoben: Bei den fossilen Energien kam es in Summe zu einem Rückgang, so dass die Energieversorgung in Deutschland ihre Kohlenstoffintensität weiter verringern konnte. Kennzeichnend bleibt aber ein breiter Energiemix. Gut 60% des inländischen Energieverbrauchs entfallen auf Öl und Gas. Stein- und Braunkohle deckten zusammen knapp 16% des Verbrauchs. Die Erneuerbaren steigerten ihren Beitrag auf
fast 17%.

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