Update Euroconstruct: Europäische Bauwirtschaft vor schrittweiser Erholung
(27.2.2026) Nach zwei Jahren mit rückläufiger Entwicklung stabilisiert sich der europäische Bausektor allmählich. Laut der Prognose der Euroconstruct-Winterkonferenz vom November 2025 sank die Bauproduktion in den 19 Mitgliedsländern 2023 um 0,5 % und 2024 um 1,7 %. Damit verzeichnete die Branche die schwächste Zweijahresphase seit der Pandemie. 2026 soll die Produktion demnach um 2,4 % zulegen. Als Impulse gelten günstigere Finanzierungsbedingungen und eine stärkere Dynamik im Tiefbau.
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben uneinheitlich. Zwar sind die Zinsen seit ihren Höchstständen 2023 gesunken und die Inflation hat sich abgeschwächt, dennoch belasten hohe Baukosten, eingeschränkte Finanzierbarkeit, verhaltene private Investitionen und anhaltende Unsicherheiten die Bautätigkeit. Besonders betroffen ist der Hochbau, vor allem der Wohnungsneubau.
Der Wohnungsbau bleibt der zentrale Belastungsfaktor. Die Neubauleistung ging 2023 und 2024 zurück; eine spürbare Erholung wird erst ab 2027 erwartet. Auch die Wohngebäudesanierung verlor 2024 an Dynamik und dürfte 2025 nochmals nachgeben, bevor in den Folgejahren wieder moderates Wachstum einsetzt. Damit bestätigt sich ein struktureller Trend: Die Sanierung bleibt stabil, übernimmt jedoch nicht mehr die stark konjunkturstabilisierende Rolle früherer Jahre.
Im Nichtwohnungsbau stellt sich die Lage etwas günstiger dar. Nach einem leichten Rückgang 2024 wurde für 2025 ein leichtes Wachstum prognostiziert, das sich 2026 beschleunigen soll. Die Nachfrage verschiebt sich jedoch: Der Neubau gewerblicher und industrieller Gebäude wird für 2025 nach unten korrigiert. Dagegen bleibt die Modernisierung von Bestandsgebäuden tragende Säule des Segments, gestützt durch energetische Anforderungen und die Erneuerung öffentlicher wie privater Immobilien.
Der Tiefbau erweist sich als stabilstes Segment. Nach Zuwächsen 2023 und 2024 wird auch für 2026 weiteres Wachstum erwartet. Sowohl Neubau- als auch Sanierungsmaßnahmen tragen dazu bei. Investitionen in Verkehrsinfrastruktur, Energiewende, Klimaanpassung und EU geförderte Programme sorgen dafür, dass die Tiefbauleistung 2026 deutlich über dem Niveau von 2023 liegt.
Unterschiedliche Entwicklung der EU-Länder
Die Entwicklung in den einzelnen Ländern verläuft unterschiedlich. Zwischen 2026 und 2028 werden nur Irland, Polen, Schweden und das Vereinigte Königreich ein durchschnittliches Jahreswachstum von mehr als 4 % erreichen. Spanien weist mit 3 % solide Perspektiven auf, während Frankreich mit 1,7 % und Deutschland mit 1,1 % verhalten bleiben. Italien kommt trotz Aufwärtskorrektur lediglich auf 0,6 %, Belgien verharrt mit 0,5 % nahe der Stagnation.
Irland zeigt bis 2028 die höchste Dynamik, getragen von öffentlichen Investitionen und stabiler Nachfrage. Polen entwickelt sich trotz Korrekturen weiterhin robust. Spanien und Portugal profitieren von einer breiten Expansion im Hoch- und Tiefbau. Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien stehen hingegen weiter unter Druck durch schwache Wohnungsnachfrage, hohe Kosten und eingeschränkte Finanzierungsmöglichkeiten.
Insgesamt deutet die Prognose auf eine veränderte Wachstumsstruktur hin: Ab 2025 werden Neubau und Tiefbau die Entwicklung stärker prägen, während die Sanierung bei weiterhin stabilem Niveau geringere Zuwächse verzeichnet. Die Gesamtbauleistung dürfte 2027 wieder über dem Stand von 2023 liegen, bleibt jedoch anfällig für wirtschaftliche Risiken.
Das Euroconstruct Netzwerk erwartet somit eine schrittweise Erholung. Verbesserte Finanzierungsbedingungen, langfristige Infrastrukturprogramme und anhaltende Sanierungsaktivitäten sollen den Sektor stabilisieren und ab 2026 breiteres Wachstum ermöglichen.
siehe auch für zusätzliche Informationen:
ausgewählte weitere Meldungen:
- ifo-Geschäftsklimaindex Februar 2026: Bauhauptgewerbe erholt sich (23.2.2026)
- Destatis: Mehr Baugenehmigungen für Wohnungen 2025 (18.2.2026)
- Bauwirtschaft: RICS veröffentlicht Global Construction Monitor Q4 (13.2.2026)
- Mehr Insolvenzen in der Bauwirtschaft und Arbeitnehmerüberlassung (13.2.2026)
siehe zudem:

