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2017 brachte Rekorde bei Erneuerbaren Energien, aber keinerlei Fortschritte beim Klimaschutz

Studie „Die Energiewende im Stromsektor: Stand der Dinge 2017“ von der Agora Energiewende
  

(7.1.2018) Die Erneuerbaren Energien waren 2017 auf Rekordkurs: 36,1% des Stroms wurden von Windkraft-, Biomasse-, Solar- und Wasserkraftanlagen geliefert. Das sind 3,8 Prozentpunkte mehr als 2016 - einen stärkeren Zuwachs gab es auf diesem Niveau noch nie. Beigetragen dazu hat insbesondere die Windenergie ...

  • sowohl aufgrund des weiteren Zubaus
  • als auch infolge guter Windbedingungen 2017.

2017 wurde erstmals mehr Strom aus Wind produziert als aus Steinkohle und Atomkraft. Diese fielen auf das niedrigste Niveau seit 1990. Das zeigt die Studie „Die Energiewende im Stromsektor: Stand der Dinge 2017“, die Agora Energiewende jetzt vorgelegt hat.

Die Energiewende kommt also beim Zuwachs der Erneuerbare Energien und beim Ausstieg aus der Atomenergie voran. Eine schlechte Bilanz war 2017 allerdings bei den Treibhausgasemissionen zu verzeichnen: Das dritte Jahr in Folge stagnierte der Ausstoß des klimaschädlichen CO₂, anstatt wie vorgesehen zu sinken:

  • Während im Stromsektor die Emissionen infolge des Rückgangs der Steinkohleverstromung 2017 leicht zurückgingen,
  • stiegen sie im Verkehrs-, Gebäude- und Industriesektor aufgrund des höheren Mineralöl- und Erdgasverbrauchs.

Dr. Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende, erwartet vor diesem Hintergrund, dass „der gegenwärtige Trend darauf hinausläuft, dass Deutschland im Jahr 2020 seine Emissionen nur um 30 Prozent, statt wie geplant um 40 Prozent gegenüber 1990 vermindert.“ Die wesentliche Ursache hierfür ist die Entwicklung beim Energieverbrauch: 2017 wurde 0,8% mehr Energie verbraucht als im Jahr zuvor - Strom, Diesel und Erdgas legten zu. Es sollte damit nahezu unmöglich werden, die von der Bundesregierung im Energiekonzept 2010 beschlossenen Energieeffizienzziele für 2020 (minus 20% Primärenergie- und minus 10% Stromverbrauch gegenüber 2008) zu erreichen.

„Die Energieeffizienz-Fortschritte sind zu gering, um zusätzliche Verbräuche aus Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum auszugleichen oder sogar zu überkompensieren“, resümiert Graichen.

Auch die Stromverkäufe ins Ausland sind erneut gestiegen: Mehr als 60 TWh Strom wurden im Jahr 2017 per Saldo exportiert, das entspricht rund 10% des in Deutschland verbrauchten Stroms. Der Grund hierfür ist, dass Deutschland die zweitniedrigsten Börsenstrompreise Europas hat, und so lohnt es sich für Deutschlands Kohle- und Gaskraftwerksbetreiber, ihren Strom zu verkaufen. Die Erlöse hierfür beliefen sich unterm Strich auf etwa 1,4 Mrd. Euro - die oft besondere Aufmerksamkeit bekommenden Stunden mit negativen Strompreisen fallen in der Gesamtbilanz hingegen kaum ins Gewicht.

Strom wird teurer

Die Börsenstrompreise 2017 stiegen im Vergleich zu 2016 aufgrund höherer Importpreise für Kohle und Erdgas leicht. Haushaltsstrom dürfte 2018 im Schnitt daher um 1,4% mehr kosten und erstmals die Marke von 30 Cent/KWh überspringen. Im Gegensatz dazu haben die Erneuerbare-Energien-Auktionen 2017 gezeigt, wie billig Wind- und Solarstrom inzwischen sind: So sanken die garantierten Vergütungen für die Kilowattstunde ...

  • Solarstrom auf unter 5 Cent,
  • Windkraft-Onshore auf unter 4 Cent und
  • Windkraft-Offshore auf unter 2 Cent.

Damit ist Strom aus leistungsstarken neuen Erneuerbare-Energien-Anlagen nunmehr durchweg günstiger als Strom aus neuen konventionellen Kraftwerken.

Agora-Direktor Patrick Graichen mahnt deshalb: „Bei den Erneuerbaren Energien sind wir 2017 mit Blick auf Ausbau und Kostensenkung gut vorangekommen. Beim Klimaschutz steht das Vorreiterland Deutschland jedoch kurz vor dem Scheitern. Dies hat drei Ursachen:

  • Erstens steigen die Emissionen im Verkehr, vor allem im Güterverkehr seit Jahren an.
  • Zweitens steigert die Industrie ihre Effizienz nicht in dem Maße wie sie ihre Produktion erhöht.
  • Und drittens verbleibt der CO₂-schädlichste Energieträger, die Braunkohle, auf konstant hohem Niveau.

Wenn die neue Regierung hier nicht schnell gegensteuert, wird Deutschland seine Klimaschutzziele für 2020 und auch für 2030 massiv verfehlen.“

Die Studie „Die Energiewende im Stromsektor: Stand der Dinge 2017“ lässt sich über die Seite agora-energiewende.de > Publikationen kostenfrei downloaden (direkter PDF-Download). Die rund 60-seitige Publikation beschreibt in zehn Kapiteln mit zahlreichen Abbildungen die wesentlichen Trends. Sie basiert auf aktuell verfügbaren Daten aus zahlreichen öffentlichen Quellen.

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