Initiative co2online veröffentlicht ersten Stromspiegel für Photovoltaik
(24.2.2026) Der erste Stromspiegel speziell für Haushalte mit Photovoltaikanlage soll auf Basis realer Verbrauchsdaten differenzierte Vergleichswerte, abgestimmt auf Haushaltsgröße, E-Auto und Wärmepumpe liefern. Somit können PV-Besitzer ihren Stromverbrauch realistisch einordnen und gezielt Optimierungspotenziale erkennen.
Bisher bewertete der klassische Stromspiegel den Stromverbrauch anhand der Stromrechnung. Für Haushalte mit Photovoltaikanlage greift dieses Prinzip jedoch zu kurz, da sich ihr Stromverbrauch aus Netzstrom und selbst erzeugtem Solarstrom abzüglich der Einspeisung zusammensetzt. Großverbraucher wie Wärmepumpen oder Elektroautos, erhöhen zudem den Strombedarf deutlich, daher sei ein Vergleich mit Haushalten ohne diese Technik nicht sinnvoll.
Der Stromspiegel Photovoltaik ist eines der zentralen Ergebnisse des Forschungsprojekts ProSuffizienz, gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Ziel des Projekts ist es, zu verstehen, wie sich die Installation von PV-Anlagen auf das Verbrauchsverhalten auswirkt – und wie ein effizienter und zugleich suffizienter Umgang mit selbst erzeugtem Strom gefördert werden kann. An dem Projekt beteiligt sind neben co2online mehrere Forschungs- und Praxispartner, darunter das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und das ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung.
Dr. Nadine Walikewitz, Projektleiterin bei co2online: „Mit dem Stromspiegel Photovoltaik machen wir sichtbar, was bisher im Dunkeln lag. Immer mehr Menschen erzeugen ihren Strom selbst. Damit sie bewusst und sparsam damit umgehen können, brauchen sie verlässliche Vergleichswerte. Genau die liefern wir jetzt.”
Reale Daten als Grundlage
Die neuen Vergleichswerte wurden im Rahmen eines vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Forschungsprojekts entwickelt. Analysiert wurden reale Stromverbrauchsdaten von Prosumer-Haushalten, also Haushalten, die Strom selbst erzeugen und verbrauchen. Berücksichtigt werden dabei auch unterschiedliche Ausstattungen mit Wärmepumpen und E-Auto.
Zudem wird nach Haushaltsgröße differenziert. So liegt der mittlere Stromverbrauch eines 3- bis 4-Personen-Haushalts mit Photovoltaikanlage bei 3.700 Kilowattstunden pro Jahr. Verfügt derselbe Haushalt zusätzlich über eine Wärmepumpe, beträgt der mittlere Verbrauch 6.800 Kilowattstunden. Mit PV-Anlage, Wärmepumpe und E-Auto sind es bereits 9.000 Kilowattstunden jährlich.
Um den eigenen Stromverbrauch einzuordnen, wird der Strom aus der Stromrechnung mit dem selbst erzeugten Solarstrom zusammengerechnet und die eingespeiste Strommenge abgezogen. Der so ermittelte Jahresverbrauch kann anschließend mit Haushalten ähnlicher Größe und Ausstattung verglichen werden.
Rebound-Effekt: Solarstrom schafft Mehrverbrauch
Die Auswertungen zeigen zudem, dass eigener Solarstrom das Verbrauchsverhalten ändert. Die ständige Verfügbarkeit von selbst erzeugtem Strom kann dazu führen, dass Haushalte insgesamt mehr Strom verbrauchen – ein Phänomen, das Fachleute als Rebound-Effekt bezeichnen.
„Photovoltaik ist ein zentraler Baustein der Energiewende”, so Nadine Walikewitz. „Aber sauber erzeugter Strom sollte trotzdem sparsam genutzt werden. Der Stromspiegel Photovoltaik hilft dabei, den eigenen Verbrauch realistisch einzuordnen und versteckte Mehrverbräuche zu erkennen.”
Transparenz: ein erster Schritt zum Stromsparen
Der Stromspiegel Photovoltaik richtet sich an Hauseigentümer, die ihren Stromverbrauch besser verstehen und optimieren möchten. Wer weiß, ob der eigene Verbrauch gering, mittel oder hoch ist, kann gezielt nach Stromfressern suchen oder den Eigenverbrauch effizienter gestalten.
siehe auch für zusätzliche Informationen:
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siehe zudem:
- Photovoltaik und Erneuerbare Energien sowie nachhaltiges Bauen bei Baulinks.de
- Literatur / Bücher über Architektur bei Baubuch / Amazon.de
