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Hasit-Leitfaden für dauerhaft schöne Pflasterflächen


  

(9.3.2021) Geht es um gepflasterte Wege und Straßen, wird die Fuge meist nur als Gestaltungsmittel wahrgenommen. Dabei ist sie ein hochkomplexes konstruktives Element. Sie hält zusammen, leitet Kräfte ein, und bei falscher Ausführung wird sie zur Achillessehne der Konstruktion – egal, wie gut der Rest ausgeführt ist.

Für die Ausführung der Fugen gibt es grundsätzlich zwei Optionen: gebunden oder ungebunden. Deren jeweiligen Ausführungsmöglichkeiten sind wiederum mannigfaltig - ideal ist meist nur eine. Es ist also unerlässlich, im Vorfeld abzuklären, was die Fuge im speziellen Fall technisch leisten soll und welche spezifischen Anforderungen des Nutzers sie erfüllen muss. Ganzheitlich betrachtet gilt es, drei Komplexe in Bezug auf ihre spätere Nutzung exakt aufeinander abzustimmen:

  • die Fuge selbst,
  • den Belag und
  • den Unterbau.

Aus diesem technischen „Dreiklang“ heraus ergibt sich in der Regel später nur eine richtige Fugenausbildung.

Defekte Fugen führen unweigerlich zu Schäden

Fugen müssen Alleskönner sein: Sie gleichen Toleranzen der Pflastersteine bzw. -plat­ten aus und sind mitverantwortlich für die Lagerstabilität der Steine oder Platten. Diese werden über die Fugen in ihrer horizontalen Lage fixiert, horizontale Kräfte werden von einer Platte auf die nächste gleichmäßig übertragen. Über ihre Reibung an den Plattenflanken und den hierdurch bewirkten Druckaufbau in der Pflasterfläche werden auch vertikale Kräfte verteilt und in den Unterbau abgeleitet. Eine intakte Fuge bewirkt in Summe eine stabile Verzahnung der Plattenstöße und verhindert Verschiebungen sowie Kippbewegungen der einzelnen Platten. Defekte Fugen führen unweigerlich zu Schäden, im schlimmsten Fall muss einschließlich des Unterbaus die gesamte Konstruktion neu aufgebaut werden.

Darüber hinaus tragen Fugen wesentlich zum Gesamtbild des Belages bei. Es gilt also, einen Kompromiss zu finden zwischen gewünschter Optik und technischen Anforderungen.

Jede Menge Klärungsbedarf

Besonders wichtig für die Stabilität einer Fuge über viele Jahre hinweg ist neben der fachgerechten Ausführung die technische Auslegung in Bezug auf die spätere Nutzung. An erster Stelle steht hier die Klärung der zu erwartenden mechanischen Beanspruchung. Der Oberbegriff hierzu ist die „Verkehrslast“. Jede Verkehrslast erzeugt zwei vom Belag aufzunehmende Kräfte - vertikale und horizontale: Das Eigengewicht, etwa eines Fahrzeugs, muss vertikal in den Unterbau abgeleitet werden. Ebenso müssen die dynamischen (horizontalen) Kräfte durch Bremsen oder Beschleunigen ohne Verschiebungen und Verwerfungen vom Belag abgefangen werden. Unter diesen zwei Gesichtspunkten sind Begriffe wie ruhender Verkehr, Ladezone, PKW oder LKW sowie Passant vom Verständnis her schnell eingeordnet: Die Fugen einer Ladezone werden weniger beansprucht als Fugen vor einer Ampel, da dort durch das ständige Bremsen und Anfahren besonders hohe dynamische Kräfte auftreten.

Die Auslegung einer Fuge ausschließlich nach den Verkehrslasten zu bestimmen ist verlockend, wäre jedoch zu einfach. Zusätzliche horizontale Spannungen entstehen durch thermische Aufheizung sowie durch die unterschiedlichen Ausdehnungskoeffizienten der Materialien. Mögliche Fragestellungen sind demnach:

  • Liegt die Fläche in der prallen Sonne?
  • Wie ist die Wärmeabsorption der Platten? Sind diese hell oder dunkel?
  • Wie sieht es mit chemischen Belastungen aus? Taumittel, Laub- und Humussäure können Fugen chemisch belasten bzw. angreifen. Besonders auf Terrassen oder Gartenwegen hinterlassen Öle oder Lebensmittelsäure häufig ihre Spuren.

Häufig nicht bedacht wird die spätere Pflege. Was ein Starkregen, Schnee und Eis nicht schaffen, kann eine dem Belag nicht angepasste Pflege zuverlässig erledigen: Die beste Fugenverfüllung hält nicht, wenn sie später mit dem Besen ausgekehrt oder mit dem Dampfstrahler im Garten verteilt wird.

Vorab geklärt werden sollten deshalb die vorgesehene spätere Reinigung und Pflege: kehren, saugen, trocken oder nass - und bei letzterem mit normalem Wasserdruck oder Hochdruck, Wasserstrahlfräse oder Bürste. Nicht zu unterschätzen ist auch die Erosionskraft der allseits (un)beliebten Laubbläser.

Leitfaden für dauerhaft schöne Pflasterflächen

Anhand der oben aufgeführten Überlegungen können grundsätzliche Entscheidungen für die Ausführung der Fuge getroffen werden. Egal ob der Sand, Kies oder Splitt dann gebunden oder ungebunden eingebracht wird, dauerhaft sind Fugen nur im bereits anfangs angesprochenen, exakt aufeinander abgestimmten Gesamtpaket: Fuge, Belag und Unterbau. Für dessen Abstimmung gibt es - wie sollte es anders sein - ein umfangreiches Regelwerk, das über Nutzungskategorien oder Belastungsklassen entsprechende Regelbauweisen verbindlich vorgibt.

Das klingt nicht unkompliziert und ist es auch nicht. Darum hat Hasit für Planer und Ausführende mit der „GaLa Bau-Systeme“-Broschüre einen leicht verständlichen Einstieg in diese Gesamtthematik erarbeitet. Die Broschüre vermittelt einen groben Überblick über das zu beachtende Regelwerk und schlägt über vorgeschlagene Regelaufbauten eine Brücke von der Theorie zur Praxis.

Die Broschüre ist via hasit.de > Bautrends & Lösungen > Garten- und Landschaftsbau downloadbar (direkter PDF-Download).

siehe auch für zusätzliche Informationen:

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