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100 Jahre Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel: Bau-Businessplan gefordert

(31.3.2003) Deutliche Worte richtete der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel e.V. (BDB), München, anlässlich der Feier seines 100-jährigen Bestehens in Leipzig an die Bundesregierung. "Die Bauproduktion ist seit nunmehr acht Jahren rückläufig. Wenn die Politik nicht umsteuert, könnte bald das Totenglöckchen für einen Großteil der mittelständischen Unternehmen in unserer Branche läuten", warnte BDB-Präsident Max Schierer.

Der Dachverband, in dem 85 Prozent aller funktionserfüllenden Baustofffachhändler organisiert sind, fordert ein Ende der "Bau-Un-Tätigkeit" sowie einen "Bau-Businessplan" für Deutschland, der auf den tatsächlichen Wohnraumbedarf ausgerichtet sei. Max Schierer wörtlich: "Von wirklicher Bautätigkeit kann man im Moment nicht sprechen. Das ist umso bedauerlicher, weil der Bedarf vorhanden ist und die Bundesregierung nur die Weichen richtig stellen muss, um einen Investitions- und Nachfrageschub auszulösen." Zwar gebe es im bundesweiten Saldo keinen nennenswerten Fehlbestand an Wohnungen, die auf den ersten Blick ausgeglichene Statistik verfälsche aber die Realität. Während in großen Teilen Westdeutschlands und hier vor allem in den Ballungszentren wie beispielsweise München oder Stuttgart Wohnungsmangel herrsche, stünden in Ostdeutschland 1,4 Millionen Wohnungen leer. 400.000 mehr als noch vor einem Jahr. Hier wirkten sich die Wanderungsbewegungen Arbeitssuchender von Ost nach West insbesondere in wirtschaftlich prosperierende Regionen aus, aber auch die nach wie vor großen Bestände an nicht mehr zeitgemäßen Plattenbauten. Das derzeitige Hauptproblem sieht der BDB daher nicht in einem Mangel an Wohnungen, sondern in ihrer falschen räumlichen Verteilung und Qualität. Zudem prognostizierten Experten wegen der Zunahme kleinerer Haushalte trotz gleichbleibender Bevölkerung einen jährlichen Zusatzbedarf von 300.000 bis 350.000 Wohneinheiten.

Elf Millionen verhinderte Eigenheimbesitzer

Ein weiteres Indiz für die schlummernde Nachfrage sind rund elf Millionen verhinderte Eigenheimbesitzer. Eine repräsentative Umfrage der Marktforschungsinstituts ICON im Auftrag der Landesbausparkassen (LBS) hat ergeben, dass für elf Millionen Haushalte der Erwerb von Wohneigentum zwar wünschenswert, aus finanziellen Gründen derzeit aber ausgeschlossen ist. BDB-Präsident Max Schierer: "Das ist die unmissverständliche Aufforderung an die Bundesregierung, Bauwillige besser zu unterstützen. Ziel muss es sein, die Eigentumsquote von derzeit rund 40 Prozent auf 50 Prozent der Haushalte zu erhöhen."

Eigenheimzulage muss bleiben

Der BDB kämpft deshalb mit der von ihm initiierten "Aktion pro Eigenheim" für den Erhalt der Eigenheimförderung in ihrer bisherigen Form. "Das machen wir nicht nur aus Eigeninteresse, sondern vor allem, weil es um Arbeitsplätze und um den Wohnungsbau als soziale Aufgabe geht", wies BDB-Präsident Max Schierer in Leipzig darauf hin, dass im Rentenalter Eigentümer nur 12 Prozent, Mieter hingegen 28 Prozent ihres Einkommens für Wohnen ausgeben müssen.

Bessere Stimmung bei potenziellen Bauherren

Gerade bei Schwellenhaushalten, die genau rechnen müssen, kommt es auf jeden Euro an. Der BDB kritisiert daher die Kürzungspläne der Bundesregierung als "unverständliches und finanzpolitisch unsinniges Abrücken von einem bewährten Förderinstrument". Die bisherigen Proteste der "Aktion pro Eigenheim", so betonte Max Schierer, hätten die politisch Verantwortlichen zumindest zum Verzicht auf ein rückwirkendes Inkrafttreten zum Jahresbeginn 2003 bewegt - mit deutlichen Auswirkungen auf die Stimmung der Bauwilligen. Nach dieser Entscheidung gaben nur noch fünf Prozent der vom ENOP-Institut registrierten potenziellen Bauherren an, in 2003 auf keinen Fall ihr Objekt realisieren zu wollen. Im Herbst 2002, nach Bekanntgabe der Kürzungspläne, waren es noch 35 Prozent.

Investitionshemmende Politik schadet auch den Mietern

Dieses Beispiel zeigt nach den Worten des BDB-Präsidenten, wie schnell Politiker durch unbedachte Entscheidungen das Vertrauen von Investoren und Privathaushalten verspielen könnten. Das Gleiche gelte für die in der vergangenen Legislaturperiode durchgeführte Reform des Mietrechts. Max Schierer: "Fast alle Neuregelungen gingen zu Lasten der Vermieter. Das ist Ausdruck einer investitionshemmenden Politik, die Wohnungen künstlich verknappt und verteuert und damit letztendlich auch den Mietern schadet." Künftig müssten Eigentümer mit bis zu 15 Prozent höheren Mieten kalkulieren, um bei gestrichenen Steuervorteilen gleichbleibende Einnahmen zu erzielen. Auch die Einführung einer Spekulationsfrist und der Wegfall der degressiven Abschreibung verschlechtern die Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau.

BDB in Zahlen (Stand: Ende 2002)

Rund 85 Prozent der funktionserfüllenden Baustofffachhändler in Deutschland sind im BDB organisiert. Die regionale Betreuung der Mitglieder übernehmen sieben Landesverbände.

  • Mitglieder: 1.240
  • Betriebsstätten: 2.600
  • Umsatz: 14,4 Mrd. Euro
  • Beschäftigte: 47.300
  • Auszubildende: 4.280

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