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Studie: Wie Menschen Schäden an Bauwerken wahrnehmen

(25.6.2017) Bochumer Psychologinnen haben gemeinsam mit Ingenieuren untersucht, wie Laien Gebäudeschäden im Vergleich zu Fachleuten beurteilen. Im Gegensatz zu Experten beurteilten Laien Schäden an historischen Gebäuden als weniger schlimm als vergleichbare Schäden an modernen Bauwerken. Sehr starke und sehr leichte Schäden schätzten sie ähnlich ein wie Fachleute. Mittelschwere Schäden unterschätzten Laien hingegen großteils.

Die Bochumer Studie ist Teil des Sonderforschungsbereichs 837 „Interaktionsmodelle für den maschinellen Tunnelbau“, der seit 2010 an der Ruhr-Universität Bochum läuft. Für die Studie kooperierten die Teams von Prof. Dr. Annette Kluge, Lehrstuhl für Wirtschaftspsychologie, und Prof. Dr. Peter Mark, Lehrstuhl für Massivbau, mit dem Ziel, ingenieurtechnische Grenzwerte mit dem subjektiven Empfinden von Menschen zu vergleichen. Bei starken Abweichungen müsse man eventuell über Maßnahmen nachdenken, um die Bevölkerung entsprechend zu informieren.

Big Ben ist intakt

109 Probanden füllten für die Studie einen Online-Fragebogen aus. Sie sahen 36 Bilder von historischen Gebäuden und Wohnhäusern mit unterschiedlich schweren Schäden und sollten beurteilen, für wie bedenklich sie diese hielten. Die Befragten sollten Bilder in die Kategorien null bis vier ein einteilen - wobei null für „vernachlässigbare Schäden“ stand und vier für „schwere Schäden“. Die gleichen Fotos hatten auch wissenschaftliche Mitarbeiter vom Lehrstuhl für Massivbau kategorisiert.

Große Risse und markante Schiefstellungen, die die Experten in Kategorie vier sortiert hatten, fielen meist auch den Laien als bedrohlich auf. In der niedrigsten Schadenskategorie null stimmten die Beurteilungen von Laien und Experten ebenfalls meist überein. „89 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer schätzten zum Beispiel richtig ein, dass ein historisches Gebäude wie der Big Ben keine Schäden aufweist“, beschreibt Katharina Friedrichs, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Wirtschaftspsychologie.

Kleine Risse nicht wahrgenommen

Markus Obel, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Massivbau und Katharina Friedrichs
Markus Obel, wissenschaft­li­cher Mitarbeiter am Lehr­stuhl für Massivbau, und Katharina Friedrichs, Lehr­stuhl für Wirtschaftspsychologie
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Anders sah es in den mittleren Schadenskategorien eins bis drei aus. Leichte Schäden an Wohnhäusern - von den Experten als Kategorie eins und zwei eingestuft - werteten 85% der Laien als vernachlässigbar. Feine Haarrisse in den Fassaden, so vermutet Markus Obel, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Massivbau, nähmen Laien kaum wahr. Dabei könnten selbst solche rein optischen Beeinträchtigungen an Fassaden den Wert einer Immobilie senken. Auch beim Tunnelbau sei es Ziel, sogar solche Risse zu vermeiden, die die Tragfähigkeit nicht beeinflussen. Denn die Kosten für die Beseitigung der Schäden müsste der Bauherr des Tunnelprojekts tragen.

Besonders bei historischen Gebäuden wich die Laienmeinung stark von der Einschätzung der Experten ab. Katharina Friedrichs gibt ein Beispiel: „Ein Kirchturm mit deutlich erkennbarer Schieflage wurde von 53 Prozent der Befragten als vernachlässigbar beschädigt oder gar nicht beschädigt gewertet.“ Insgesamt beurteilten die Teilnehmer Wohnhäuser akkurater als alte Türme, Kirchen und Burgen.

„Um die Ergebnisse verallgemeinern zu können, müssen wir nun weitere Gruppen mit unterschiedlichen Ansprüchen untersuchen, zum Beispiel Anwohnerinnen und Anwohner oder Besitzer von Geschäfts- und Privatimmobilien sowie Naturschutzorganisationen“, beschreibt Annette Kluge die nächsten Schritte.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft förderte die Studie im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 837 „Interaktionsmodelle für den maschinellen Tunnelbau“.

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