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Studie zeigt auf: Hunderte Menschenleben durch Rauchwarnmelderpflicht gerettet


  

(19.3.2020) Rauchwarnmelder senken signifikant die Gefahr, durch ein Feuer bzw. durch Rauch zu sterben. Hekatron hat dazu jetzt eine neue Studie mit dem Titel „Wirksamkeit der Rauchwarnmelderpflicht“ vorgelegt. Sie weist umfassend den Zusammenhang zwischen Rauchwarnmeldern und geretteten Leben nach. Statistisch abgesichert wurden danach seit der Einführung der Rauchwarnmelder-Pflicht (RWM-Pflicht) 501 Menschen gerettet. Damit bestätigt die aktuelle Analyse die bereits 2013 durch die „Sulzburger Studie“ nachgewiesenen positiven Effekte der Rauchwarnmelderpflicht.

Laut Dr. Sebastian Festag, Risikoforscher bei Hekatron Brandschutz, verstarben statistisch gesehen seit der Einführung der RWM-Pflicht 68 Personen weniger pro Jahr. Das sind rund 20 Prozent weniger Brandsterbefälle im häuslichen Umfeld im Vergleich zum Mittelwert von 380 Todesopfern vor Einführung der RWM-Pflicht: „Der positive Effekt konnte für Neu- und Bestandsbauten nachgewiesen werden“, betont Dr. Festag, der die Studie gemeinsam mit seiner Kollegin Dr. Marion Meinert erstellt hat.

Für Dr. Festag, der sein Know-how auch in Gremien wie der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb) und der Gesellschaft für Sicherheitswissenschaft (GfS) einbringt, sind die Zahlen jedoch „nur die Spitze des Eisbergs“. Eine Einschätzung, die sich auch auf den Unfallforscher Herbert William Heinrich stützt. Denn nach seiner sogenannten Unfallpyramide liegen einem tödlichen Unfall 10 schwere und 10.000 Beinahe-Unfälle zugrunde. Das heißt, „die RWM-Pflicht schützt noch deutlich umfassender, als es die vorgelegten Zahlen aus dem Untersuchungszeitraum von 1998 bis 2016 vermuten lassen“, so Dr. Festag.

Zudem geht der in der Studie beschriebene Effekt hauptsächlich auf den Einbau von Rauchmeldern in Neubauten zurück. Denn die Nachrüstpflicht für Bestandsbauten greift erst seit 2010 und wurde im Untersuchungszeitraum auch nur von einzelnen Bundesländern vorgeschrieben. Bei einer vollständigen Umsetzung der RWM-Pflicht auch in bestehenden Gebäuden „kann deshalb von deutlich mehr geretteten Personen ausgegangen werden“, so Dr. Festag.

Von zentraler Bedeutung ist auch der Ausstattungsgrad der Haushalte mit Rauchwarnmeldern: Nach Dr. Festags Hochrechnungen, bei denen er sich auf die Ergebnisse von Forsa-Umfragen stützt, sind hierzulande aktuell nur 50 bis 60% aller Haushalte pflichtgemäß mit Rauchwarnmeldern ausgestattet. In den USA liegt der Ausstattungsgrad mit 95% deutlich höher. „Hier müssen wir ansetzen und noch mehr Aufklärungsarbeit leisten, um den Schutz für die Bewohner zu erhöhen“, so Dr. Festag.

Beispiel Mecklenburg-Vorpommern

Sehr anschaulich zeigt sich laut Dr. Festag der Zusammenhang zwischen Ausstattungsgrad und Wirksamkeit der RMW-Pflicht in Mecklenburg-Vorpommern. Während vor der Pflichteinführung in diesem Bundesland im Mittel 11,75 Brandsterbefälle jährlich erfasst wurden, sank der Wert bereits nach der Einführung zum 18.4.2006 auf 3,55 Sterbefälle (Mittelwert von 2006 bis 2016). Durch die RWM-Pflicht versterben hier folglich im Mittel jährlich 8,2 Personen weniger. In dieser Zeit ist der Ausstattungsgrad von 16% auf ca. 80 bis 90% gestiegen.

Bei der statistischen Analyse stützten sich Dr. Festag und seine Kollegin Dr. Marion Meinert auf Zahlen der amtlichen Todesursachenstatistik der Bundesrepublik Deutschland und auf Daten des Statistischen Bundesamtes. Der Zusammenhang wurde statistisch mit dem in wissenschaftlichen Studien üblichen t-Test nachgewiesen.

Die Studie kann unter prosicherheit.net/studie-rauchwarnmelderpflicht kostenlos angefordert werden.

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