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Weitere Verbände warnen vor Preiserhöhungen und Lieferengpässen


  

(11.4.2021) Hiobsbotschaften allerorten: Die Hersteller wichtiger Rohstoffe haben Lieferschwierigkeiten angekündigt. Davon betroffen sind auch Rohstoffe zur Herstellung von Dämmstoffen, Schäumen, Putzen, Mörtel, Holzwerkstoffen und Metallteilen.

Konkret: Allein die Preise für EPS-Dämmstoffe stiegen im April um rund 50%. Und auch die Preise für Trockenbauprofile und OSB-Platten gehen durch die Decke, manche Hersteller von Rohstoffen und Vorprodukten kündigen bis Mai auch hier Erhöhungen bis zu 50% an. Die Preise für praktisch alle Baumaterialien, vom Sanitärsilikon bis zu Farben und Lacken, ziehen ebenfalls drastisch an. Selbst Farbeimer und andere Verpackungen werden von den Erhöhungen erfasst.

Nach einer Mitteilung des europäischen Verbandes Conseil Européen de l'Industrie des Peintures, des Encres d'Imprimerie et des Couleurs d'Arts (CEPE, Europäische Vereinigung der Lack-, Druckfarben- und Künstlerfarbenindustrie) hat die aktuelle Situation ihren Ursprung insbesondere in der unerwartet schnellen V-förmigen Erholung in China, die die Nachfrage nach wichtigen Rohstoffen anheizt.

VDPM: „keine schnelle Entspannung“

„Wir sind keine Experten, die den weltweiten Rohstoffmarkt analysieren können, aber wir sehen die aktuellen Auswirkungen in unserer Branche und natürlich für das Handwerk“, sagt beispielsweise Dr. Hans-Joachim Riechers, Hauptgeschäftsführer des Verbands für Dämmsysteme, Putz und Mörtel (VDPM). „Hersteller von WDVS, Putzen und Mörtel berichten seit geraumer Zeit nicht nur über Lieferschwierigkeiten bei wichtigen Rohstoffen, sondern auch über die kräftigen Preissteigerungen, die damit verbunden sind.“

Was bedeutet das für die nahe Zukunft? Nach Einschätzung des VDPM wird sich die Situation nicht so schnell entspannen. Die Lieferschwierigkeiten können bei einzelnen Produkten aus dem Bereich Putz und Mörtel zu Lieferengpässen und Verzögerungen führen. Betroffen sind aber auch Dämmstoffe. Vor diesem Hintergrund rät der VDPM den verarbeitenden Fachunternehmen dazu, sich bei Ausschreibungen und Angeboten intensiv mit den jeweils aktuellen Entwicklungen am Markt auseinanderzusetzen und sich hierüber laufend bei ihren Lieferanten zu informieren.

BV Farbe: „Rückschlag für die Energiewende im Bau“

Märkte wie die Gebäudedämmung und der Innenausbau, welche die Branche in der Krise bisher stabilisiert haben, könnten abgewürgt werden - befürchtet der Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz, als Arbeitgeberverband zuständig für die rund 40.000 Betriebe und 206.000 Beschäftigten des Maler- und Lackiererhandwerks in Deutschland. Bei der Wärmedämmung drohe ein herber Rückschlag für die Energiewende im Bau, mit entsprechenden Folgen für die Klimaziele.

„Diese heftigen Preiserhöhungen treffen das Handwerk völlig unerwartet. Unsere Betriebe können das nicht abpuffern, in den Verträgen mit den Kunden ist dafür kein Spielraum“, konstatiert das für Technik und Märkte zuständige Vorstandsmitglied des Bundesverbandes, Dietmar Ahle. Die Preiserhöhungen treffen die Branche in einer Phase, in der die Kapitaldecke bei Bauherren ebenso wie bei den Handwerksbetrieben ohnehin dünner werde. Die befürchtete Konsequenz: Stillstand auf den Baustellen und eine Pleitewelle bei den Betrieben.

Die Gründe, die die Rohstofflieferanten anführen, seien vielfältig: Lieferengpässe durch Corona-bedingte Ausfälle in der Logistik, unerwartete Verschiebungen der internationalen Nachfrage, Stilllegungen und Unfälle in Fabriken. Das Malerhandwerk glaubt aber nicht (allein) an Zufälle: „Es mag Lieferprobleme geben. Aber wir haben den Verdacht, dass einige Produzenten von Rohstoffen und Vorprodukten die Pandemie nutzen, um ihre Rendite zu verbessern“, so Herr Ahle.

Das Handwerk befürchtet, dass die Preise auch nach der Krise nicht mehr auf den alten Stand zurückfallen werden. Die Bauherren müssen sich also auf langfristig deutlich höhere Baukosten einstellen.

Möbelbranche: „dramatische Versorgungssituation“

Die deutsche Möbelbranche steht derzeit vor großen Herausforderungen. „Neben dem kurzfristigen Wechsel zwischen geöffneten und geschlossenen Handelsflächen verschärft sich für die Industrie derzeit die Versorgungssituation bei wesentlichen Zulieferprodukten dramatisch“, stellt Jan Kurth, Geschäftsführer der Verbände der deutschen Möbelindustrie (VDM/VHK), fest.

Mehr als zwei Drittel der Produktionsbetriebe berichten in einer aktuellen Verbandsumfrage von Engpässen bei der Versorgung mit Holzwerkstoffen. „Von den Lieferanten werden vereinbarte Mengen kurzfristig gekürzt, verschoben oder ganz abgesagt“, kritisiert Herr Kurth. Akute Lieferschwierigkeiten bestehen laut der Umfrage auch bei Metallteilen, Beschlägen und Funktionselementen sowie bei Polstermaterialien wie Schäumen, Fließen, Stoffen und Leder. Verpackungsmaterialien und Transportkapazitäten sind ebenfalls knapp.

„Diese Engpässe führen zu einer erheblichen Störung der Wertschöpfungs- und Logistikprozesse“, skizziert Kurth die Lage in der Möbelindustrie. Die Produktionsplanung werde stark beeinträchtigt - mit entsprechenden Auswirkungen auf die Lieferzeiten. Hinzu komme eine seit Jahresbeginn nochmals verschärfte Preisentwicklung bei etlichen Zulieferprodukten.

Take back control

Die Abhängigkeit von internationalen Rohstoffmärkten zeige aber auch, wie wichtig eine Grundversorgung aus Europa sei. „Wenn ganze Branchen aufgrund extremer Umweltstandards in Europa nicht mehr produzieren können, geraten wir vollständig in die Abhängigkeit“, so Dr. Riechers vom VDPM. Dieser Aspekt müsse bei aller Euphorie über den EU Green Deal wieder mehr in den Fokus genommen werden.

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