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Zentralgebäude der Uni Lüneburg (von Daniel Libeskind) und die Anforderungen an den Betonbau

(4.12.2014) Der Neubau des Zentralgebäudes der Leuphana Universität im nieder­sächsischen Lüneburg wird in der Öffentlichkeit als einzigartig wahrgenommen - und dabei durchaus kontrovers diskutiert. Unbestritten ist jedoch, dass es sich technisch um einen Betonbau par excellence handelt. Er liegt auf dem Gelände der ehemaligen Scharnhorst-Kaserne, deren Bestandsgebäude seit mehreren Jahren von der Univer­sität genutzt werden. Mit seiner Entwurfsidee wollte Architekt Daniel Libeskind ganz bewusst die auf dem Universitätscampus noch vorhandenen Strukturen militärischer Ord­nung und Ausrichtung durchbrechen.


alle Bilder: Westag & Getalit AG (Bild vergrößern)

Heller großflächiger Beton - teilweise in Kombination mit einer Zinkblechverkleidung in Rautenform - wird die auf dem Areal vorherrschende, typische Backsteinarchitektur der 30er Jahre kontrastieren. Kühn aufstrebende Fassadenlinien erinnern möglicher­weise an Bug und Aufbauten eines Luxusliners. Spitzwinklige Dreiecke dominieren da­bei die Optik. Nach innen und außen geneigte Wände runden das Bild ab.

Bereits in seiner Frühphase vermittelt das Gebäude sehr überzeugend, was der Bau­stoff Beton alles zu leisten vermag. Das Projekt stellte höchste Anforderungen an Schalung und Betonverarbeitung. Vor allem wegen der auch von Libeskind bevorzug­ten großdimensionierten Betonflächen. Architekt Daniel Haarmann aus dem Team rw+ architekten aus Berlin führt die planerische Aufsicht. Das Schalungssystem kam vom schwäbischen Schalungshersteller Peri. Bei der Schalhaut entschied man sich für den Typ Betoplan top des Holzwerkstoffherstellers Westag & Getalit.

Das achtgeschossige Gebäude mit einer Bruttogrundfläche (BGF) von ca. 21.000 m² und einer Nutzfläche von ca. 13.000 m² soll das Erkennungszeichen der jungen Uni werden. Diese ging aus der im Jahr 1946 dort gegründeten Pädagogischen Hochschule hervor. Heute sind Studienschwerpunkte Kultur, Bildung, Wirtschaft und Nachhaltigkeit. Mit rund 9.000 Studen­ten gilt sie als mittelgroße Uni.

Auditorium für über 1.000 Besucher

Der Neubau liegt im Süden der Stadt zwischen der Uelzener Straße und der Scharnhorst Straße. Er besteht aus drei inei­nander übergehenden, teils spitzwinkligen Baukörpern in Ost-West-Ausrichtung, in denen Forschungs-, Seminar- und das Studierendenzentrum eingerichtet werden. Angedockt an diesen Komplex ist ein rechteckiger Baukörper in Nord-Süd-Ausrichtung. Es ist das Auditorium und dient als Vorlesungs- aber auch als Veranstaltungsort für bis zu 1.200 Besucher.

Im Mai 2011 war die Grundsteinlegung. Ein Jahr später starteten die Erdarbeiten mit dem bis zu sieben Meter tiefen Aushub. Die Bodenplatte aus WU-Beton misst ca. 20 cm. Beton mit hohem Wassereindringungswiderstand kennzeichnet auch einige Keller­wände und Decken. Decken wurden als Flachdecken in Stahlbeton ausgeführt, zum Teil mit Baukerntemperierung. Mit den Rohbaumaßnahmen ab Frühjahr 2013 waren als Arbeitsgemeinschaft die Unternehmen Pätzold Bauunternehmen GmbH mit Sitz in Gos­lar und Kümper + Schwarze Baubetriebe GmbH aus Wolfenbüttel betraut. Beide Firmen haben ihre Schwerpunkte im Bereich Rohbau, Hochbau, Ingenieurbau und Altbausanie­rung.

Bauherr ist die Stiftung Universität Lüneburg. Das Projekt wird u. a. mit den Mitteln des europäischen Fonds für regionale Entwicklung gebaut. Als Baukosten werden rund 73,5 Mio. Euro genannt. Spätestens 2017 soll das Gebäude fertiggestellt sein.

Fugenbild und Ankerpositionen nach Plan

Pätzold-Bauleiter Dipl.-Ing. Sebastian Hering koordinierte und überwachte die Rohbau­aktivitäten: „Von den rund 15.000 m² zu schalenden Flächen waren 750 m² nach den Anforderungen SB 4 ausgeschrieben. Diese Flächen liegen im Eingangsbereich, erstre­cken sich über vier Etagen und sind bis zu 17,50 m hoch. Das Peri-Schalungssystem Vario GT wurde im vorgegebenen Rastermaß aufgedoppelt und die Westag Betoplan top von hinten verdeckt verschraubt. So konnten wir Ankerpositionierung und Fugen­bildgestaltung nach Plan realisieren. Die unterschiedlichen Neigungswinkel der Wände, deren filigrane Formen, die Abmessungen, die teilweise extreme Bewehrung im Beton sowie die engen Toleranzen waren das Besondere bei diesem Projekt“.


Zuvor erstellte Referenzwände dienten als Richtschnurr für alle weiteren Betonieraktivitäten - wobei der Beton durchaus le­bendig wirken durfte und nicht einen sterilen oder künstlichen Eindruck hervorrufen sollte. Für die Sichtbetonabschnitte war eingesetzt ein ...

  • Beton C 37, Körnung 0/16, Sieblinie 2-3 mit
  • Konsistenz F 3, d.h. Ausbreitmaß 50 cm, und einem
  • max. Wasserzementwert von 05.

Um die Farbe des Betons nicht ungünstig zu beeinflussen, wurden keine Zusatzstoffe wie z.B. Flugasche eingesetzt.

Baugeometrie erschwerte Verdichtung

Wie Bauleiter Hering berichtet, kam der Beton per Kran und 1 m³ Silobombe in die Be­tonierschüttrohre, die mit steigender Betonierhöhe in der Schalung nach oben gezo­gen wurden: „Wir verdichteten durch Innenrüttler, die mit einer Spiralbewehrung in den schrägen Wänden geführt wurden, um ein Ausweichen und Verklemmen des Rütt­lers zu verhindern.“ Die Westag-Schalhaut in den Abmessungen von 3,75 x 2,11 bis 2,21 m wurde je nach Neigungswinkel querverlegt, so dass die Plattenfugen um die Grate und Kehlen herumlaufen konnten. Ein 3-mm-Dichtungsband wurde zudem für die Abdichtung verwendet.


Viele Schalungsplatten hinterlassen einen Spiegeleffekt, aber die Betoplan top ist für matte Betonoberfläche bekannt. Sie erfüllt die Vorgaben für glatte, fugenarme Beton­oberflächen mit erhöhten Anforderungen nach DIN 18202/3 für SB4-SHK3. Die Großflä­chenschalhaut hat eine Beschichtung von 550 g/m² je Seite, einschließlich eines als Puffer wirkenden Faservlieses.

Übrigens; Aufgrund der komplexen Gebäudegeometrie war für das Einmessen der Schalungs- und Betonarbeiten, Stahlbau- und Fertigteilmontagen, Fassadenöffnun­gen und Fassadenunterkonstruktionen, Dachgeometrie mit Dachöffnungen zum Nach­weis der Rohbautoleranzen ein Vermessungsbüro beauftragt worden.

Weitere Informationen zu Betoplan top sowie zum Schalungssystem Vario GT können per E-Mail an Westag & Getalit bzw. per E-Mail an Peri angefordert werden.

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