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Bauwirtschaft blickt mit verhaltener Zuversicht auf 2021 und erwartet Umsatzplus von rund 1%


  

(11.3.2021) „Wir blicken auf ein kompliziertes Jahr 2020 zurück, das uns immerhin noch ein Umsatzwachstum von 2,5% gebracht hat. Allerdings ist das Jahr bei unseren Mitgliedern sehr unterschiedlich verlaufen.“ Mit diesen Worten fasste Marcus Nachbauer als Vorsitzender der Bundesvereinigung Bauwirtschaft die Lage der rund 370.000 Mitgliedsbetriebe zusammen. „Und auch für 2021 erwarten wir nur ein geringfügiges Wachstum von 1,3%. Unsere Mitglieder würden dann 368,2 Mrd. Euro Umsatz erwirtschaften.“

Das verhaltene Umsatzwachstum 2020 spiegelt sich auch bei der Beschäftigtenentwicklung wider. Insgesamt hat die Bauwirtschaft ihren Beschäftigtenstand bei 3,4 Mio. halten können, mit leichten Zugewinnen im Bauhauptgewerbe (+1,2%) und bei der Gebäudetechnik (+0,2%) sowie mit einem leichten Verlust im Ausbaubereich (-0,6%).

Foto © baulinks/AO 

Konjunkturelle Situation einzelner Mitgliedsverbände der Bundesvereinigung Bauwirtschaft

Sparte Bauhauptgewerbe: Zentralverband Deutsches Baugewerbe

Von Corona scheinbar unberührt blieb und bleibt die Nachfrage im Wohnungsbau. Das war keine ausgemachte Sache. Schließlich hat die Pandemie die Einkommen der Haushalte eher negativ beeinflusst. Aber ein umgekehrter Effekt hat schließlich stützend gewirkt: Wer nämlich im Homeoffice arbeiten kann, sucht jetzt eher ein Eigenheim mit guter Verkehrsanbindung. So hat die Zahl der im vergangenen Jahr (Januar bis November 2020) erteilten Baugenehmigungen für Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern um 5% zugenommen. Demnach wurden 109.000 Wohnungen genehmigt. Insgesamt wurden im o.g. Zeitraum knapp 333.000 Wohnungen und damit fast 14.000 mehr als im Vorjahreszeitraum genehmigt, was einem Plus von 4% entspricht.

Von Corona gezeichnet ist dagegen der Wirtschaftsbau. Das betrifft vor allem den Wirtschaftshochbau. Die Orderentwicklung hat hier im Jahresverlauf deutlich nachgegeben. Die Bremsspuren ziehen sich bis in das Jahr 2021.

Im öffentlichen Bau haben die Order im vergangenen Jahr kaum Dynamik gezeigt. Hier kommt zu den eingebrochenen Einnahmen der Kommunen mit entsprechend negativen Auswirkungen auf deren Investitionsneigung, dass die ab 2021 für den Autobahnbau zuständige „Autobahn GmbH“ erst noch richtig ins Laufen kommen muss. Der ZDB rechnet für die von ihm vertretenen Unternehmen im Bauhauptgewerbe in 2021 mit einem Umsatzwachstum um 0,5% auf ca. 105 Mrd. Euro.

Sparte Bauhauptgewerbe: Bundesinnungsverband Gerüstbau

Die Umsatzentwicklung im Gerüstbau war 2020 differenziert: Während Gerüste für den Wohnungsbau gut nachgefragt waren, gab es im Wirtschafts- und Industriebau eine deutlich abgeschwächte Entwicklung. Der Verband rechnet für die Umsatzentwicklung in 2020 nur mit einer Seitwärtsbewegung und für 2021 mit einem schwachen Wachstum um 1 % auf dann ca. 3 Mrd. Euro.

Die Gerüstbauer setzen mittelfristig auf die Klima- und Energiewende: Da keine Gebäudedämmung ohne den Einsatz eines Gerüsts realisiert werden kann, werden auch die Gerüstbauunternehmen von deren Umsetzung profitieren.

Sparte Bauhauptgewerbe: Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks

Der ZVDH rechnet für 2020 mit einem Gesamtumsatz von 11,2 Mrd. Euro. Im Vergleich zu 2019 bedeutet dieses einen Zuwachs von 5,0%. Die tragende Säule dafür bildet weiterhin der Bereich der Sanierungen und Reparaturen im Wohnungsbau. Die Beschäftigtenzahlen haben um ca. 1% zugelegt auf nun gut 64.000 Mitarbeiter im Jahresdurchschnitt, das ist der höchste Wert seit 2001.

Für 2021 rechnet das Dachdeckerhandwerk mit insgesamt stagnierenden Umsätzen und einem stabilen Beschäftigtenniveau.

Sparte Bauhauptgewerbe: Bundesverband Garten- und Landschaftsbau

Der Umsatz der Betriebe im Garten- und Landschaftsbau stieg im Jahr 2020 um 5% auf 9,4 Mrd. Euro. 2020 schrieb der Privatgarten als stärkstes Segment weiter Erfolgsgeschichte: Rund 58% des Gesamtumsatzes wurde hier von den GaLaBau-Betrieben erwirtschaftet. Für das Jahr 2021 rechnet der Verband mit einem weiteren Umsatzwachstum vom 3,5% - siehe auch Beitrag „GaLaBau 2020: mehr Umsatz, mehr Betriebe, weniger Insolvenzen“ vom 22.2.2021.

Sparte Ausbau: Bundesverband Farbe, Gestaltung, Bautenschutz

Im Pandemie-Jahr 2020 verzeichnete das Maler- und Lackiererhandwerk - über alle Tätigkeitsbereiche hinweg - eine gute Auftragslage. Vor allem bei Betrieben mit einem hohen Umsatzanteil im Neubau und im Projektgeschäft wirkte sich allerdings die verzögerte Ausschreibungs- und Genehmigungspraxis der öffentlichen Hand und der Behörden zunehmend negativ aus.

Stärker pandemiebetroffen waren/sind die Bereiche Fahrzeug- und Industrielackierung. Die Betriebe registrierten hier zum Teil Umsatzeinbußen im höheren zweistelligen Bereich.

Für 2020 rechnet der Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz für das Maler- und Lackiererhandwerk insgesamt mit einen Umsatzrückgang von 1,5 bis 2,0% auf 17,1 Mrd. Euro. Die Aussichten für 2021 werden abhängig von der weiteren Corona-Entwicklung verhalten bewertet. Im Jahresverlauf rechnet das Maler- und Lackiererhandwerk mit rückläufigen Umsätzen.

Sparte Ausbau: Bundesverband Metall - Vereinigung Deutscher Metallhandwerke

Für das Jahr 2020 verzeichnete das Metallbauerhandwerk insgesamt einen Umsatzrückgang von rund 2% auf 32,1 Mrd. Euro. Damit hat das Metallbauerhandwerk seinen Aufwärtstrend nicht fortsetzen können. Nachlassende Aufträge aus dem Wirtschaftsbau und Zurückhaltung der Öffentlichen Hand hinterließen im Laufe des vergangenen Jahres 2020 ihre Spuren. Die Auftragspolster schmelzen zunehmend ab.

Die Aussichten auf das Jahr 2021 werden daher verhalten beurteilt. Fast 35% der baunahen Unternehmen befürchten eine Verschlechterung der eigenen wirtschaftlichen Situation. Der Bundesverband Metall - Vereinigung Deutscher Metallhandwerke erwartet vor dem Hintergrund vieler Unwägbarkeiten im Jahr 2021 nur ein Umsatzwachstum von gut 2%.

Foto © baulinks/AO 

Sparte Gebäudetechnik: Zentralverband Sanitär Heizung Klima

Insgesamt herrscht zum Jahresbeginn 2021 eine positive Grundstimmung, die allerdings erkennbar unter Vorjahresniveau bleibt. Die Innungsbetriebe verfügen über eine stabile Auftragsreichweite von 11,6 Wochen. Die Nachfrageentwicklung wird durch die Modernisierung von Bädern und Heizungen sowie durch den Kundendienst getragen. Es ist allerdings kein bemerkenswerter Beschäftigungsaufbau zu beobachten. Die Zahl der Arbeitsplätze kann bei fast 380.000 gehalten werden.

Für 2021 wird mit einem Umsatz bei 50 Mrd. Euro gerechnet, was immerhin ein Plus von 3% bedeuten würde. Das Wachstum würde damit fast an die Steigerung in 2020 heranreichen.

Sparte Gebäudetechnik: Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke

Der ZVEH verzeichnete 2020 in seinem Bereich ein differenziertes Bild. Während der Elektromaschinenbau mit der Pandemie schwächer lief, zeigten sich die baunahen Gewerke robust. Die Entwicklung für 2021 wird verhalten beurteilt, da die Auftragsbestände erkennbar abgebaut wurden: Angesichts coronabedingter Einschnitte bei den Einkommen wird weder bei den Privatkunden noch der Wirtschaft mit großer Investitionsneigung gerechnet. Der Verband erwartet für 2021 aber immerhin ein Umsatzplus von 2% auf 68,7 Mrd. Euro. Damit fiele das Wachstum etwas zurück. Die Zahl der Beschäftigten stagniert bei knapp 520.000.

Sparte Gebäudetechnik: Bundesverband Rollladen und Sonnenschutz

Das Rollladen- und Sonnenschutztechniker-Handwerk hat im Pandemiejahr 2020 ohne gravierende Beeinträchtigungen arbeiten können. Zuversichtlich sind die Unternehmen daher in das neue Jahr gestartet. So gehen zwei Drittel der Betriebe von zumindest stabilen Geschäftszahlen aus. Für 2021 wird ein Umsatzwachstum von 3,5% auf fast 2,5 Mrd. Euro erwartet. Der Verband sieht im positiven Trend auch die Auswirkungen der Wiedereinführung der Meisterpflicht. Die Betriebe sähen jetzt eine gestiegene Wertschätzung bei Kunden, Jugendlichen und in der Öffentlichkeit. Sie nähmen wahr: Meisterliche Arbeit lohnt sich noch mehr!

Sparte Gebäudetechnik: Zentralverband Schilder und Lichtreklame - Bundesinnungsverband der Schilder- und Lichtreklamehersteller

Die Corona-Pandemie hat sich auf das Schilder- und Lichtreklameherstellerhandwerk konjunkturell negativ ausgewirkt. Ein Einbruch zwischen 15 und 20% war in 2020 zu verzeichnen - vor allem bei den Unternehmen, die vornehmlich für die Gastronomie, Messegesellschaften und den Einzelhandel tätig sind.

Mit Ausblick auf das Jahr 2021 liegen die Auftragsweiten noch bei max. 2 bis 4 Wochen. Die Situation wird sich erst dann wieder normalisieren, wenn die pandemiebedingten Auflagen aufgehoben werden. Die Personalsituation konnte durch die Kurzarbeiterregelungen entschärft werden.

Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks

Die Corona-Krise hat das beschäftigungsstarke Gebäudereiniger-Handwerk getroffen: Fast 40% der Unternehmen haben 2020 zumindest vorübergehend Beschäftigte ent­lassen - das zeigt die aktuelle Umfrage des Bundesinnungsverbandes. Neben steigender Wertschätzung hat es im Gesundheits- und Pflegebereich, in Schulen und Kitas Extra-Aufträge und erhöhte Intervalle für Reinigung und Desinfektion gegeben. Auf der anderen Seite sind ganze Felder wie Gastgewerbe, Veranstaltungswirtschaft oder Handel weggebrochen und damit Reinigungsaufträge, die nicht kompensiert werden können. Über die Hälfte der Unternehmen sieht, dass die Kunden weniger Aufträge bzw. Aufträge mit geringerem Leistungsumfang vergeben.

Fast 40% der Unternehmen haben derzeit Beschäftigte in Kurzarbeit. Für 2021 wird daher auch bestenfalls mit einem Umsatz auf dem Niveau von 2020 bei knapp 20 Mrd. Euro gerechnet.

siehe auch für zusätzliche Informationen:

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