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Wohnungsneubau in Deutschland weiterhin nur im europäischen Mittelfeld

(27.8.2017) Nach Jahren rückläufiger und (viel zu) stark eingebrochener Bautätigkeit befindet sich der hiesige Wohnungsneubau seit 2010 wieder im Aufwind. So wurden 2016 rund 277.700 Wohnungen neu errichtet, ein Anstieg von 12% gegenüber dem Vorjahr - siehe Grafik aus dem Baulinks-Beitrag vom 23.5.2017:


LBS Research stellt vor diesem Hintergrund fest, dass der Wohnungsbau damit quantitativ auf dem richtigen Weg sei, um perspektivisch die Wohnungsmarktsituation zu entspannen. Allerdings sind die Baufertigstellungen noch weit entfernt vom tatsächlichen Bedarf, der auf 350.000 bis 400.000 Wohnungen pro Jahr geschätzt wird - siehe u.a. Beitrag „Studie: ,Deutschland braucht bis 2020 zwei Millionen neue Wohnungen‘“ vom 21.9.2015.

Fertigstellungsquote von 3,2 Wohnungen pro 1.000 Einwohner

Dass Deutschland bei der Bautätigkeit noch „Luft nach oben“ habe, verdeutliche auch der Blick über die Landesgrenzen: Wie LBS Research auf der Grundlage aktueller statistischer Daten und Informationen von Euroconstruct ermittelt hat, liegt Deutschland mit einer Fertigstellungsquote von 3,2 Wohnungen pro 1.000 Einwohner nunmehr im europäischen Mittelfeld der 19 Euroconstruct-Länder. Zur Erinnerung: Viele Jahre bildete die Bundesrepublik mit einer Quote von unter 2 das Schlusslicht in Europa - siehe z.B. Beitrag „Wohnungsbau seit fünf Jahren Schlusslicht in Europa“ vom 29.3.2009.

Wie die LBS Research/Euroconstruct-Zahlen zeigen, wird in vielen europäischen Ländern - bezogen auf die Bevölkerungszahl - immer noch deutlich mehr gebaut als in der aktuell wirtschaftsstärksten Volkswirtschaft Europas: 2016 wurde die Wohnungsbauintensität in Deutschland beispielsweise übertroffen ...

  • in Polen und Belgien um rund ein Drittel,
  • in Frankreich und Schweden um rund zwei Drittel und
  • in der Schweiz und Norwegen um rund das Doppelte

Drei Wohnungen pro 1.000 Einwohner und mehr seien eher als „normal“ einzustufen, wie z. B. auch in den Niederlanden, das Deutschland mit einer Quote von 3,7 weiterhin übertrifft:


Deutlich weniger als 2 Wohnungen pro 1.000 Einwohner wurden 2016 in den von der Finanz- und Staatsschuldenkrise besonders betroffenen Ländern Italien und Spanien fertiggestellt. Das Schlusslicht bildete Portugal mit einer Quote von 0,6.

Prognose: 315.000 neu gebaute Wohnungen

Die Wissenschaftler vom ifo-Institut, welches Deutschland bei Euroconstruct vertritt, erwarten, dass die Neubauzahlen (einschließlich genehmigungspflichtige Um- und Ausbauten und neu errichtete Wohnungen in Nichtwohngebäuden) 2017 in Deutschland weiter ansteigen, und zwar um 13% auf 315.000 neu gebaute Wohnungen. Demnach würde die Quote leicht auf 3,3 fertiggestellte Wohnungen pro 1.000 Einwohner steigen. Damit würde Deutschland wohl auch weiterhin nur eine Position im Mittelfeld einnehmen, da sich laut Prognose die meisten Länder im oberen Feld bezüglich ihrer Bauintensität ebenfalls verbessern. Besonders hohe Fertigstellungsquoten mit Werten über 6 sagen die Euroconstruct-Experten für die Länder Schweden, Schweiz und Norwegen voraus.

Besonders kräftig fällt laut Aussage von LBS Research dabei der Anstieg der Wohnungsfertigstellungen für Schweden aus, das sich aus einer Position im Mittelfeld (mit einer Quote von nur 2,8 Wohnungen pro 1.000 Einwohner im Jahr 2013) an die Spitze des Rankings katapultieren soll. In Schweden, so die Erklärung der Immobilienexperten, hätten niedrige Zinsen, eine hohe Wohnraumnachfrage - auch aufgrund einer steigenden Zuwanderung - sowie steigende Einkommen zu einer spürbaren Belebung der Bautätigkeit geführt. Hinzu käme die Umsetzung wichtiger Reformen. So seien beispielsweise die Genehmigungsverfahren beschleunigt, regionale Auflagen zurückgestutzt und der Mietwohnungsmarkt schrittweise dereguliert worden, so dass sich die Anreize für den Wohnungsbau deutlich verbesserten.

In Deutschland gibt es bezüglich der Nachfragesituation und der Rahmenbedingungen zwar eine ähnliche Ausgangslage. Allerdings bestehen nach Einschätzung der LBS-Experten hierzulande immer noch zu viele Hemmnisse, die den Wohnungsneubau bremsen. Dazu gehören ...

  • hohe Baukosten aufgrund vieler Vorschriften und Auflagen,
  • eine zurückhaltende Baulandausweisung und
  • eine in der Bevölkerung fehlende Akzeptanz für die Entwicklung neuer großer Wohngebiete.

Für private Erwerber komme hinzu, dass sie sich aufgrund gestiegener Preise in Ballungsräumen häufig kein Wohneigentum mehr leisten können. Gleichzeitig habe sich der Staat aus der Wohneigentumsförderung zurückgezogen und Belastungen, etwa bei der Grunderwerbsteuer, erhöht.

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