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Dachdeckerbetriebe 2020 mit 7% Umsatzplus

(11.4.2021) Das Dachdeckerhandwerk erwirtschafte im ersten Corona-Jahr einen Jahresumsatz von 11,4 Mrd. Euro - 746 Mio. Euro mehr als 2019, was einem Umsatzplus von 7% entspricht. Auch 2021 wird mit einer zumindest zufriedenstellenden Ertragslage im Dachdeckerhandwerk gerechnet. Der private Wohnungsbau und in Teilen auch der Wirtschaftsbau (Lagergebäude) sollten sich weiter positiv entwickeln. Ob sich die überraschend positive Entwicklung bei Bauvorhaben der Öffentlichen Hand (+8%) fortsetzen wird, ist dagegen abzuwarten. Wahrscheinlicher ist ein Rückgang der Bauinvestitionen in diesem Bereich. Gründe dafür sind rückläufige Einnahmen bei der Gewerbe- und Körperschaftsteuer sowie steigende Sozialausgaben, aber auch Personal-Eng­pässe.

Gründe für das Umsatzplus 2020 – aufgeteilt nach Bausektoren

Haupttreiber der positiven Entwicklung 2020 war der private Wohnungsbau. Die Fertigstellung der klassischen Ein-und Zweifamilienhäuser zog 2020 kräftig an. als Gründe hierfür nennt der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) ...

  • gestiegene Sparquoten während der Corona-Pandemie,
  • niedrige Bauzinsen,
  • stabile Einkommen sowie
  • das Baukindergeld.

Nicht erwähnt wird dabei die temporäre Mehrwertsteuersenkung in der zweiten Jahreshälfte 2020.

Bei den Bestandsmaßnahmen im Wohnungsbau wirkten sich bereits staatliche Fördermaßnahmen sowie verbesserte KfW-Mittel aus und sorgten für eine rege Bautätigkeit im Bestand; hier vor allem in den Bereichen Dämmung, Sanierung und Reparatur. Eine aktuelle ZVDH-Umfrage bestätigt diesen Trend: Rund 65% der Betriebe spüren eine verstärkte Nachfrage bei Maßnahmen zur energetischen Sanierung. Ganz oben auf der Wunschliste stehen dabei komplette Dachsanierungen, gefolgt von Dachdämmung, Austausch von Fenstern und Installation von Photovoltaik-Anlagen. Zunehmend wird auch die Beratung zu Fördermöglichkeiten für Sanierungsmaßnahmen nachgefragt.

Eher zurückhaltend war die Investitionsbereitschaft beim Wirtschaftsbau. Allerdings entfallen hierauf nur circa 30% der Erlöse der Dachdecker-Betriebe. Die Nachfrage nach Flachdachbauten ließ merklich nach und lag unterhalb des Vorjahresniveaus. Besonders betroffen waren die Fabrik-und Werkstattgebäude sowie Büro-und Verwaltungsgebäude. Bei den Handelsgebäuden lag einzig die Kategorie Lagergebäude durchgehend im Plus. Beim Öffentlichen Bau, mit etwa 13% die Sparte mit dem niedrigsten Umsatzanteil, verlief die Umsatzentwicklung im Jahr 2020 wie erwartet dynamisch: Nach einem Umsatzplus von 11 % im Jahr 2019 dürfte die Sparte weitere 8 % zugelegt haben.

In die Zukunft geschaut

Der Geschäftsausblick für Dachdecker-Betriebe ist stark abhängig von ihrem Tätig­keits­feld - also ob der Schwerpunkt eher im Wohnungsneubau und dem Sanierungssektor liegt oder ob die Leistungen vorwiegend im Wirtschaftsbau und für die Öffentliche Hand erbracht werden.

Der Wohnungsbau zeigt weiterhin eine von der Pandemie nahezu unbeeindruckte Entwicklung. Die Kapazitätsauslastung der Betriebe ist aufgrund vorhandener Auftragsbestände hoch, wie der moderate Rückgang des Baupreiswachstums im Neubau (allerdings MwSt.-bedingt, siehe Bauletter vom 9.4.2021 „Wohngebäude im Februar 3,1% teurer als im Vorjahr) sowie die hohen Preissteigerungsraten im Bereich Sanierung signalisieren. Fast 50% der Betriebe melden aktuell Vorläufe von über vier Monaten.

Der Wirtschaftsbau muss mit einer Markteintrübung rechnen. Hier haben sich aktuelle Lage und Aussichten aufgrund der Corona-Pandemie teilweise deutlich verschlechtert. Die Investitionsneigung fällt allerdings bei den einzelnen Gebäudetypen sehr unterschiedlich aus. Während die Baugenehmigungen für Handelsgebäude deutlich nachgaben, haben sich jene für Lagergebäude positiv entwickelt – der verstärkte Online-Handel benötigt zusätzliche Flächen. Bei den Büro- und Verwaltungsgebäuden kam es zu verzögerten Effekten. Die stärksten Rückgänge gab es bei den Fabrik- und Werk­stattgebäuden - siehe auch Beitrag „Deutsche Hypo-Immobilienklima innerhalb eines Jahres um 41,1% gefallen“ vom 24.1.2021:

Immobilienklima nach Segmenten bis Januar 2021

Die gebremste Entwicklung könnte auch 2021 andauern. Die Konjunkturexperten der großen Bauverbände rechnen beim Wirtschaftshochbau 2021 mit einem Umsatzrückgang von 4%. Sobald die Krise überwunden ist und die Wirtschaft wieder Fahrt aufnimmt, ist mit einer Fortsetzung der bis Anfang 2020 positiven Entwicklung zu rechnen, die jedoch zunächst weniger dynamisch verlaufen wird - siehe auch Beitrag „Deutsche Hypo-Immobilienklima mit Frühlingsgefühlen“ vom 21.3.2021.

Im Sektor Öffentlicher Bau (ohne Tiefbau) werden sich rückläufige Einnahmen bei der Gewerbe- und Körperschaftsteuer sowie steigende Sozialausgaben 2021 negativ auf die Orderbereitschaft der öffentlichen Hand auswirken. Die Kompensation von pandemiebedingten Gewerbesteuerausfällen durch Bund und Länder in Höhe von circa 12 Mrd. Euro im Jahr 2020 wird das Schrumpfen sicherlich abfedern. Allerdings lehnt die Bundesregierung einen erneuten Ausgleich der Gewerbesteuermindereinnahmen für 2021 und 2022 ab, so dass sich die Lücken in den kommunalen Kassen massiv vergrößern werden.

Zudem fehlen Personalkapazitäten bei der Bauplanung, den Genehmigungen und der Bauabnahme in den Behörden. Daher wird erwartet, dass im Öffentlichen Hochbau das Umsatzwachstum 2021 auf +1,0% sinkt.

Umsatz und Ertrag im Dachdeckerhandwerk

Vor diesem Hintergrund ist es ein Erfolg, wenn das deutsche Dachdeckerhandwerk 2021 den Umsatz des Vorjahres halten oder leicht steigern kann. Die Ertragslage dürfte sehr unterschiedlich ausfallen, je nachdem, in welchem Sektor das Unternehmen sein Tätigkeitsfeld hat. Für Betriebe mit Schwerpunkt Wirtschaftsbau und Öffentlicher Bau könnte die Ertragssituation im Laufe des Jahres zunehmend unter Druck geraten.

Preissteigerungen bei wichtigen Baumaterialien - bei Lattholz und Dämmstoffen - kommen erschwerend dazu. Dachdeckerbetriebe, die auf Wohngebäudesanierung spezialisiert sind, werden sich über volle Auftragsbücher freuen können. Insgesamt sollte die Ertragslage im Dachdeckerhandwerk 2021 zufriedenstellend ausfallen - siehe auch Nachbarbeitrag „Weitere Verbände warnen vor Preiserhöhungen und Lieferengpässen“ vom 11.4.2021.

Ausblick über 2021 hinaus

Der Bau- und Gebäudesektor hat viel Potenzial und ist zur Erreichung der Klimaschutzziele wesentlich. Das Dachdeckerhandwerk wird weiterhin die positiven Effekte der steuerlichen Förderung für energetische Maßnahmen zur Gebäudesanierung spüren. Hinzu kommen sozialer Wohnungsbau, Sonderabschreibungen beim Bau von Mietwohnungen sowie die neue Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG): Auch davon werden Dachdeckerbetriebe zumindest mittelbar profitieren.

siehe auch für zusätzliche Informationen:

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