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Fritz-Höger-Preis 2008 für Backsteinarchitektur entschieden

(14.9.2008) 31 nominierte Backsteinprojekte aus 322 Wettbewerbsbeiträgen zeigen einen beeindruckenden Querschnitt der zeitgenössischen Backsteinarchitektur. Der erste Preis geht an Königs Architekten, Köln, für das Pfarrzentrum St. Franziskus in Regensburg. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Claus en Kaan Architecten, Amsterdam, für den Wohnkomplex "De Eekenhof" in Enschede und Kahlfeldt Architekten, Berlin, für den Umbau eines Gleichrichterwerkes zu einem Wohnhaus. Weitere Auszeichnungen gehen an David Chipperfield Architects, Rapp + Rapp, beide Berlin, Johannes Götz & Guido Lohmann, Köln, sowie hillekamp + weber architektenstudio, Mönchengladbach.


Gesamtsieger und Sieger in der Kategorie "Öffentliche Bauten": Pfarrzentrum St. Franziskus, Regensburg (Fotos: Christian Richters)

Mit 322 Wettbewerbsbeiträgen kann der erstmals ausgelobte Fritz-Höger-Preis 2008 für Backsteinarchitektur schon jetzt zu den größeren Architekturpreisen in Deutschland gezählt werden. Dabei waren nur Projekte zugelassen, die in den Jahren 2004 bis 2008 fertig gestellt worden sind.


Pfarrzentrum St. Franziskus, Regensburg
 

Die Jury, bestehend aus ...

  • Prof. Hans Kollhoff,
  • Prof. Dörte Gatermann,
  • Dipl.-Ing. Architekt Rainer M. Kresing,
  • Dr. Christina Hagemeister und
  • Dipl.-Ing. Burkhard Fröhlich/Sonja Schulenburg,

... die Ende August im von Fritz Höger erbauten ehemaligen Druck- und Verlagshaus Broschek in Hamburg tagte, konnte angesichts der hohen Qualität der Wettbewerbsbeiträge aus Deutschland und dem benachbarten Ausland offensichtlich aus dem Vollen schöpfen. Dem Vernehmen nach wurden erst nach intensiven Diskussionen im vollständig anonymisierten Verfahren 31 Projekte für den Fritz-Höger-Preis 2008 für Backsteinarchitektur in den verschiedenen Kategorien nominiert. Nach Ansicht der Jury sind die nominierten Projekte ein beeindruckender Querschnitt der zeitgenössischen Backsteinarchitektur und zeugen von den vielseitigen Einsatzmöglichkeiten des Baustoffs.

Alle nominierten Arbeiten sollen ab September in einer Wanderausstellung gezeigt werden. Auch ein Buchprojekt soll folgen.

Die Architektur der Siegerprojekte


2. Platz Gesamtsieger: De Eekenhof, Enschede (Bild vergrößern, Foto: Christian Richters)
 

Die Siegerprojekte selbst können den hohen Stellenwert des Backsteins sowie sein kreatives, architektonisches Potenzial verdeutlichen ...

  • vom monolithisch aus Backstein erstellten Sakralbau in Regensburg, dessen hell geschlämmte Backsteinfassade die tektonische Oberflächenqualität herausstellt (Königs Architekten, Köln, 1. Preis, siehe die ersten beiden Fotos sowie Bing-Maps und/oder Google-Maps),
  • über eine expressiv als Backsteinskulptur gestaltete Wohnbebauung in Enschede, die die Amsterdamer Schule zitiert und in die Gegenwart überführt (Claus en Kaan Architecten, Amsterdam/Rotterdam, 2. Preis, sie Bild rechts sowie Google-Street-View und/oder Google-Maps)
  • bis zur Wiederbelebung der expressionistischen Architektur eines Gleichrichterwerkes, das in den 20er Jahren in Berlin entstand und nun als Wohnhaus eine neue Bestimmung erfährt (Kahlfeldt Architekten, Berlin, 3. Platz, siehe Foto von Stefan Müller).

Daneben beweist ein neu entstandenes Galeriegebäude in Berlin, Am Kupfergraben 10, das sich unter Verwendung von schlämmverfugten Abbruchziegeln im Reichsformat in die Sandsteinfassaden der historischen Nachbarschaftsbebauung einreiht und mit seiner skulpturalen Qualität gleichsam heraustritt, nicht nur die Nachhaltigkeit des Backsteins, sondern auch die zeitlose Dialogfähigkeit des Materials im historischen Kontext (David Chipperfield Architects, Berlin, Sieger in der Kategorie Büro- und Gewerbebauten):


Sieger Kategorie "Büro- und Gewerbebauten", Projekt: Am Kupfergraben 10, Berlin (Foto: Christian Richters); siehe zudem Bing-Maps, Google-Street-View und/oder Google-Maps

Klassisch wird der Backstein bei einer Sporthalle eingesetzt, die in einem geschlossen Baukörper von Wohnungen und Gewerbeflächen eingebettet ist. Dort unterstreicht das Material den robusten Charakter des Gebäudes, das so weit mehr als ein Zweckbau ist (Rapp + Rapp, Berlin, Sieger in der Kategorie Sport und Freizeit, siehe Bild sowie Bing-Maps und/oder Google-Maps). Diese Sporthalle befindet sich im Stadtteilzentrum Ypenburg in Den Haag, wo ein ganzes Stadtteilzentrum mit 481 Wohnungen und fast 20.000 m² Gewerbeflächen und öffentlichen Einrichtungen entstanden ist, das komplett von Backsteinfassaden bestimmt wird, deren Gliederung und Schichtung maßgeblich den Wohnwert des Quartiers - zumindest optisch - prägt (ebenfalls Rapp + Rapp, Berlin). Für dieses gelungene Beispiel, das sicherlich - auch bezogen auf Europa - Seltenheitswert hat, entschied sich die Jury, zusätzlich die Kategorie Städtebau einzuführen und das Projekt hier auszuzeichnen (siehe Bild, Bing-Maps und/oder Google-Maps).

In der Kategorie Wohnhäuser (EFH/DHH) mit ihren über 107 Bewerbungen war die Auswahl unter den schließlich zehn nominierten Beiträgen derart schwer, dass nun zwei Sieger prämiert wurden, die von der Architekturauffassung her gegensätzlicher kaum sein können. Auf der einen Seite wird ein Einfamilienhaus in Damme (Osnabrück) ausgezeichnet, das sich konsequent an der Nachbarbebauung eines gewachsenen Wohngebietes der 50er Jahre orientiert und sich dabei dennoch durch die strenge, ungebrochene Symmetrie des Baukörpers und der Fassaden, die auch im Innenraum ihre Entsprechung findet, abhebt (Johannes Götz & Guido Lohmann, Dipl.-Ing. Architekt, Köln, Bild rechts und Detail).

Auf der anderen Seite steht ein großzügiges, solitär gebautes Hofhaus am Niederrhein, dessen ins Haus hineinwachsende Mauern und die auf dem Außengelände verteilten Mauerflächen innen und außen miteinander verweben. Backstein wurde hier bewusst als Material ausgewählt, das selbst an allen waagerechten Untersichten zum Einsatz kommt, weil "Haus und Architektur mit Anstand alt werden sollen" (hillekamp + weber architekturstudio, Mönchengladbach, folgendes Bild und Detail):


Signal für das architektonische Potenzial von Backstein

Angesichts der Ergebnisse konnte Jurymitglied Prof. Hans Kollhoff abschließend feststellen: "Insbesondere die Siegerprojekte sind ein großes Statement für den Backstein, sein Potenzial und seine herausragende Bedeutung in der Architektur." Ernst Buchow, Vorsitzender der Initiative Bauen mit Backstein, ergänzt: "Mit dem Fritz-Höger-Preis für Backsteinarchitektur wollten wir ein Signal für das architektonische Potenzial unseres altbewährten Baustoffes setzen. Wenn man die große Bandbreite und die hohe Qualität der eingereichten Projekte betrachtet, ist das zweifelsfrei gelungen.

Auslober des Fritz-Höger-Preises (FHP) für Backstein-Architektur ist übrigens die Initiative Bauen mit Backstein, die von deutschen Backsteinproduzenten unterstützt wird. Der FHP wird alle zwei Jahre vergeben. Für den FHP 2010 können sich Projekte der Jahre 2006 bis 2010 bewerben.

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