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(Warum) Ist es am Rhein so schön?! Architektentag auf dem Rhein

(30.9.2003) Denkmalpflege in Verbindung mit zeitgenössischer Architektur, Ortsgestaltung und gepflegten Landschaftsräumen kann eine Offensive für die Gesamtentwicklung des Mittelrheintales auslösen, so die Ergebnisse des siebten Architektentages Rheinland-Pfalz. Staatssekretär Karl Peter Bruch stellte die Gründung einer Projektgesellschaft Mittelrheintal in Aussicht.

Die Auseinandersetzung mit der "Herausforderung Mittelrheintal", so Günther Franz, Präsident der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, in seiner Begrüßung, "will wenige Tage nach der offiziellen Aufnahme in das kulturelle Erbe der Menschheit vor allem unser gemeinsames Bewusstsein für die damit verbundenen Chancen, Verpflichtungen und Ansprüche schärfen." Denn die Aufnahme in die Welterbeliste der UNESCO müsse Anstoß und Anreiz sein "zum Erhalt und zur Weiterentwicklung der kulturellen Eigenart und wirtschaftlichen Lebensfähigkeit der Region." Die Architekten des Landes werden ihren Beitrag zur Lösung der anstehenden Probleme leisten.

Franz regte vor den gut 270 Besuchern des Architektentages auf der MS Rhenus an, die Aktivitäten und Fördermaßnahmen zur Entwicklung des Tals in einer Projektgesellschaft nach dem Vorbild der IBA Emscher Park im Ruhrgebiet zu bündeln. Staatssekretär Karl Peter Bruch, der in seinem Begrüßungsbeitrag die Hintergründe und Vorgeschichte des Anerkennungsprozesses zum UNESCO Welterbe skizzierte, griff diesen Vorschlag auf und stellte die Gründung einer Projektgesellschaft in Aussicht.

Die Binger Oberbürgermeisterin Birgit Collin-Langen betonte in ihrem Grußwort die Bedeutung einer Weiterentwicklung des Mittelrheintales. Prof. Dr. Rainer Winkel, TU Dresden, zeigte die Umbrüche in der demographischen und wirtschaftlichen Entwicklung im Bezug auf das Mittelrheintal auf. Planen und Bauen, so seine These, wird sich in den kommenden Jahren stark am Bestehenden orientieren: Umnutzung, Sanierung, Nachverdichtung und auch Rückbau seien Aufgaben, auf die sich Kommunen und Planer konzentrieren müssten.

So versteht sich der Architektentag auch als Beitrag im Rahmen der im März dieses Jahres von Landesregierung und Architektenkammer gestarteten Initiative "Dialog Baukultur". Gemeinsam mit dem Innenministerium bereitet die Architektenkammer gerade Workshops vor, die beispielhaft Lösungsszenarien für Ortsentwicklung, Objektsanierung und Landschaftsraum im Tal erarbeiten werden.

Die Stärken und Schwächen der touristischen Infrastruktur beleuchtete Prof. Dr. Ursula Frietzsche, FH Worms: Der einmalige Naturraum, die Orientierung am Wasser, die großartige Konzentration von Burgen und der mythenbeladene Weltruhm zählen im oberen Mittelrheintal zu den Stärken der Tourismuswirtschaft. "Rückläufige Besucherzahlen trotz des Themenjahrs zur Rheinromantik, den zunehmenden Attraktivitätsverlust durch mangelnde Investitionstätigkeit, z.T. fehlende Servicementalität, unkoordinierte Vermarktung und einen abnehmenden Bekanntheitsgrad der Destination" benannte sie als Schwächen, die einer nachhaltigen Stärkung des Tourismus (noch) im Wege stehen.

Eine beispielhafte Neugestaltung des Rheinufers wurde in Kamp-Bornhofen präsentiert. Die Landschaftsarchitektin Andrea Halbig und Ministerialdirigent Hans-Bernd Ellwart, Umweltministerium, konnten hier zeigen, wie durch eine intelligente Verbindung von Uferbefestigung und Freiraumgestaltung neue Aufenthaltsqualitäten am Fluss entstehen und sich gleichzeitig der Ort zum Rhein hin öffnet. "Das Mittelrheintal ist eine einzigartige, seit Jahrhunderten vom Menschen geprägte Kulturlandschaft. Im 21. Jahrhundert muss es uns gelingen, die Erfordernisse moderner Gesellschaft mit dem Bedürfnis, das Welterbe Mittelrheintal zu bewahren, zu verbinden. Wir brauchen eine neue Ästhetik. Die Entwicklung der Landschaft, vor allem der Rheinauen und der mit ihnen verbundenen Ortsbilder, ist die Grundlage für die nachhaltige Weiterentwicklung des Mittelrheintales. Städte und Dörfer müssen sich öffnen zum Rhein. Dazu braucht es Entschlossenheit, von den Kommunen und Landschaftsplanern ebenso wie von den Architekten," so Staatssekretär Hendrik Hering, Ministerium für Umwelt und Forsten. Das Ministerium hatte die Maßnahmen in Kamp-Bornhofen begleitet und finanziell gefördert.

Dr. Hannes Hirtzberger, Bürgermeister der Gemeinde Spitz in der österreichischen Welterberegion Wachau sah im alltäglichen Bauen einen wesentlichen Faktor für Erhalt oder Zerstörung von Kulturräumen. Häufig entstünden beim Bauen gleichzeitig Probleme aus Überregulierung und einem Regulierungsdefizit. Das Bauen in der Wachau ist am "Wachauer Leitbild" als regionalem Entwicklungsplan ausgerichtet. Die Rolle des Landes und der Gemeinden für die Förderung der Baukultur gelte es zu definieren, so Hirtzberger weiter.

Auf die literarischen Wurzeln der Rheinromantik von Brentano bis Trakl spielte der Landesbeauftragte für das Welterbe, Staatssekretär Roland Härtel an, aber auch auf die Probleme des realen Landschafts- und Wirtschaftsraumes mit rückläufigem Weinbau und Verkehrsproblemen: "Der Mittelrhein ist nach den Kriterien der UNESCO ein 'paysage vivant', eine 'continuing landscape', was wir mit 'fortdauernder und sich weiter entwickelnder Kulturlandschaft' übersetzen. Aber die Landschaft entwickelt sich nicht selbst, sie wird entwickelt entsprechend den Zielsetzungen der Menschen in der Region, aber auch aufgrund der Bedürfnisse der Menschen, die diese Region besuchen." Womit er den Kreis zur Begrüßung von Kammerpräsident Günther Franz schloss: Um die Schönheiten des Tal zu erhalten und wieder freizulegen, bedürfe es einer nachhaltigen und intelligenten Entwicklung, zu der Architekten, Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplaner zusammen mit ihren privaten und öffentlichen Bauherren beitragen können.

Der rheinland-pfälzische Architektentag fand am 26. September 2003 zum siebten Mal statt. Die Fachveranstaltung der Architektenkammer Rheinland-Pfalz (als Vertretung der rund 4.800 Architekten, Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplaner des Landes) wandte sich auch diesmal wieder an alle am Baugeschehen Beteiligten aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Kultur und die Medien in Rheinland-Pfalz.

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