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Architekten und Ingenieure als Mediatoren

(8.11.2002) Stellen Sie sich vor, es gibt eine Gerichtsverhandlung und keiner geht hin. - Der abgewandelte Spruch der Friedensbewegung kann bei Baustreitigkeiten indirekt Realität werden. Statt einer Situation, aus der eine Partei als Gewinner und eine als Verlierer oder schlimmer noch beide als Verlierer hervorgehen, wird ein Verhandlungsausgang möglich, der die im Streit liegenden Parteien zu Gewinnern macht. Der Planer als Mediator, als ein unabhängiger Vermittler, kann Konflikte lösen und einen Prozess vermeiden helfen.

Streitigkeiten bei Bauvorhaben, die die Parteien nicht selber beilegen können, werden üblicherweise über den Rechtsweg gelöst. Es besteht häufig Termindruck, meistens geht es um hohe Summen und der Richter, der die Entscheidung im Bauprozess fällt, ist in bautechnischen Fragen zwangsläufig ein Laie. Die Anrufung der Gerichte verursacht erhebliche Zusatzkosten, sorgt für Zeitverzögerungen und der Ausgang des Verfahrens ist unsicher. Die Beteiligten müssen im Zusammenhang mit der Baumassnahme jedoch noch weiterhin miteinander aus kommen.

An diesem Punkt setzt die Mediation an: Im Konfliktfall wird von den Parteien einvernehmlich ein als Mediator ausgebildeter Architekt oder Ingenieur beauftragt, der zunächst die bestehende Situation analysiert. Als Vermittler trägt er dazu bei, eine Lösung herauszuarbeiten, die von beiden Parteien akzeptiert werden kann. In der Regel läuft ein solches Verfahren in mehreren Schritten ab: Der Mediator eröffnet die Sitzung am "Runden Tisch" und einigt sich mit den Parteien über den Ablauf der Verhandlung. Die Konfliktbeteiligten stellen den Sachverhalt jeweils aus ihrer Sicht dar. Gezieltes Nachfragen des Mediators beleuchtet möglichst umfassend den Status quo. Durch professionelle Gesprächsführung und Fragetechnik veranlasst der Mediator die streitenden Parteien, Aspekte anzusprechen, die mit dem eigentlichen Konflikt nur bedingt zu tun haben, die aber unter Umständen zu einer erheblichen Verhärtung führen. Wie ein Dolmetscher bringt der Mediator die Beteiligten dazu, die jeweils andere Seite besser zu verstehen und das Gespräch wieder in Gang zu bringen. Jede Partei legt ihre Kompromissgrenzen dar und der Vermittler sorgt für eine Annäherung der beiden Seiten. Gemeinsam formulieren die Beteiligten eine einvernehmliche Kompromisslösung die von allen Seiten akzeptiert wird. Diese mündet in einen verbindlichen Vertrag. Diesen Vertrag lässt der Mediator durch einen Fachanwalt überprüfen. Selbstverständlich können schon während des Verfahrens die Parteien Anwälte als Rechtsberater einbeziehen.

Auch in der Planung kann sich die Mediation durch Architekten als sinnvoll und effizient erweisen: Wenn beispielsweise in einer Stadt die Bebauung eines zentralen Grundstückes angestrebt wird, sich aber eine Bürgerinitiative dagegen ausspricht, so kann hier ein Architekt oder Stadtplaner mit einer Mediatorenausbildung, der nicht gleichzeitig mit der Planung beauftragt ist, vermitteln. Die Aufgabe des Architekten oder Stadtplaners besteht in diesem Zusammenhang aber nicht darin, durch einen eigenen Alternativ-Entwurf einen Kompromiss herbeizuführen, sondern das Gespräch zwischen allen Beteiligten zielorientiert zu lenken.

Die Akademie der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen hat in Kooperation mit der Arch+Ing Akademie der Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten in Wien (in Österreich wurde der Lehrgang bereits erfolgreich durchgeführt) ein spezielles Lehrangebot entwickelt. Dies ist der einzige Lehrgang im deutschsprachigen Raum, der eine Ausbildung für alle in der Baubranche Tätigen bietet. Die Teilnehmer beschäftigen sich ausschließlich mit der Mediation in ihrem ganz konkreten Berufsumfeld. Der gleiche berufliche Hintergrund aller Teilnehmer fördert und dynamisiert den fachbezogenen Lernprozess. Der Mediations-Lehrgang umfasst zirka 200 Fortbildungsstunden. Die Trainer, die aus sehr unterschiedlichen, interdisziplinären Fachbereichen kommen, haben ein individuelles, speziell für den Planungs- und Baubereich zugeschnittenes Konzept entwickelt und erprobt. Die Ausbildung schließt mit einer Prüfung ab. Die Absolventen werden in der Liste "Mediator im Planungs- und Baubereich" der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen geführt.

Weitere Informationen bei

  • Andrea Koller
  • QM Beratung der Akademie
    der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen
  • Mainzer Straße 10
    65185 Wiesbaden
  • Telefon: 0611-173850
    E-Mail: qm@akh.de

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