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Handwerkspolitischer Frühschoppen: "Wenn man kein Geld hat, bekommt man auch keines"

(16.2.2004) "Finanzierungschancen für Handwerk und Mittelstand - ein hoffnungsloser Fall?" - diese Frage stand im Mittelpunkt des "Handwerkspolitischen Frühschoppens," der am Sonntagvormittag, 15. Februar 2004, Experten aus Handwerk, Politik und Bankenwesen im Rahmen der mitteldeutschen handwerksmesse zur Podiumsdiskussion lud.

"Basel II, die Neuordnung der Eigenkapitalrichtlinien der Banken bei der Kreditvergabe, wird die Finanzierungsbedingungen für das Handwerk in den nächsten Jahren grundlegend verändern", meint Joachim Dirschka, Präsident der Handwerkskammer zu Leipzig und Vizepräsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH). Die Basel II-Richtlinien treten voraussichtlich 2006 in Kraft. Ziel ist, die Bewertung der Kreditwürdigkeit von Unternehmen risikonäher zu gestalten.

"Wenn man Geld hat, bekommt man Geld, hat man keines, bekommt man auch keines", beschreibt Zimmerermeister Ralf Peukert aus dem Muldentalkreis seine Erfahrung bei der Kreditvergabe. Joachim Dirschka bestätigt: "Viele Banken verstecken sich hinter Basel II, die Privatbanken ziehen sich aus dem Mittelstand zurück." Claus Friedrich Holtmann vom Ostdeutschen Sparkassen- und Giroverband hielt dagegen: "Die Sparkassen sind immer noch die größten Finanzierer von Neugründungen." Die Handwerksbetriebe müssten gegen die schwierige konjunkturelle Lage sturmfester gemacht werden.

"Handwerker müssen risikobewusster agieren"

Sturmfester würde das Handwerk, wenn die politischen Rahmenbedingungen stimmen, erklärte Hermann Faas vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit. "Basel II ist wie ein Gespenst, das durch Deutschland zieht. Viele befürchten, dass sich dadurch die Finanzierungsbedingungen für das Handwerk verschlechtern. Das ist nicht der Fall. Die Handwerker müssen risikobewusster agieren", forderte Faas. "Eine Quersubventionierung von zahlungsunfähigen Betrieben durch Handwerksbetriebe mit guter Bonität ist auf lange Sicht nicht tragbar." Joachim Dirschka forderte, bei der öffentlichen Debatte um die Kreditvergabepolitik der Banken die besondere Situation Ostdeutschlands ins Kalkül zu ziehen. "Die Betriebe hatten weitaus weniger Zeit, eine Eigenkapitalbasis aufzubauen, als ihre westdeutschen Kollegen. Nach zwei bis drei Jahren brach die Konjunktur bereits wieder ein. Wenn wir nicht schnellstmöglich adäquate Finanzierungsmöglichkeiten schaffen, sehe ich insbesondere für kleine Unternehmen schwarz."

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