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EXPO 2000: tausende Bauarbeiter arbeite(te)n an Höhepunkten der Architektur

(21.5.2000) Tage vor der Eröffnung wird auf dem Expo-Gelände immer noch geschraubt, gehämmert, gebohrt und betoniert. Rund 6.000 Handwerker und Bauingenieure schuften rund um die Uhr - den Stichtag 1. Juni im Nacken. Die Arbeiten auf derzeit Europas größter Baustelle werden kurz vor Beginn der Weltausstellung zum Rennen mit der Zeit. "Sicher wird es so sein, dass einige Nationen ihre Gäste mit der rechten Hand begrüßen und mit der linken noch die letzten Schilder annageln", meint Expo-Geschäftsführer Reinhard Volk. (EXPO 2000-Ausstellungsgelände bei Bing-Maps und/oder Google-Maps.)

Ebenso skeptisch ist man in der Expo-Abteilung Planen und Bauen, ob alle Pavillons zum ersten Tag eröffnet werden können. Vieles wird davon abhängen, wie schnell die Ausstellungen im Inneren aufgebaut werden. Doch auch bei anderen Weltausstellungen hätten einige Nationen ihre Bauten erst nach Beginn der Veranstaltung komplett eröffnet, weiß die Expo-Gesellschaft.

Selbst wenn nicht alle der mehr als 50 Bauten den Termin halten können, das Expo-Gelände wird vieles für Architektur-Fans bieten. In der Geschichte der Weltausstellungen war es immer eine besondere Herausforderung, mit den Nationenpavillons etwas Besonderes zu zeigen. Das ist auch in Hannover so: etwa das "konstruktive Wagnis der Niederländer" mit ihren gestapelten Landschaften. Der 40 Meter hohe Turm - etwas despektierlich auch "Big-Mäc-Pavillon" genannt - dominiert den Osten des Expo-Geländes. Er steht unter dem Motto: "Holland schafft Platz" und setzt sich mit den Problemen von Enge und Dichte auseinander. Auf dem Dach drehen sich um einen See herum Windräder, die das mächtige Gebäude mit Strom versorgen. An einer Etage bildet fließendes Wasser die Außenfassade.

Ähnlich gelungen ist der Auftritt der Finnen, die in ihr "Windnest" einen Birkenwald gepflanzt haben. Die Außenhaut ist mit Nadelholz verkleidet, das in dieser Art erstmals in Deutschland verbaut wurde. Durch eine neue Behandlung - das Holz wird kurzfristig extrem hohen Temperaturen ausgesetzt - ist es wetterbeständiger.

Der Schweizer Pavillon wird im besonderen Maße dem Expo-Motto "Mensch - Natur - Technik" gerecht, indem frisch geschnittenes Bauholz zum Labyrinth "Klangkörper Schweiz" aufgeschichtet wurde. Das Innere ist luftig und duftet nach Holz. Nach der Expo wird der Pavillon komplett wieder verwertet - das Bauholz wird verkauft, es wird nichts zurückbleiben.

Beginnen Architekten über die Expo zu reden, finden sie selten ein Ende, weil es viel Spannendes gibt: der ungarische Pavillon, der wie eine riesige Blüte aussieht, der japanische aus Altpapierrollen, der spanische mit einer Korkfassade, der Kirchenpavillon, dessen Stahlkonstruktion nicht geschweißt oder genietet, sondern gesteckt ist, oder der nepalesische mit aufwendigen Schnitzarbeiten.

An dem 130 mal 90 Meter großen deutschen Pavillon, den der Investor Josef Wund aus Friedrichshafen gebaut hat, scheiden sich allerdings die Geister. Die Fachwelt hält das Gebäude an der Expo-Plaza meistenteils für nicht geglückt; eine Zeitung beschrieb ihn gar als "Fischdose unter Unterdruck". Aber es gibt auch Fans des Pavillons mit seiner gebogenen Glasfassade, zumal er unter sehr großem Zeitdruck entworfen, finanziert und realisiert werden mußte. Michael Naumann, Staatsminister für Kultur, hält z.B. die "Architektur für außerordentlich luftig und gelungen".

ÜBRIGENS: Bei der Expo passt die Welt auf rund 160 Hektar Fläche - und zwar im Süden Hannovers. Rund zwei Drittel des Geländes gehören der Deutschen Messe AG. In ihren 26 Hallen, die seit vielen Jahren für große Weltmessen wie CeBIT oder Industriemesse genutzt werden, ziehen zur Expo mehr als 100 Länder und internationale Organisationen ein und richten ihre Stände für die 40 Millionen erwarteten Besucher her.

Auf dem Pavillongelände West entstanden die temporären Nationen-Pavillons, die nach der Weltausstellung wieder abgebaut und zum Teil am Ende der Expo an anderer Stelle wieder aufgebaut werden: So soll das Gebäude des Heiligen Stuhls etwa als Gemeindezentrum in Lettland genutzt werden. Der japanische Pavillon aus Papier wird allerdings recycelt.

Das Pavillongelände Ost mit der zentralen Expo-Plaza - hier stehen z.B. der Deutsche Pavillon und die Preussag-Arena - wird nach der Weltausstellung weiter genutzt. Einige Nationen wie Frankreich, Großbritannien, Schweden und China haben die spätere gewerbliche Nutzung bereits bei den Pavillon-Entwürfen mit eingeplant. Andere Pavillons - wie das Wüstenfort der Vereinigten Arabischen Emirate - werden eher schwierig zu vermarkten sein.


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