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„Besprechungs-Ei“ in Rigips-Bauweise mit dreidimensional gebogenen Oberflächen

(24.11.2022) Fünf Monate dauerte insgesamt der Bau der neuen Produktions- und Lagerhalle der GeFo Gewölbe- und Formteiltechnik GmbH im rheinland-pfälzischen Kempenich (siehe Google-Maps). Allein dreieinhalb Monate nahm der trockene Innenausbau in Anspruch. Das Hauptaugenmerk lag dabei auf dem integrierten zweigeschossigen Verwaltungsbereich.

alle Fotos © Saint-Gobain Rigips GmbH 

Die Trennwände des Verwaltungsbereichs hin zu den Lager- und Produktionsbereichen sollten nicht nur vergleichsweise schlank ausgeführt werden, sondern zugleich auch ein hohes Maß an Schall- und Wärmeschutz sicherstellen. Das gestalterische Highlight bildet unübersehbar ein freistehendes „Besprechungs-Ei“ mit dreidimensional gebogenen Oberflächen.

„Wenn’s rund sein soll“ - so lautet das Motto der GeFo Gewölbe- und Formteiltechnik GmbH, die sich auf die Fertigung gewölbter und komplexer Gips-Formteile für Wände und Deckengewölbe spezialisiert hat. So verwundert es nicht, dass das Unternehmen auch bei der Innengestaltung seines neuen Firmengebäudes besonderen Wert auf gerundete Formen legte. Mit dem Bau eines ebenso funktionalen wie auch optisch beeindruckenden „Besprechungs-Eis“ wartete auf die mit dem kompletten Innenausbau beauftrage IBB Immo Bau Bonn GmbH die größte Herausforderung im Erdgeschoss des zweistöckigen Verwaltungstraktes.

Abgerundete Ecken als Gestaltungsmerkmal

Während das Obergeschoss aus einem klassischen Sozialtrakt mit Umkleiden, Duschen und WCs besteht, ist das Erdgeschoss Büros, Besprechungsbereichen und Ausstellungsflächen vorbehalten. Viele Raumecken sind hier abgerundet. Zudem ist die gesamte Deckenfläche als Akustiklochdecke mit Rigitone Activ’Air 10/23 R mit weißem Vlies ausgeführt - siehe auch Beitrag „,Rigitone Activ’Air‘: Nun auch luftreinigende, akustisch wirksame Lochplatten von Rigips“ vom 17.2.2015:

Mit grauem Boden und weißem Anstrich ist die Architektur industriell-schlicht gehalten, so dass die Formensprache der Oberflächen optimal zur Geltung kommt. Die perfekte „Bühne“ für das eiförmige Ausbau-Highlight.

Freistehendes „Besprechungs-Ei“ als funktionaler Eyecatcher

Mit rund 70 m² dreidimensional gebogener Oberfläche, zwei eingebauten Fenstern und einer Blockzargen-Eingangstür ist das Besprechungs-Ei der Hingucker. Eine vier Zentimeter breite, um das Ei herumlaufende Schattenfuge sorgt für den freistehenden Effekt.


  

„Alles in allem waren drei Monteure an zwölf Arbeitstagen mit der Montage, der Oberflächenbehandlung und der Ausführung der innenliegenden Akustikdecke beschäftigt“, erklärt Alexander Moll, verantwortlicher Projektleiter der IBB Immo Bau Bonn GmbH. Die gesamte Unterkonstruktion besteht aus CNC-gefrästen, vertikal stehenden Spanten und horizontalen Rippen (Bild rechts), die sowohl innen als auch außen mit jeweils 12,5 mm starken Rigidur H Gipsfaserplatten beplankt wurden. Insgesamt handelt es sich um 56 Elemente, die vor Ort auf der Baustelle mit Rigidur Fugenkleber verklebt und auf der horizontalen Äquatorlinie mit einem innenliegenden gefrästen Flachstahlring aus 5-mm-Stahl alle 40 cm verschraubt wurden:

Die Stahlringe wiederum wurden an zwei massiven Quadratrohren, die gleichzeitig die Türöffnung für die Blockzarge bilden, verschraubt, um die untere Ei-Hälfte wie mit einer Art Gürtel zusammenzuhalten.

Die untenliegenden Elemente wurden in der Höhe auf einer gefrästen, auf dem Rohboden aufgesetzten Schablone exakt ausgerichtet, ebenfalls mit Rigidur Fugenkleber verklebt und anschließend verschraubt:

„Da die unteren Elemente 16 cm tief im Estrich einstehen und die Estrichscheibe im Inneren auf den Elementen aufliegt, wurden die unteren zwei Sektionen im Zuge der Beplankung vollkommen mit gebundener Schüttung gefüllt, so dass hier nach dem Erhärten ein zu 100% drucksteifer Untergrund entstand. Die restlichen Gefache der Unterkonstruktion sind komplett mit ISOVER Akustic TP1 Trennwand-Platten gefüllt, um einen möglichst guten Schallschutz zu gewährleisten“, erklärt Herr Moll. Für die Befestigung der oberen Elemente dübelte das Ausbauteam über die beiden Zentralachsen eine entsprechende Deckenschablone an die Betondecke, an der die Elemente in der Rohdecke verklebt und angeschraubt wurden.

Stück für Stück zur Q4-Oberfläche

Die gesamten sichtbaren Oberflächen, die innen und außen zusammen etwa 120 m² ausmachen, wurden komplett in Q4 verspachtelt. „Aufgrund der Geometrie war mit handelsüblichen Werkzeugen leider keine Verspachtelung möglich, so dass sich die Monteure, die rund 50 Stunden allein für die Oberflächenbearbeitung aufgewandt haben, aus diversen Kunststoffdeckeln selbst Spachtelwerkzeuge geschnitten haben.“

Auch die Ausleuchtung der Oberfläche sei beim anschließenden Schleifen mit 220 Korn eine besondere Herausforderung gewesen, erläutert Alexander Moll weiter. „Aufgrund der gekrümmten Oberflächen haben sich aus verschiedenen Blickwinkeln immer wieder andere Schattenwürfe ergeben. Wenn das klassische Ausleuchten mit Strahlern nicht ausreichte, haben die Kollegen vor allem über ihren Tastsinn die Oberflächen Stück für Stück nachbehandelt, um sich so immer weiter der perfekten Oberfläche anzunähern.“

In den Deckenhohlraum im Inneren des Eis montierten die Trockenbauprofis ein Kanalklimagerät, das über einen im Grundriss gebogenen, aus Rigidur Gipsfaserplatten bestehenden Lüftungskanal von außen angesaugte Kalt- und Frischluft über die umlaufende Schattenfuge der Akustiklochdecke in den Raum einbläst. Die verbrauchte Luft wird über das Türblatt abgeführt, welches trotz Lüftungsfunktion die Schallschutzklasse 2 (Rw,P = 37 dB) erreicht:

Horizontal liegende Fenster für Ein- und Ausblicke

Die zwei horizontal liegenden, nach einer besonders ausgeklügelten Idee in das „Be­sprechungs-Ei“ eingebauten Fenster ermöglichen es, jederzeit aus dem innen im Gebäude liegenden, geschlossenen Raum ins Freie zu sehen. Die Fenster sind so angeordnet, dass die Teilnehmer einer Besprechung jeweils im Sitzen und je nach Platz entweder durch die großzügige Eingangstür des hinter dem Ei liegenden Büros oder durch die auf der anderen Seite liegenden großen Fensterflächen des dahinterliegenden Raums hinaussehen können.

Mit einem außergewöhnlichen Effekt wartet auch die Raumakustik im Inneren des Eis auf. „Geht man durch den Raum, wechselt je nach Standort die akustische Wahrnehmung. Der durch die schallharte Oberfläche ausgelöste Nachhall und die damit verbundenen Rückkopplungen in den Spitzen erzeugen einen ganz besonderen und in diesem Fall von uns gewollten Höhlencharakter. Sobald man aber an dem exakt positionierten und geformten Konferenztisch sitzt, steht einer gelungenen Besprechung nichts mehr im Wege. Die eingebaute Lochdecke und ein schallabsorbierender Teppichboden sorgen hier für eine ausgezeichnete Sprachverständlichkeit.“

Verantwortlich für den Innenausbau war die IBB Immo Bau Bonn GmbH, die für ihre herausragende Leistung mit einer Auszeichnung als Nominee bei der 12. Rigips Trophy in der Kategorie Trockenbau belohnt wurde.

Weitere Informationen zu gewölbten und komplexen Formteilen können per E-Mail an Rigips bzw. per E-Mail an GeFo angefordert werden.

siehe auch für zusätzliche Informationen:

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