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Villa Waldfrieden mit Farbe in homöopathischen Dosen zu neuem Leben erweckt

(19.8.2010) Nach mehr als 15 Jahren Dornröschenschlaf ist die Villa Waldfrieden in Wuppertal von Tony Cragg, einem der bedeutendsten Bildhauer der Gegenwart, zu neuem Leben erweckt worden (siehe auch Bing-Maps und/oder Google-Maps.


Fotos: Skulpturenpark Waldfrieden, Charles Duprat

Organische Architektur

Das konsequent organisch gestaltete Wohnhaus hatte der anthroposophisch orientierte Wuppertaler Lackfabrikant Prof. Kurt Herberts in den Jahren 1946 bis 1949 auf den Fundamenten des im Krieg zerstörten Vorgängerbaus errichten lassen. Geplant wurde die Villa von Franz Krause, einem Architekten und Maler, der ebenso wie die während des Dritten Reiches als "entartet" verfemten Stuttgarter Künstler Willi Baumeister und Oskar Schlemmer in Herberts Lackfabrik untergekommen war. In den Kriegsjahren hatte Krause gemeinsam mit Schlemmer und Baumeister im so genannten 'Wuppertaler Arbeitskreis' eine sehr eigenständige Architekturauffassung entwickelt. Er verfolgte die Idee einer 'gefühlten Bauweise', die vom Architekten im Prozess vor Ort auf der Baustelle bestimmt wird.

Den Grundriss der Villa Waldfrieden entwarf Krause 'reziprok', d.h. von innen nach außen und ohne formale Vorgaben - mit Ausnahme der Vermeidung des rechten Winkels. Das skulpturale Gebäude ist dem organischen Architekturkonzept Rudolf Steiners verpflichtet, setzt aber auch expressive Ansätze der bildenden Kunst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in die dritte Dimension um. Allerdings wurden die Wände ausnahmslos senkrecht zur horizontalen Bodenfläche gemauert, wodurch der organische Eindruck der Raumformen etwas abgemildert erscheint.

Der Bauverlauf erfolgte aufgrund der informellen Herangehensweise Krauses eher langsam. Der Architekt versuchte, den Entwurfsprozess als spontanen "Schöpfungsakt" von allen Konventionen zu befreien. Wolfgang Körber, Professor und einstiger Krause-Schüler erinnert sich: "Jeden Morgen vor Beginn der Bauarbeiten hat Krause den Verlauf der zu errichtenden Wände auf den Boden gezeichnet. Während die Maurer ans Werk gingen, zog er sich bis auf die Haut aus und legte sich zum Sonnen in den Park." Der Architekt - selbst eher klein gewachsen - benutzte seinen eigenen Körper als Bezugsmaßstab und ließ Räume, die ihm unproportioniert erschienen, kurzerhand wieder einreißen. Dies hat bis heute zur Folge, dass die Innenräume ungewohnt niedrig und gedrungen wirken.

Der Skulpturenpark Waldfrieden entsteht

Tony Cragg erkannte im Jahr 2005 die Einzigartigkeit des Anwesens im Zentrum seiner Wahlheimatstadt - allerdings war es nicht unbedingt Liebe auf den ersten Blick. "Als ich die Villa zum ersten Mal gesehen habe, war das ein ziemlicher Schock," beschreibt Cragg seinen ersten Eindruck. "Sie unterscheidet sich stark von modernen Bauwerken, bei denen der Mensch von der Struktur der Gebäude losgelöst ist. An dieses sehr organische Gefühl des Umschlossenseins musste ich mich erst gewöhnen."

Ein Jahr später konnte der Künstler, durch eine Reihe von Zufällen begünstigt, die denkmalgeschützte Villa mitsamt dem 15 Hektar großen, ursprünglich sorgsam angelegten Park erwerben und in Abstimmung mit der Denkmalpflege mit einer aufwändigen Sanierung beginnen. Innerhalb von zwei Jahren entstand aus dem Anwesen ein Skulpturenpark, in dem monumentale Werke Tony Craggs aber auch Arbeiten anderer Bildhauer ausgestellt werden. Über dem ehemaligen Schwimmbecken wurde dazu ein schlichter Glaspavillon für Wechselausstellungen errichtet. Zur größten Herausforderung aber wurde die grundlegende und längst überfällige Sanierung der denkmalgeschützten Villa. Die Restaurierung des luxuriösen Bauwerks mit seinen unregelmäßigen Wänden, gerundeten Fenstern, Türen und Möbeln erforderte größtes handwerkliches Können und vor allem unzählige Arbeitstunden. Nahezu 60 Fachplaner und Handwerker waren mit der Umsetzung aller notwendigen Arbeiten - Rohbau, Technischer Ausbau, Innenausbau - befasst.

Farbe in homöopathischen Dosen

Die alten Elektro-, Wasser- und Abwasserleitungen mussten ersetzt werden, eine neue Heizung wurde eingebaut, die Bäder erneuert und die Einbaumöbel restauriert. Sämtliche Innenwände befreite man von den alten Anstrichen und Putzen. Die Wandflächen ebenso wie die mit Hohlkehlen und indirekter Beleuchtung gestalteten Übergänge von Wand zu Decke wurden neu verputzt und von Craggs hoch qualifizierten Mitarbeitern in mühevoller Handarbeit nachgeschliffen, so dass die Bauteile nahtlos wie eh und je ineinander übergehen.

Im Hinblick auf die Farbgestaltung der Innenräume hat sich Tony Cragg die Freiheit genommen, vom Originalzustand abzuweichen. "Viele Leute hatten die Villa als beklemmend in Erinnerung - interessant und beeindruckend, aber nicht wirklich schön," erklärt der Künstler. "Jetzt kommen Besucher und sagen: Wow, du hast etwas Tolles daraus gemacht. Den Preis historisch nicht 100% korrekt zu sein, opfere ich gerne dafür, dass Waldfrieden jetzt wieder ein schönes Gebäude ist."

Und das liegt nicht zuletzt an der subtilen farblichen Umgestaltung der Oberflächen, bei der mineralische Farben von KEIM verwendet wurden. Das ganze Haus ist durchzogen von einer komplementären gelb-violetten Farbstimmung in homöopathischer Potenzierung. Tony Cragg persönlich zeichnet für die Farbtöne verantwortlich, die in Zusammenarbeit mit Malermeister Torsten Schrumpf, dem Chef des ausführenden Malerbetriebs, abgemischt wurden.

Schrumpf empfahl die Sol-Silikatfarbe Optil aus dem Hause KEIM. "Das darin enthaltene transparente Wasserglas lässt Lichtstrahlen - anders als bei milchigen Dispersionen - ungehindert auf die Pigmente treffen," erklärt der Malermeister. "Diese Leuchtkraft schafft in Verbindung mit der tuchmatten Oberflächenqualität eine faszinierende Optik. KEIM Optil hat sich bei diesem Projekt mit seinen extrem anspruchsvollen Farbmischungen in starker Verdünnung und den besonderen Anforderungen an das Erscheinungsbild als die ideale Wandfarbe erwiesen."

Beim Betreten der Villa scheinen alle Wände weiß gestrichen zu sein, wandert der Blick jedoch von Raum zu Raum, erkennt man die Komplementärfarbigkeit der Gestaltung. Auch der Außenraum und die Lichtverhältnisse verändern die Farbwirkung - liegen die Oberflächen in Schattenbereichen wirken die Farben stärker und umgekehrt, je stärker das Licht auf eine Fläche fällt, umso weniger kann man die Farbe sehen.
Der Künstler Tony Cragg selbst sieht in Waldfrieden eine Skizze, einen Entwurf: "Vielleicht übernimmt später ein anderer die Aufgabe und arbeitet daran weiter."

Weitere Informationen zu mineralischen Farben wie in der Villa Waldfrieden können per E-Mail an Keimfarben angefordert werden.

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