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Oas Kreislaufdusche: 90% weniger Wasser und 80% weniger Energie

(3.8.2018) Der Schwede Mehrdad Mahdjoubi hat wohl weltweit die erste Kreislaufdusche für Wasser- und Energieeinsparung zur Marktreife gebracht: Oas (schwedisch für Oase) filtert das Wasser und bereitet es wieder auf. Dadurch senkt sie den Wasserverbrauch im Vergleich zu konventionellen Duschen um 90 Prozent.

Mehrdad Mahdjoubi

Für diese Erfindung wurde Mehrdad Mahdjoubi als einer von drei Finalisten für den Europäischen Erfinderpreis 2018 des Europäischen Patentamts (EPA) in der Kategorie „Kleine und Mittlere Unternehmen“ nominiert. Die Gewinner des EPA wurden am 7. Juni 2018 in Paris, Saint-Germain-en-Laye, bekannt gegeben. (Gewonnen hat in dieser Kategorie „Sugru“ ein formbarer Multifunktionsklebstoff.)

Die Idee für die OAS-Kreislaufdusche entstand dem Vernehmen nach, als Mehrdad Mahdjoubi mit der NASA für das Projekt „Journey to Mars“ zusammenarbeitete. Der Schwede beschäftigte sich dabei mit Konzepten, durch die wertvolle Ressourcen in der Raumfahrt geschont werden können. Dabei wurde ihm immer deutlicher bewusst, wie wichtig wassersparende Technologien auch für das Leben auf der Erde sind. Er begann über ressourcenschonende Lösungen nachzudenken, um der Wasserknappheit in zahlreichen Regionen entgegenzuwirken.

Bei einer zehnminütigen Dusche werden in der Regel in Europa rund 100 Liter Wasser verbraucht. Aber nur 10% davon werden tatsächlich benötigt, um Duschgel und Shampoo wegzuspülen. Der Rest - also etwa 90 Liter - wird unter Einsatz erheblicher Energiemengen erwärmt und fließt dann als Abwasser in die Kanalisation ab, obwohl es kaum verschmutzt war.

Die Oas benötigt dagegen pro Duschgang nur fünf Liter Wasser. Der Trick dabei liegt im geschlossenen Wasserkreislauf, in dem Wasser in Echtzeit gereinigt wird:

  • Das System analysiert zunächst die Qualität des Wassers, indem sie seine Leitfähigkeit misst. Je höher diese liegt, desto größer die Verunreinigung.
  • Danach entfernt als erstes ein Mikrofilter größere Partikel wie Schmutz und Hautschuppen.
  • Anschließend attakiert ein UV-Filter Mikroorganismen. Bakterien, Viren oder auch Blut werden damit unschädlich gemacht.
  • Zu stark verschmutztes Wasser wird vom System erkannt, automatisch ausgespült und ersetzt.
  • Ein Heizelement erwärmt schließlich das gefilterte Wasser auf seinem Weg zurück in den Duschkopf auf die gewünschte Temperatur. Das Element benötigt dabei naturgemäß nur wenig Energie, um die geringe, frisch eingespeiste Wassermenge zu erwärmen. Der hauptsächliche Anteil des Wassers, der nämlich im Kreislauf verbleibt, verliert vom Austritt aus der Brause bis zum Abfluss nur wenig an Temperatur und muss deshalb nur minimal erwärmt werden.

Ist der Duschvorgang abgeschlossen, spült das System das Wasser vollständig aus. Der nächste Benutzer duscht also mit einer komplett frischen Ration an neu zugeführtem Wasser. Darüber hinaus ist das System durch den geschlossenen Kreislauf kaum anfällig für Temperatur- oder Druckschwankungen. Es arbeitet zudem mit keimfreiem Wasser. Oas-Nutzer erhalten per App eine Benachrichtigung, wenn die Filter ausgetauscht und recycelt werden müssen. Sie können mit der App auch jederzeit ihren Wasser- und Energieverbrauch überwachen.

7-Minuten-Film zur Oas (Thumbnails für eine schnelle Inhaltsübersicht)

Orbital Systems

2012 Im gleichen Jahr gründete Mahdjoubi das Unternehmen Orbital Systems, das seit 2017 seine Kreislaufdusche vertreibt. Sie ist derzeit wohl das einige Duschsystem mit derart geringem Wasser- und Energieverbrauch am Markt. Von Südkalifornien bis Südafrika kommt Oas in vielen Regionen rund um den Globus zum Einsatz, die unter Wassermangel leiden. Aber auch in Gebieten, in denen das kostbare Nass ausreichend verfügbar ist, zahlt sich die Kreislaufdusche aus. Durch ihren nachhaltigen Umgang mit Ressourcen bewährt sich die Oas auch in Haushalten mit eingeschränktem Zugang zu Wasser, sowie an stark frequentierten Orten wie Sportvereinen und Schwimmbädern. Die gründliche Filterreinigung des Wassers macht das System zudem für Krankenhäuser und Pflegeheime interessant.

Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Malmö, Schweden, und unterhält Niederlassungen in den USA. Mit mehr als 50 Mitarbeitern produziert es gegenwärtig noch weniger als tausend Oas-Einheiten pro Jahr zum Stückpreis von 3.000 Euro. Doch Mahdjoubi ist überzeugt, dass mit steigender Nachfrage der Preis für die Dusche deutlich sinken wird. Das System könnte dann für etwa 500 Euro erhältlich sein.

Orbital Systems konzentriert sich vorrangig auf die Entwicklung der Schlüsseltechnologie. „In Zukunft sehe ich das Unternehmen eher als ein ‚Intel Inside‘-Geschäft, in dem wir die Kerntechnologie zur Verfügung stellen. Die Duschköpfe und Armaturen könnten von etablierten Herstellern kommen“, erklärt Mahdjoubi. „Ich möchte das Potenzial der Technologie nicht dadurch begrenzen, dass auch schwedisches Design nur Geschmackssache ist."

Ausgezeichnet

Das Forbes Magazine nahm Mahdjoubi 2016 in die Liste der „30 unter 30” der erfolgreichsten jungen Unternehmer und Geschäftsleute auf. Für das Oas-System wurde er vielfach ausgezeichnet, darunter mit dem angesehenen schwedischen SKAPA-Ent­wick­lungspreis 2014. Im selben Jahr wurde er von der schwedischen Handelskammer zum Technologen des Jahres ernannt. Die Oas wurde 2015 von der Space Foundation, eine Non-Profit-Organisation mit Sitz in Colorado/USA, mit dem Space Technology-Siegel ausgezeichnet. Das System erhielt 2018 den German Design Award für Excellent Product Design in der Kategorie Bath & Wellness.

„Es gibt einen gesellschaftlichen Einfluss auf Aspekte der Nachhaltigkeit - zum Beispiel auf Wasser- und Energieverbrauch. Aber ich denke, dass es heutzutage nicht mehr reicht, lediglich ein umweltfreundlicheres Produkt zu entwickeln. Alle Eigenschaften des Produkts müssen verbessert werden. Das ist einer der Hauptgründe, warum wir mit der Oas kommerziell erfolgreich sind”, resümiert Mahdjoubi.

Weitere Informationen zur Kreislaufdusche Oas können per E-Mail an Orbital Systems angefordert werden.

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