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Mut zur Farbe wird prämiert - Deutscher Fassaden-Preis 2002 erstmals an zwei Architekten vergeben

(1.10.2003) Mutiger hätte die Entscheidung zum Deutschen Fassaden-Preis 2002 - dotiert mit 17.500 Euro - kaum ausfallen können. Denn erstmals seit zwölf Jahren wurde der erste Preis an zwei Preisträger verliehen, die zwei überaus gegensätzliche Objekte zur Prämierung einreichten.

  • Dipl.-Ing. Christina Mehlhose, Berlin, zeigt zum einen die behutsame, unterkühlte und dabei normbrechende Veredelung eines Wohn- und Geschäftshauses in Berlin.
  • Dipl.-Ing. Architekt Markus Weckesser, Ludwigshafen provoziert zum anderen mit dem lautstark, expressiv schrillen Umgang mit Farbe bei einem Wohnhaus-Neubau in Ludwigshafen.

"Mit ihren Beiträgen präsentieren die Gewinner die Bandbreite dessen, was mit überlegter Farbgestaltung überhaupt denkbar, möglich und machbar ist," so die Meinung der Jury unter Vorsitz von Professor Jürgen Braun (Stuttgart). Die weiteren Preisträger - drei zweite Plätze sowie sieben Anerkennungen - wurden in feierlichem Rahmen am 18. September 2003 auf Schloss Wilkinghege in Münster von der Jury und Brillux, dem Ausrichter des Wettbewerbs, geehrt.

Kreative Farbkonzepte mit erstklassiger Handwerkskunst

Die aus zehn Experten zusammengesetzte Jury ermittelte nach filigraner Bewertungsarbeit im Parkhotel Schloss Hohenfeld (Münster) die Preisträger des Wettbewerbes. Aus mehreren hundert eingereichten Arbeiten gelang es in insgesamt vier Durchgängen die ersten Plätze zu vergeben. Gesucht waren Fassadengestaltungen, die außergewöhnliche Kreativität und erstklassige Handwerkskunst eindrucksvoll vereinen.

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Die erste Fassade - ein 1880 erbautes Wohn- und Geschäftshaus in der Auguststraße 58 in Berlin Mitte - zeigt in behutsamer und fast unterkühlter Weise, wie es selbst auf die allerfeinsten Nuancen ankommt. Die alte Fassade bekommt weder Facelift noch buntes Make-up, sie kann fast unverändert Charakter und Würde zeigen. Dabei ruft sie bei erster Wahrnehmung zunächst eine Irritation hervor - sie erscheint als schmutziggraue Fläche. Bei näherer Betrachtung kommt jedoch eine subtile Dynamik zum Vorschein, in der die Grautöne der Fassade auf unterschiedliche Weise an grünlicher Intensität gewinnen. Mit dem Titel "myGRÜN" stellt die Berliner Architektin Christina Mehlhose die Relation des Farbtones RAL 6017 "Maigrün" zu verschiedenen Grautönen in den Mittelpunkt. Inspiriert von der Farbe vom Bundesministerium für Verteidigung als Waffenfarbe der Panzergrenadiere erreicht sie in Kombination mit Grautönen einen erstaunlichen Effekt: Die Farbflächen beginnen, ähnlich einer Fleckentarnung, durch einen feinjustierten Simultankontrast zu flimmern und rufen in der Wahrnehmung eine Irritation hervor.

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Als krasser, fast über das Ziel hinaus schießender Kontrast kommt der zweite erste Preis daher: das leuchtend rot-rotorange-orange geschossweise gestaffelte und leicht geschwungene Wohnhaus Frankfels-Straße 5 in Ludwigshafen (siehe Bing-Maps und/oder Google-Maps). Architekt Markus Weckesser aus Ludwigshafen gelang hier ein visueller Paukenschlag, wie expressiv, ja sogar provozierend schrill im besten Sinne mit Farbe umgegangen werden kann. Dabei war die Jury besonders angetan von der Farbkonzeption, weil sie mit aller gestalterischer Konsequenz von vornherein mit ins planerische Kalkül gezogen wurde und nicht - wie so oft - nur nachträglich appliziert wird.

Drei zweite Preise, sieben Anerkennungen

Auf Kosten eines dritten Platzes, der in diesem Jahr nicht vergeben wurde, konnte der zweite Preis gleich mehrfach vergeben werden. Bei allen drei ausgezeichneten Projekten handelt es sich um Gebäude, die in den zwanziger bzw. dreißiger Jahren errichtet wurden und bei denen die Transformation in zeitgemäße Gewerbe- bzw. Wohnhäuser besonders geglückt ist. Darüber hinaus beeindrucken die preisgekrönten Objekte allesamt durch eine einfühlsame und sich harmonisch in die Umgebung einfügende Fassadengestaltung. Das schlicht-klassische Wohnhaus in Kenzingen ebenso wie die Arbeitersiedlung am Rand der historischen Altstadt von Wernigerode oder das ehemalige Wehrmachts-Speichergebäude in Münster. Als Preisträger der zweiten Preise wurden ausgezeichnet: Architekten Schoeps und Schlüter aus Münster mit dem Gewerbebau An den Speichern, Münster. Ingenieurbüro Linde, Wernigerode mit einem Wohnhaus, Auf der Burgbreite in Wernigerode. Nicht zuletzt Schmidt und Kunzemann Architekten, Kenzingen mit dem Objekt Wohnhaus Schulstraße in Kenzingen. Darüber hinaus wurden vom Preisgericht sieben Anerkennungen ausgesprochen.

Auch im nächsten Jahr wird das Unternehmen Brillux, Deutschlands führender Direktanbieter und Vollsortimenter im Lack- und Farbenbereich, den Deutschen Fassaden-Preis ausschreiben. Teilnahmeunterlagen können direkt bei Brillux unter k.dieckmann@brillux.de angefordert werden.

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