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Fassadenschalung: Schnittstelle zwischen Fertigteil und Ortbeton

(31.1.2007) Sie sind relativ unbekannt, aber äußerst effizient: so genannte Fassadenschalungen können viel Zeit und Material sparen. Mit nur wenig Gerät schaffen sie eine kostengünstige Verbindung von Fertigteilen und Ortbetonstützen, entkoppeln die Decken- von der Randherstellung und sind gleichzeitig auch noch Absturzsicherung.

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Beim Bau des neuen Wiesbadener Einkaufszentrums Lilien-Carré (Eröffnung: Frühjahr 2007) mit angeschlossenem Hotel und Bürogebäude, setzt die Arge (Wayss & Freytag / Wolff & Müller) die Fassadenschalung von Hünnebeck ein, um die Außenfassade aus Ortbetonstützen und Fertigteilbrüstungen möglichst wirtschaftlich herzustellen. Die örtliche Bauleitung hatte ein Konzept erstellt, das die betreuende Riedlinger Hünnebeck-Niederlassung aufgegriffen und an die Ratinger Projektentwicklung zur detaillierten Ausarbeitung weitergeleitet hat. Projektleiter Olaf Donder beschreibt die Anforderungen: "In Wiesbaden wurde ein Schalsystem gesucht, welches bei äußerst beengten Platzverhältnissen ein Auflager für die Fertigteile schafft, das Schalen der Stützen ermöglicht, ein Außengerüst spart und gleichzeitig Absturzsicherung ist."

All diese Anforderung erfüllt die Fassadenschalung mit ihrer integrierten Stützenschalung. Sie bringt derzeit die Fassade der bis zu neungeschossigen Bauteile des neuen Hotel- und Bürogebäudes in Form. Jeweils ab Etage 2 wird die spezielle Bauweise angewandt, bei der Fertigteilbrüstung und Ortbetonstütze zunächst miteinander vergossen werden. Unabhängig davon werden anschließend die Decken hergestellt - ohne aufwändiges Schalen mit Randtischen.

Nur 40 cm auskragender Platzbedarf

Die einzelnen Elemente der Hünnebeck-Fassadenschalung bestehen aus 6 m hohen vertikalen Stahlriegeln (140er Doppel-U-Profile) an denen als Stützenaußenschalung horizontale Gurte aus dem normalen Holzträgerschalungsprogramm (H20) montiert sind. Die fertig montierten Elemente, also Fassadenriegel plus Außenschalung werden in einem ersten Arbeitsschritt an der darunter liegenden Fassade befestigt. Ihr großer Vorteil: ab Außenkante Bauwerk kragt die komplette Konstruktion lediglich um 40 cm aus. Das schafft kein Gerüst, keine andere Hilfskonstruktion.

Gleichzeitig bieten die Elemente eine "eingebaute" Absturzsicherung über zwei Etagen. Hünnebeck-Konstrukteur Dirk Nartmann: "Weil unsere Fassadenriegel 6 m lang sind, sichern wir mit einem einzigen Element stets zwei Ebenen ab." Bei konventionellen Methoden erfordern Arbeiten am Deckenrand entweder Randtische mit Rückenschutz oder andere, zusätzliche Sicherungsmaßnahmen. "Man muss die Schalung nur so raffiniert einsetzen, dass die Zwischenräume der Fassadenelemente eng genug sind, um ein Abstürzen zu verhindern. Das kann mit horizontalen Gerüstrohren oder Stahlprofilen (wahlweise auch zusätzlich mit Netzen) erreicht werden. So erzielt man gleichzeitig, ganz nebenbei eine perfekte Absturzsicherung, die selbst hohen Windlasten trotzt", ergänzt Schalexperte Donder.

Bequeme Fertigteiljustage

Nach Befestigung und Ausrichtung der Fassadenschalung, werden die Fertigteilbrüstungen verlegt und justiert. Dazu sind an den Vertikalriegeln der Fassadenschalung spezielle Aufnahmen befestigt. Sie kragen ins Gebäudeinnere aus und fungieren als Halte- und Justiersystem für die Fertigteile. Die Brüstungsteile werden zunächst auf den Auflagern abgesetzt, anschließend exakt ausgerichtet und oben wie unten fixiert. Diese Justage ist recht schnell und vor allem unkompliziert erledigt. Denn die Auflager funktionieren ähnlich wie eine große Schraubzwinge. Sie spannen das Fertigteil ein und positionieren es lotrecht. Wer schon einmal Fertigteile eingepasst hat, weiß, wie knifflig und auch Kraft aufwändig die genaue Positionierung der mitunter äußerst schweren Bauteile sein kann. Beim Einsatz der Fassadenschalung ergibt sich der lotrechte Einbau hingegen sozusagen von selbst - die an der bereits fertigen Fassade befestigten Vertikalriegel geben die korrekte Position vor. Jetzt erfolgt die Bewehrung der Stütze. Mit der Schließschalung (Stützeninnenschalung) wird dann die Stütze geschlossen.


Anschließend geht es ans Betonieren - Fertigteil und Stütze werden bis zur (imaginären) Oberkante Decke vergossen. Nach dem Ausbau der Stützeninnenschalung kann dann die Decke gegen die mit Bewehrungsanschlüssen versehene Fertigteilbrüstung geschalt und betoniert werden. Die bereits fertige Fassade bildet dabei eine perfekte Absturzsicherung. Ist die Decke fertig, wird die Fassadenschalung per Kran eine Etage höher gesetzt und der Ablauf beginnt von vorne.

Baukastenprinzip

In Wiesbaden sind insgesamt 46 Fassadenschalungselemente im Einsatz: 32 gerade Einheiten (vier baugleiche Typen), die 6 m hoch und 2,50 m breit sind. Das bedeutet: in nur einem Kranspiel werden 15 m² Fassadenschalung und die Außenschalung der Ortbetonstütze umgesetzt. Hinzu kommen 14 Eckelemente, die je nach Stützenform als L- oder Doppel-L ausgebildet sind. Wegen der unterschiedlichen Stützenformen sind insgesamt nur zwei davon baugleich, die restlichen elf unterscheiden sich in ihren Details. Doch sei diese Typenvielfalt überhaupt kein Problem, so Donder: "Alle Elemente lassen sich nach dem Baukastenprinzip aus Serienteilen herstellen." Lediglich für die L- und Doppel-L-Stützen habe man Serienteile mit Sondergurtungen kombiniert, die fix und fertig geschweißt zur Baustelle geliefert wurden. Hier hat dann die Schalkolonne die Montage der Elemente übernommen - ein von Hünnebeck gestellter Schalmeister hat in den ersten Tagen Hilfestellung geleistet, bis alle das zunächst ungewohnte System in Eigenregie fertigen konnten.

"Eigentlich ist die Fassadenschalung tatsächlich eine genial einfache Konstruktion, die enorme Vorzüge hat", zeigte sich Polier Andreas Uhlig bereits nach wenigen Takten vom Hünnebeck-System überzeugt. Er und Bauleiter Josef Vrablik haben die wenigen, einfachen Arbeitsschritte der neuen Fassadenbauweise schätzen gelernt, die eine hohe Arbeitsgeschwindigkeit ermöglicht. Ihrer Meinung nach hätte jede konventionelle Methode, d.h. die Montage von Arbeitsbühnen (Konsolgerüste) und die Herstellung der Lochfassade mit Wandschalung wesentlich mehr Zeit erfordert. Damit bestätigen die beiden, was Arbeitsstudien und Wirtschaftlichkeitsvergleiche bereits belegen: Fassadenschalungen sparen - sinnvoll eingesetzt - Zeit und Material.

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