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SFV: 13 Halbwahrheiten zur heimischen Solarstrom-Nutzung

(19.9.2001) Widerlegung der üblichen Vorurteile zur heimischen Solarstrom-Nutzung aus Sicht des Solarenergie-Fördervereins e.V. (SFV)

1. Die Photovoltaik (PV) ist noch zu wenig erforscht

  • Stimmt nicht! Die PV wird bereits seit 1958 zur Energieversorgung von Satelliten eingesetzt und hat dort die Atomenergie praktisch verdrängt. Zur Zeit besteht jedoch ein mengenmäßiger Engpass bei der Herstellung von preiswertem Solarsilizium. Dies ist weniger eine Frage der Forschung, denn es gibt hierfür längst ausgearbeitete Vorschläge. Der Bau einer Solarsiliziumfabrik ist eine Kapitalfrage. Er würde sich erst bei größerer Nachfrage lohnen. Zur Steigerung der Nachfrage bedarf es einer aktiven Markteinführung. Die "Stationen" dafür lauten:
    • Kaufanreiz durch kostendeckende Einspeisevergütung,
    • Massennachfrage,
    • Massenproduktion,
    • Marktreife.

2. Der Flächenbedarf ist zu hoch

  • Es ist nicht notwendig, für die Photovoltaik große zusammenhängende Flächen bereit zu stellen. Der Vorteil der Photovoltaik liegt in der Möglichkeit der Dezentralisierung. Dachflächen, Häuserfronten, Lärmschutzwände, Überdachungen von Verkehrswegen usw. können genutzt werden.

3. Die Leistung von PV-Anlagen reicht nicht für Großverbraucher

  • Bei einer dezentralen Stromversorgung muss die Vielzahl der PV-Anlagen die erforderliche Leistung bringen. Sonnenenergie kann dezentral "geerntet", über das Strom-Verbundnetz gesammelt und dann zentral in ausreichender Leistung angeboten werden.

4. Nur in südlichen Ländern scheint genug Sonne

  • Die Bedingungen bei uns sind insgesamt günstiger. Die Solarernte in Mitteleuropa beträgt immerhin 50 % dessen, was in Äquatornähe auf einer gleichgroßen Fläche möglich ist. Für die Markteinführung der Photovoltaik fehlt den südlichen Ländern das Kapital. Nach Erreichen der Marktreife wird Solarstrom sowohl im Süden als auch bei uns genutzt werden.

5. Solarkraftwerke sind nur im Weltraum sinnvoll

  • Allein der Energieaufwand für das Erreichen der Umlaufbahn wäre schon höher als der denkbare Energiegewinn.

6. Der Energieaufwand für die Herstellung ist höher als die später gelieferte Energie

  • Das war einmal... Nach einer Studie der Forschungsstelle für Energiewirtschaft gemeinsam mit dem Öko-Institut Freiburg im Auftrag der Hamburger Elektrizitätswerke liefern PV-Anlagen inzwischen sogar im nördlichen Hamburg etwa das 7-fache der aufgewendeten Herstellungsenergie - einschließlich der Energie für die Herstellung der Systemkomponenten - zurück.

7. Hohe Umweltbelastung durch Chlorchemie und Probleme bei der Entsorgung

  • Solarzellen bestehen aus ungiftigem Silizium, dem zweithäufigsten Element der Erdoberfläche. Chlor wird nur bei der Reinigung des Siliziums verwendet. Dies erfolgt in geschlossenen Kreisläufen. Das fertige Endprodukt, die Solarzelle, enthält (anders als z.B. PVC) keine Chlorverbindungen. Eine spezielle Entsorgung ist deshalb nicht erforderlich.

8. Solarstrom ist für die Elektrizitätswirtschaft wertlos, weil er nur anfällt, wenn die Sonne scheint. Photovoltaik kann kein konventionelles Kraftwerk ersetzen

  1. PV-Anlagen liefern Strom nicht nur bei direktem Sonnenschein, sondern auch bei hellem, bedecktem Himmel.
  2. Gerade tagsüber besteht im Stromnetz hoher Bedarf (Hochtarifzeit). Solarstrom, der ins Stromnetz eingespeist wird, trägt zur Deckung der Lastspitzen in der Mittagszeit bei. Strom zu Zeiten hohen Verbrauchs ist für die Stadtwerke sogar extrem teuer.
  3. Es kommt nicht darauf an, Kohlekraftwerke zu ersetzen, sondern ihren CO₂-Ausstoß zu vermindern. Jede kWh Solarstrom, die ins Netz eingespeist wird, spart ca. 1 kg CO₂ ein.
  4. Zum Ersatz von Kraftwerken ist ein Energiemix aller erneuerbarer Energien geeigneter als eine einzige Technik. Sonne liefert Energie vorwiegend an Sommertagen-, Wind im Winterhalbjahr. Der Biomasse kommt zukünftig eine hohe Bedeutung zu, denn sie ist speicherbar und kann die Zeiten ohne Wind und Sonne überbrücken.

9. Selbst wenn die Solarmodule umsonst geliefert würden, kann Solarstrom niemals konkurrenzfähig werden, weil die Kosten für Gestelle, Wechselrichter und Montage nicht mehr wesentlich gesenkt werden können.

  • Gestelle und Montagekosten werden überflüssig, wenn Solarzellen direkt in Dach- oder Fassadenelemente integriert sind. Wechselrichter sind technisch erheblich einfacher als Fernseher aufgebaut; durch Massenproduktion kann ihr Preis erheblich gesenkt werden.

10. Energiesparen zur CO₂-Verringerung ist billiger. Deshalb sollte man zunächst alle Energiesparmöglichkeiten nutzen, bevor man die Photovoltaik einsetzt

  • Mit Energiesparen kann man nur einen sehr kleinen Teil der insgesamt notwendigen CO₂-Verminderung erreichen. Insbesondere kann der wachsende Energiebedarf der Entwicklungsländer durch Energiesparen nicht gedeckt werden. Dort entsteht ein fossiles Kraftwerk nach dem anderen. Je schneller die Markteinführung der Photovoltaik erfolgt, desto weniger fossile Kraftwerke werden noch gebaut werden.

11. Kernenergie löst das CO₂-Problem besser

  • Weltweit müssten Tausende von zusätzlichen Atomkraftwerken gebaut werden - sogar in Ländern mit ungenügender Infrastruktur und ungenügend ausgebildetem Bedienpersonal. Dies ist im Hinblick auf die Gefahr von Terroranschlägen und die ungelöste Endlagerung nicht zu verantworten.

12. PV-Anlagen erzeugen zusätzlichen Elektrosmog

  • "Elektrosmog" ist ein Sammelbegriff für hochfrequente elektromagnetische Wellen. Über seine Wirkung auf den menschlichen Organismus ist noch wenig bekannt. Solarzellen erzeugen Gleichstrom. Gleichstrom sendet keine elektromagnetischen Wellen aus. Wer sich vor elektromagnetischen Wellen schützen will, sollte den Gleichstrom von der Solarstromanlage bis in den Keller leiten und ihn erst dort durch den Wechselrichter in das Wechselstromnetz einspeisen.
    Im Übrigen liefert die PV-Anlage nachts keinen Strom. Und schließlich wirken Solarmodule sogar in geringem Maße wie eine Abschirmung gegen Elektrosmog von oben.

13. Mit Ihrer Begeisterung für die Solarenergie stehen Sie ziemlich alleine da!

  • Die Elektrizitätswirtschaft betrachtet Solarstrom als unerwünschte Konkurrenz. Doch die Mehrheit der Bevölkerung wünscht es sich schon seit fast 10 Jahren anders: "Nach den Idealvorstellungen der Bevölkerung sollen die Sonnen-, Wind- und Wasserenergie eine zentrale Rolle in der Energieversorgung der nächsten zwei, drei Jahrzehnte spielen. 63 % der Bevölkerung rechnen die Sonnenenergie, 52 % die Windenergie und 49 % die Wasserkraft zu den Säulen einer idealen Energieversorgung. Alle anderen Energien erreichen deutlich weniger als 50 %."

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