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Raumklimatische Sanierung des Dessauer Schlangenhauses mit Lehmmodulen und Elektroheizung

(18.8.2020) Das Dessauer Schlangenhaus ist ein neugotischer Gartenpavillon im östlichen Ortsteil Waldersee (siehe Google-Maps). Es gehört zum Luisium - einer Gartenanlage mit Schloss - und zum UNESCO-Welterbe:

Schlangenhaus im Luisium, KsDW, Bildarchiv, Foto © Heinz Fräßdorf 

Das Backsteinhaus nach englischen Vorbildern wurde 1790 erbaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das ursprünglich als Gästehaus genutzte Gebäude dem Verfall preisgegeben. Nach umfangreicher Sanierung wird es seit 1996 als Ferienwohnung genutzt.

2019 sollte noch die veraltete Radiatoren-Heizung komplett erneuert werden. Hierbei stellte man unter dem mit Glaswolle gedämmten Blechdach Feuchtigkeitsprobleme und Schimmelbildung fest. Die mit der Sanierung beauftragten Architekten von 3RAUM­pla­nung suchten daraufhin nach einer nachhaltigen Lösung zur Feuchteregulierung und entschieden sich für das eSYSTEM von ArgillaTherm. Das neue multifunktionale Lehm­klima-System kann sich dabei in fünf Bereiche der Bauphysik einbringen:

  • Heizen,
  • Kühlen,
  • Raumakustik
  • Feuchteregulierung und
  • Luftreinigung inklusive Abbau von Luftschadstoffen und Gerüchen.

Die Lehmmodule aus überwiegend dreischichtigen Tonmineralien weisen eine hohe Sorptionsfähigkeit auf: Innerhalb von 12 Stunden können je Quadratmeter über 100 Gramm Feuchtigkeit aufgenommen werden, nach 24 Stunden steigt dieser Wert auf über 200 Gramm an und endet absolut bei über 500 Gramm je Quadratmeter Fläche - das wurde von der Materialforschungs- und -prüfanstalt (MFPA) an der Bauhaus-Uni­versität Weimar gemessen und zertifiziert.

Foto © ArgillaTherm 

Wegen der ganz speziellen Raum- bzw. Deckenzuschnitte kam in dem Schlangenhaus nur ein modulares System infrage, das individuell zugeschnitten werden konnte. Die kompletten Deckenflächen konnten so auf circa 70 m² mit den Lehmmodulen belegt werden - konkret wurden sie auf einer abgehängten Holzlattenkonstruktion (Kreuzlattung) befestigt. Die Aufbauhöhe ab Unterkonstruktion beträgt dann 3 cm. Die Oberflächenbeschichtung wurde mit 5 mm Lehmputz und weißer Lehmfarbe hergestellt. Die gesamte Installation dauerte nur drei Tage.


Foto © Heinz Fräßdorf
  

Das System hat bereits im ersten Winter gezeigt, dass alle Anforderungen erfüllt wurden. Die Raumluftfeuchte lag stabil bei circa 50% (vorher 70 bis 90%). Der Systembetrieb ist völlig wartungsfrei. Die geforderten Raumtemperaturen bei Nichtnutzung von 17°C und bei Nutzung von 22°C werden erreicht - und dem Vernehmen nach auch mit einer Abweichung von ±0,5°C konstant gehalten. Im Tagesrhythmus schaltete sich die Elektro-Direktheizung circa zehnmal für 20 bis 30 Minuten ein. Die Einsparung von Energiekosten im Vergleich zur alten Heizung soll bei circa 30% liegen. Die Verbrauchswerte kommen so auch circa 2,60 Euro pro Heiztag.

Die Lehmmodule sorgen zudem für eine natürliche Raumkühlung im Sommer: Durch die Sorptionsfähigkeit entsteht Verdunstungskühle, wenn die Feuchtigkeit bei abtrocknender Luft wieder in den Raum abgegeben wird. Die Kühlleistung entspricht laut ArgillaTherm ca. 1 kWh bei einem 25 m² großen Raum.

Weitere Informationen zur elektrischen Lehmklima-Heizdecke eSYSTEM können per E-Mail an ArgillaTherm angefordert werden.

siehe auch für zusätzliche Informationen:

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