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BDH: „Klimaschutz braucht Realitätssinn“ (Heizungsindustrie kommentiert Agora-Studie)

(20.3.2017; ISH-Bericht) Im Rahmen der Studie „Wärmewende 2030“ versucht der Think Tank Agora Energiewende zu beschreiben, wie der Wärmemarkt 2030 aussehen muss, um die 2050er Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen. Andreas Lücke, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Heizungsindustrie (BDH), begrüßte auf der ISH, dass in der aktuellen Agora-Studie ...

  • der Energieträger Gas sowie das vorhandene Gasnetz im Unterschied zu früheren Betrachtungen auch 2030 noch eine tragende Rolle spielen wird und
  • hybride Systeme, bestehend aus einer Kombination von Brennwertgeräten und Wärmepumpen, für den gleitenden Übergang von der fossilen zu erneuerbaren Energie von Bedeutung seien.

„Agora nähert sich damit der BDH-Strategie einer breit gefächerten, technologieoffenen Lösung an, die neben dem wachsenden Anteil von Strom auf Sicht auch noch gasförmige sowie liquide Brennstoffe umfasst, die über Power-to-X-Konzepte ebenfalls mehr und mehr erneuerbare Anteile erhalten," freute sich Andreas Lücke.


Grafik © Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH)

„Wärmepumpenlücke“ kaum zu schließen

Eine zentrale Rolle bei den künftigen Wärmeerzeugern spielen laut Agora Wärmepumpen, da sie mit ihrer hohen Effizienz sehr gut für die Direktnutzung von Strom und damit als Sektorkopplungstechnologie geeignet sind. Wärmepumpen arbeiten insbesondere bei einem niedrigen Wärmebedarf hocheffizient - also empfiehlt sich ihr Einsatz in Kombination mit einer gut gedämmten Gebäudehülle. Diese Auffassung teilt der BDH im Grundsatz und bewertet den starken Trend zu Wärmepumpen positiv. Allerdings haben Wärmepumpen heute noch keine fünf Prozent Anteil am Bestand der insgesamt 20 Millionen Wärmeerzeuger in Deutschland, erinnerte Lücke. Ihr Marktvolumen lag 2016 bei weniger als 70.000 Geräten, die zum größten Teil in den Neubau gingen - siehe auch Beitrag „17% Marktwachstum machen 2016 zum Rekordjahr für Wärmepumpen“ vom 23.1.2017. Der von Agora geforderte Bestand von sechs Millionen Wärmepumpen bis 2030 wird vor diesem Hintergrund realistischerweise kaum erreicht werden können. Agora selbst spricht daher auch von einer „Wärmepumpenlücke“, lässt aber offen, wie diese zu schließen wäre.

Offen lässt Agora auch, was mit den immer noch weit über fünf Millionen Ölheizungen geschehen soll. Es wird lediglich angemerkt, dass Öl in 2030 kaum noch eine Rolle spielt. Betreiber von Ölheizungen, insbesondere solche, die über ältere Gebäude ohne Gasanschluss verfügen, bleiben allerdings ohne eine konkrete Empfehlung, wie sie zur Wärmewende 2030 beitragen sollen.

Ferner warnt der BDH hinsichtlich der Forderung einer Verdopplung der Versorgung über Wärmenetze  vor Anschluss- und Benutzungszwängen, Wärmelieferungskartellen und Wettbewerbsverzerrungen im Wärmemarkt - zur Erinnerung siehe u.a. „Beim Grundstückskauf eventuelle Fernwärmevorschrift beachten“ vom 8.9.2016. Stattdessen sollte das Spektrum innovativer Technik in ganzer Breite genutzt werden, das die Heizungsbranche schon heute bietet, um die Herausforderungen der Wärmewende zu meistern.

„Schade, dass Agora sich auf ein einziges Szenario beschränkt und auch jede Kostenbetrachtung unterlässt“, betonte Manfred Greis, Präsident des BDH. Davon abgesehen wird an keiner Stelle auf das Potenzial innovativer Technologien zur Kraft-Wärme-Kopplung wie Brennstoffzellenheizungen oder der Digitalisierung des Wärmemarktes eingegangen.

Nach Einschätzung des BDH erliegt Agora der Versuchung, einen bestimmten Weg, den man selbst für kaum gangbar hält, vorzugeben. Damit ist die Agora-Studie geeignet, die seit Jahren geführte Technologiedebatte fortzuschreiben und den zu Recht beklagten Attentismus des Marktes weiter zu verlängern. Dabei wäre es die wichtigste Aufgabe aller Akteure, so schnell wie möglich die Sanierungsraten entscheidend zu erhöhen.

„Anstelle von ideologisch motivierten Technologiegeboten oder -verboten“, so Greis, „brauchen wir klare und wirtschaftlich umsetzbare Empfehlungen für die Anlagenbetreiber bezogen auf deren individuelle Situation sowie attraktive Anreize, vorhandenes privates Kapital in die energetische Gebäudesanierung zu investieren. Die Politik sollte endlich die längst überfällige Steuerabschreibung im selbst genutzten Wohneigentum auf den Weg bringen. Die deutsche Heizungsindustrie hält die technischen Lösungen bereit.“

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