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Von 1,7 auf 0,9 Sekunden: Weniger Hall, mehr Gastlichkeit im Wirtshaus dank Deckensegeln

(5.12.2019) Das „Wirtshaus“ in Obernburg, gelegen an der Ecke Römerstraße/Kapellengasse, wurde Mitte 2016 nach 14-monatiger Bauzeit eröffnet. Als Vorbild für Innenarchitektur, Einrichtung und Betrieb diente das Miltenberger Gasthaus „Zum Riesen“, das als eines der ältesten Wirtshäuser Deutschlands gilt. Der Bauherr und „Wirts­haus“-Betreiber hat den zweigeschossigen Innenraum auf einen Hauptraum und eine darüber liegende Galerie verteilt und so Platz für insgesamt 170 Gäste geschaffen. Als Blickfang unterstreicht ein Kupferkessel den Brauhaus-Charakter des Hauses.

Fotos © OWA 

Raumakustische Herausforderungen im Gastgewerbe

Die Raumakustik in Gaststätten, Bars und Restaurants unterliegt einer Reihe von Vorgaben und Bestimmungen. So müssen Lärmschutz-Anforderungen nicht nur mit Rücksicht auf die benachbarten Bewohner, sondern auch auf das Personal eingehalten werden. Gleichzeitig muss innerhalb der Gaststube eine gewisse akustische Barrierefreiheit gewährleistet bleiben, damit selbst bei höheren Lärmpegeln eine durchgehende Wahrnehmung von Alarm-, Warn- und Notsignalen sichergestellt werden kann. Weiterhin gilt es, die Sprachverständlichkeit in geschlossenen Kreisen (Tischgesellschaften) sicherzustellen. Dies darf - anders als in Schulungs- oder Konferenz­räu­men - wiederum nicht dazu führen, dass diese Verständlichkeit im Raum allgegenwärtig ist. Dieser Effekt muss auf kleinere Zonen beschränkt bleiben.

Und schließlich ist eine positive Gesamtatmosphäre in einer Gaststätte als Wahrnehmungsfaktor elementar. Hierbei ist es gerade die Akustik, die einen Großteil der eigentlichen Stimmung und des Wohlgefühls der Gäste ausmacht. Diese Erkenntnis spiegelt sich anschaulich in den Ergebnissen einer britischen Studie zum Thema Raumakustik wider. Knapp achtzig Prozent der Besucher von Restaurants oder Gaststätten verlassen dieser Studie zur Folge derartige Räumlichkeiten bei einer gefühlten Lärmbelästigung deutlich frühzeitiger als geplant und über neunzig Prozent der Gäste kehren genau aus diesem Grund nicht wieder zurück.

Zunächst „unangenehm laut“ mit einem Nachhallwert von 1,7 Sekunden

So gediegen und gastfreundlich die Inneneinrichtung des Wirtshauses auch ausgeführt worden war, die Raumakustik wurde offensichtlich in der Planungsphase wenig berücksichtigt: Schon bald wurde die Atmosphäre in dem auf zwei Etagen belegten Wirtshaus von Gästen und Personal als „unangenehm laut“ empfunden. Thomas Plötzner, Akustiker von OWA, erklärt dazu: „Der hohe Lärmfaktor ergab sich vor allem aus den ‚glatten‘ Wandoberflächen im Zusammenspiel mit den großzügig angelegten Fenstern und den mit Vorsatzschalen versetzten Grundflächen. Auch von der Gipskartondecke ging keinerlei schallabsorbierende Wirkung aus. Unsere im September 2017 vorgenommenen Messungen ergaben dabei einen Nachhallwert von 1,7 Sekunden, was die als unangenehm empfundenen akustischen Verhältnisse im Raum bestätigte. Der Nachhall lag damit mehr als achtzig Prozent über dem gemäß DIN 18041 ermittelten Sollwert von 0,90 Sekunden (±20% Toleranz).“

Minimal invasive Verbesserungen im laufenden Betrieb

Im Anschluss an die Messung zeigten sich die Betreiber des Wirtshauses rasch gewillt, die Situation mit akustischen Maßnahmen zu verbessern. Diese sollten aus ökonomischen Gründen im laufenden Betrieb erfolgen und in der Durchführung möglichst schnell, kostensparend und mit minimaler Verschmutzung vorgenommen werden. Darüber hinaus sollte die Optik der Wandflächen erhalten bleiben - wodurch diese für schallabsorbierende Maßnahmen nicht infrage kamen. Selbst bezüglich der Eingriffe an den Deckenelementen gab es Einschränkungen. So sollte in die vorhandene Lichtgestaltung der Decke nach Möglichkeit nicht eingegriffen werden.

Mit Deckensegeln auf < 0,9 Sekunden Nachhallzeit

Als ideale Lösung für das Wirtshaus-Problem in Obernburg empfahl OWA dem zuständigen Trockenbauunternehmen Rehm die Montage von „Selecta one“-Deckensegeln - in diesem Fall quadratisch mit einer Kantenlänge von 1,2 m. Die Montagearbeiten konzentrierten sich auf die Deckenbefestigung der Segel und deren Abpendelung auf Höhe der Beleuchtungselemente und konnten außerhalb der Öffnungszeiten der Gaststätte realisiert werden.

Die hohe Schallabsorption der „Selecta“-Deckensegel rührt u.a. daher, dass sowohl die Vorder- als auch die Rückseite der Deckensegel zur Schallabsorption im Raum beitragen. Dies bedeutet: Ein Quadratmeter Deckensegel bietet eine akustische Wirkung von 1,6 m². Infolgedessen reichte eine Installation von insgesamt zwanzig Deckensegeln aus, um die Nachhallzeit unter die empfohlene DIN-Grenze von 0,9 Sekunden zu senken. Die objektive Wirkung entsprach dann auch der subjektiven Wahrnehmung. Die Installation der Deckensegel wirkte sich unmittelbar positiv auf das Lärmempfinden im Hauptraum und auf der Galerie aus.

Weitere Informationen zu „Selecta“-Deckensegel können per E-Mail an OWA angefordert werden.

siehe auch für zusätzliche Informationen:

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