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SOLANOVA: Plattenbau - vom „Energiefresser“ zum Super-Niedrigenergiehaus

(10.8.2005; später mehrfach bearbeitet) Mit etwa 25 l Heizöl pro Quadratmeter und Jahr verbrauchen alte, nicht renovierte Plattenbauten in Mittel- und Osteuropa bis zu 50% mehr als durchschnittliche(!) Gebäude in Deutschland. Der Grund ist der enorm hohe Wärmeverlust der alten Gebäude. Passivhäuser wiederum verlieren aufgrund ihrer ausgiebigen Dämmung kaum Wärmeenergie. Allein passive Wärmequellen wie Sonne, Haushaltsgeräte und die Bewohner selbst temperieren die Räume angenehm. Bereits eine minimale Zusatzheizung genügen, um ein behagliches Raumklima zu schaffen.

SOLANOVA: Niedrigenergiehaus in Plattenbauweise - Wissenschaftliches Zentrum für Umweltsystemforschung
Foto: Wissenschaftliches Zentrum für Umweltsystemforschung

Wie es möglich ist, Plattenbauten mit Passivhaus-Technologie vergleichsweise kostengünstig zu Super-Niedrigenergiehäusern umzubauen, wollte die Forschergruppe vom Wissenschaftlichen Zentrum für Umweltsystemforschung (WZIII) an der Universität Kassel demonstrieren. Projektleiter ist der promovierte Maschinenbauingenieur Hartmut Hübner. Das Demonstrationsprojekt trägt den Namen SOLANOVA - in der übersetzten Langform steht das englische Akronym für "Solar unterstützte, integrierte ökoeffiziente Renovierung von großen Wohngebäuden und Energieversorgungssystemen". Auf vier Jahre war SOLANOVA insgesamt angelegt. In den ersten zwei Jahren (seit Januar 2003) haben die Forscher Partner und Sponsoren gewonnen sowie die vorhandene Passivhaus-Technologie auf die Plattenbau-Renovierung zugeschnitten. Herausgekommen war ein ganz neues Renovierungsmodell, denn bis dato wurde Passivhaus-Technologie in erster Linie bei Neubauten angewendet. Der Einsatz bei einer Renovierung eines Plattenbaus ist absolutes Neuland.

Ziel: 80 Prozent geringerer Wärmeverlust

Um zu zeigen, dass ihr Modell praktisch funktioniert, renovierten die Kasseler Wissenschaftler einen siebengeschossigen Plattenbau in der ungarischen Stadt Dunaújváros, 70 Kilometer südlich von Budapest. Insgesamt mit acht Partnern, darunter die Universität Budapest und lokale Unternehmen, wollte die Kasseler Forschergruppe den Heizenergieverbrauch des Hauses um mehr als 80% senken. "Für die ungarische Bautechnologie ein Sprung von 25 Jahren", so der SOLANOVA-Projektleiter Hartmut Hübner.

„Retrofit oder Dynamit“ - Renovieren oder Sprengen

Neben der ungarischen Regierung, der Stadt Dunaújváros, dem örtlichen Fernwärmeunternehmen und den Wohnungseigentümern, förderte die Europäische Union das Projekt. Das Demonstrationsprojekt war für die EU ein wichtiger Prüfstein. Denn das ungarische SOLANOVA-Haus war typisch für die Plattenbauweise in den ehemaligen sozialistischen Staaten im östlichen Mitteleuropa.

  • Sollte der Umbau erfolgreich sein, wollte/will die Kommission nach dem Kasseler Modell die Renovierung ausgedehnter Plattenbausiedlungen fördern.
  • Für den entgegengesetzten Fall sprachen EU-Bedienstete intern von SOLANOVA als "Retrofit oder Dynamit". Sollten die Plattenbausiedlungen also nicht energetisch fit gemacht werden können, drohte ihr Abriss.
"Ein Abriss hätte aber tiefe Einschnitte für die Bewohner, da über Jahrzehnte gewachsene soziale Gemeinschaften in den Siedlungen auseinander gerissen würden", beschreibt Andreas Hermelink, SOLANOVA-Projektmanager, die Folgen einer solchen Entwicklung.

Eine zentrale Rolle für den Erfolg von SOLANOVA spielte also auch die Akzeptanz der Passivhaus-Technologie durch die Bewohner: Alles, woran sich die Bewohner gewöhnt haben und ihnen lieb ist, sollte daher nicht verändert werden. So sollten trotz der automatischen Zufuhr von erwärmter Frischluft alle Fenster in den Wohnungen zu öffnen sein und ihre gewohnte Größe behalten. Kleinere Fenster ohne Öffnungsmöglichkeit hätten zwar den Wärmeverlust weiter verringert. Die Bewohner hätten sich aber möglicherweise gegängelt geführt. "Wir wollen die Bewohner in ihren Vorstellungen von Wohnqualität auf keinen Fall beschneiden", unterstrich Hermelink.

Demonstrieren wollten die Kasseler Wissenschaftler mit SOLANOVA auch das große Potential der Solartechnik in Verbindung mit Niedrigenergiehäusern. Am Gebäude angebrachte Solarkollektoren sollten einen Großteil der benötigten Energie für Warmwasser bereitstellen. "Daraus ergeben sich spannende Perspektiven. In Wohnquartieren mit Passivhäusern könnte die Energieversorgung beispielsweise von Gas auf Solar und Biomasse umgestellt werden", beschrieb Hermelink.

Das Projekt verlief übrigens erfolgreich - siehe „SOLANOVA - Building for Our Future

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