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Bozen-Studie zur Luftqualität in Schulen für die Nach-Corona-Zeit


  

(6.11.2020) Unter der Überschrift „Der Wandel liegt in der Luft“ wurde in Italien noch vor dem Corona-Lockdown die Luftqualität in Schulen untersucht. Dazu sind ab Juli 2019 Qualitätsmessungen in Klassenzimmern vorgenommen worden; im Juni 2020 wurde die Studie abgeschlossen.

Im Rahmen des Projekts wurden 90 (immer noch aktive) Sensoren in fünf Klassenzimmern und 20 Räumen der Oberschule Hack installiert. Diese ermöglichen eine kontinuierliche Messung von Temperatur, Luftfeuchtigkeit, CO₂-Konzentration und Beleuchtungsstärke. Die daraus gewonnenen Daten wurden in Beziehung zu dem Verhalten der Schüler gesetzt. Diese führten außerdem penibel Buch über alle Handlungen wie das Öffnen und Schließen von Türen und Fenstern, die Benutzung von Computern oder das Ein- und Ausschalten von Lichtern und gaben die jeweiligen Gründe dafür an.

Luft, Licht und Temperaturen

Das Ergebnis der Messungen zeigt, dass der Grenzwert für die empfohlene CO₂-Höchstbelastung (900 ppm) in 75% der Zeit überschritten wurde; die empfohlene minimale Zufuhr von Frischluft wurde gar in 95% der Unterrichtszeit nicht eingehalten.

Zusätzlich erwies sich auch die Beleuchtung als unzureichend: Sofern kein künstliches Licht verwendet wurde, lag die Beleuchtung der Arbeitsflächen während eines Großteils des Beobachtungszeitraums weit unter dem Schwellenwert von 500 lx. Sehr oft wurden sogar Werte unter 300 lx gemessen.

Weniger gravierend waren die Abweichungen der gemessenen Temperaturen von den Soll-Werten in den Wintermonaten: Hier wurde in mehr als 80% der Zeit die gesetzlich empfohlene Temperierung von 20 bis 24°C eingehalten.

Das größte Problem: Luftqualität

Aus der Auswertung ergibt sich deutlich, dass das größte Problem die Luftqualität ist. Alle Bemühungen diese zu verbessern, haben sich als unzureichend, teilweise sogar als problematisch erwiesen, da sie die Luftfeuchtigkeit, den Lärmpegel oder auch den Energieverbrauch im Gebäude negativ beeinflussten.

Die quantitative Analyse der erhobenen Messdaten wurde durch die Befragung der Schüler zum Raumkomfort in den Klassenzimmern bestätigt. Nur 43% der Befragten beurteilte diesen als zufriedenstellend. Als unzureichend wurde in der Befragung aber nicht nur die Luftqualität bewertet. Auch beim Wärmeempfinden beschrieben die Befragten Teile des Schulgebäudes als überhitzt und andere Teile als zu kalt.

Besondere Relevanz wegen Corona

„Die Vorbeugung einer Ansteckung erfolgt in der Tat durch die Kontrolle der Konzentration und Verteilung der Viruslast, die sich, wenn auch mit einigen Besonderheiten, nicht wesentlich von der vieler anderer Schadstoffe in Innenräumen unterscheidet", erklärt Andrea Gasparella, Professor für Gebäudephysik an der Fakultät für Naturwissenschaften und Technik der Freien Universität Bozen (unibz). „Die richtige Belüftung kann sowohl den CO₂-Gehalt begrenzen als auch eine Konzentration der Viruslast in der unmittelbaren Umgebung eindämmen".

In der Vorbereitung des Schul-Neustarts im Herbst sei es deshalb essentiell gewesen, die mit den neuen Abstandsanforderungen erreichbaren Luftqualitätsniveaus festzulegen, und zu planen, welche Maßnahmen notwendig sind, um sie zu erreichen. „Das können zum Bespiel häufigeres oder längeres Öffnen von Fenstern und Türen, kleinere Gruppengrößen oder eine kürzere Belegung der Klassenräume, die Installation von Belüftungs- oder Filtersystemen und das Festlegen von Parametern sein, die es ermöglichen, die Luftqualität im restlichen Schulgebäude ohne große zusätzliche Kosten zu überwachen, indem aufgrund bestimmter Korrelationen und Prognosealgorithmen eine Warnung ausgelöst wird“, so Herr Gasparella.

Fortsetzung folgt ... auch in Deutschland

Das Forschungsprojekt „Der Wandel liegt in der Luft” soll im Herbst an der Oberschule Hack sowie an weiteren Schulen fortgesetzt werden, um die bisherigen Ergebnisse mit weiteren Messungen zu vergleichen, die unter den Bedingungen der Covid-Einschränkungen vorgenommen werden. Die wissenschaftliche Zusammenarbeit wird darüber hinaus auf die Bergische Universität Wuppertal in Deutschland ausgedehnt, um Modelle zu entwickeln, von denen sich die Forschenden neue Erkenntnisse über die Luftverteilung erhoffen, insbesondere über den Einfluss, den sitzende oder sich bewegende Menschen darauf haben.

Initiatoren des Projekts „Der Wandel liegt in der Luft“ waren die Freie Universität Bozen und Agorà - das Unternehmen befasst sich u.a. mit Weiterbildung im Bereich Nachhaltigkeit im Bauwesen. Darüber hinaus waren Forscher und Doktoranden der Universität IUAV in Venedig und der Universitäten Trient und Padua an der Studie beteiligt.

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