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SHK-Obermeister über Effizienz, Internetkäufe und Irrtümer im Heizungskeller

Andreas Schuh, Obermeister der Innung Sanitär Heizung Klempner Klima Berlin (SHK Berlin)
Andreas Schuh, Obermeister der Innung SHK Berlin
  

(11.12.2017) Wenn es um die Heizungsanlage geht, bleibt der Fachhandwerker Ansprechpartner Nummer 1 - das hat eine Forsa-Umfrage jüngst wieder bestätigt. Um die Anlage fit für die kalte Jahreszeit zu machen, würden sich demnach 82 Prozent an einen Fachbetrieb wenden (siehe Beitrag dazu vom 10.9.2017). Im Experteninterview des Serviceportals intelligent-heizen.info erklärt Andreas Schuh, Obermeister der Innung Sanitär Heizung Klempner Klima Berlin (SHK Berlin), warum Eigentümer damit gut beraten sind:

Frage: Welche Fehler treten bei der Inbetriebnahme der Heizung am häufigsten auf und was sind die Ursachen?

Obermeister Schuh: Einer der häufigsten Fehler ist, dass der Wasserdruck nicht mehr stimmt. Wenn eine Heizung über die Sommermonate ausgeschaltet war, fehlt beim Anlaufen häufig der berühmte Schluck Wasser, der nachgefüllt werden muss. Das kann der Fachmann schnell erledigen. Wenn Heizkörper nach der Sommerpause der Heizung nicht ausreichend warm werden, liegt das häufig daran, dass der Stift im Thermostatventil klemmt. Der Handwerker kann den Stift wieder lösen, indem er den Thermostatkopf abschraubt und durch leichtes Klopfen wieder gangbar macht.

Frage: Solange die Heizungsanlage läuft, sehen die wenigsten Eigentümer einen Grund, irgendetwas zu ändern. Geht die Rechnung auf?

Obermeister Schuh: Auch wenn man nicht gleich den Kessel austauschen möchte, die Anlage optimieren sollte man in jedem Fall - z.B. durch einen hydraulischen Abgleich. Der ist im Grunde ein Muss, um die Anlage effizient zu fahren. Nach meinen Erfahrungen liegen die Einsparungen zwischen 10 und 15%. Die Optimierung wird sogar vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) mit 30% Erstattung auf die Handwerkerrechnung gefördert (siehe u.a. auch Beitrag „Neue Heizungsoptimierungs-Förderung ab 1. August“ vom 31.7.2016).

Frage: Welche Heiztechniken stehen beim Kunden momentan besonders hoch im Kurs?

Obermeister Schuh: Die meisten wollen Brennwerttechnik: einfache, verständliche Technik. Das liegt sicher auch daran, dass der Energiepreis z.B. für Gas im Moment sehr niedrig ist. Die Handwerker weisen in ihren Beratungen aber auch auf neue Technologien und Fördermöglichkeiten hin. Die staatliche Förderung für Brennwerttechnik soll übrigens 2020 auslaufen (siehe „Contra und Pro zur geplanten Streichung der Förderung von Brennwerttechnik“ vom 14.5.2017). Deshalb kann es jetzt schon sinnvoll sein, in Hybridlösungen zu investieren - z.B. in die Kombination einer bestehenden Gasbrennwerttherme mit einer neuen Wärmepumpe: Die Wärmepumpe verrichtet über das Jahr die Hauptarbeit. Erst mit dem Absinken der Außentemperatur springt die Gastherme zur Unterstützung an. Damit hätte man weitere 10 bis 15 Jahre Spielraum. In dieser Zeit wird es den nächsten Technologieschub geben und spätere Entscheidungen beeinflussen. Für die Warmwasserbereitung im Gebäudebestand haben sich thermische Solaranlagen durchgesetzt. Wärmepumpen mit Luft-, Wasser- oder Erdwärmeversorgung kombiniert mit Photovoltaik kommen eher bei Neubauten zum Einsatz.

Frage: Kuschelig warm ist nicht unbedingt effizient. Wie kann ich sparsam heizen und mich trotzdem wohl fühlen?

Obermeister Schuh: Die Norm sagt 20°, aber das ist für den ein oder anderen nicht behaglich. Im Altbau muss man die Raumlufttemperatur häufig auf 22° stellen, um sich wohl zu fühlen. Im Schlafzimmer reicht den meisten eine Temperatur von 18°. Generell ist zu vermeiden, dass einzelne Räume oder die ganze Wohnung auskühlen. Studien zeigen: Man muss mehr Energie investieren, um den Raum wieder warm zu bekommen, als wenn man gleichmäßig heizt. Wer in den Urlaub fährt, sollte die Heizung - gerade im Altbau - auf eins stellen. Manchmal reicht auch die Frosteinstellung. Aber ich hatte auch schon einen Fall, da ist in einem sehr kalten Winter die Heizung eingefroren.

Frage: Ein paar kleine Reparaturen traut sich der ein oder andere schon mal zu. Hilfe gibt es im Internet. Wann muss in jedem Fall ein Fachmann ran?

Obermeister Schuh: Es gibt im Internet seriöse Seiten, wo man sich kleine Tipps für Reparaturen anschauen kann. Tiefer gehende Arbeiten an der Heizungsanlage sollte wirklich nur der Fachmann übernehmen!

Ebenso warne ich vor Internetkäufen. Ich hatte einen Kunden, der hat über das Internet ein Gasheizgerät gekauft und keinen Installateur gefunden, der ihm das einbaut. Unsere Installateure machen das zu Recht nicht. In dem Moment, in dem der Installateur das Gerät anpackt, haftet er für ein Gerät, das er nicht ausgesucht und gekauft hat. Deshalb sollte gerade bei Gasheizgeräten immer der Vertriebsweg Industrie, Großhandel über den Handwerker eingehalten werden. Dann ist auch der Kunde auf der sicheren Seite.

Frage: Welche Irrtümer halten sich hartnäckig?

Obermeister Schuh: Nach einem hydraulischen Abgleich kommt es häufig zu Missverständnissen. Denn die Systemtemperaturen der Heizungsanlage sind nach dem Abgleich erheblich geringer. Dies zeigt sich insbesondere an Heizkörpern, die im oberen Bereich heiß sind und sich im unteren Bereich sehr kühl anfassen. Sie haben also eine heiße obere Schicht, eine lauwarme Mitte und eine kältere untere Schicht. Das ist der Idealzustand, denn dann gibt der Heizkörper die optimale Wärme ab, und die tiefe Rücklauftemperatur steigert die Effizienz der Heizungsanlage. Aber gerade deswegen rufen die meisten Kunden an. Ich frage dann immer, ob die Raumlufttemperatur gemessen wurde, denn die ist entscheidend.

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