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Biodiversität auf dem Dach

(2.2.2017; BAU-Bericht) Die Erhaltung der „Biodiversität“, also der „biologischen Vielfalt“ in der Natur, gilt als wichtige Grundlage für unser Wohlergehen. Auch Dachbegrünungen vermögen hierzu einen Beitrag zu leisten, denn vor allem pflegearme, das heißt weitgehend ungestörte Begrünungen sind wichtige Rückzugsräume für Tier- und Pflanzenarten. Käfer, Wildbienen und Schmetterlinge finden hier Nahrung und Unterschlupf. Dabei hängt die Entwicklung der Artenvielfalt sehr stark davon ab, wie die Lebensräume aufgebaut sind, die den Pflanzen und Tieren auf dem Dach angeboten werden.


alle Fotos © ZinCo

Dort, wo die Natur durch Baumaßnahmen zerstört wurde, können Dachbegrünungen verloren gegangene Grünflächen ansatzweise kompensieren und neue Ersatzlebensräume für Flora und Fauna schaffen. Voraussetzung dafür ist, dass sich die Dachbegrünung auch auf Dauer etablieren und stetig gedeihen kann.

ZinCo hat sich dieses Themas angenommen und zur vielseitigen Ausgestaltung eines Gründaches als Biotop verschiedene Biodiversitäts-Module und -Konzepte entwickelt:

Das Artenspektrum der Bepflanzung kann beispielsweise dadurch erweitert werden, dass die Substratoberfläche moduliert wird: Während für niedrigwüchsige, anspruchslose Sedumarten und andere Sukkulenten 6 cm Substrathöhe ausreichend sind, lässt sich der Wurzelraum für eine artenreiche Kräuter- und Gräservegetation durch einzelne Anhügelungen auf 12 bis 15 cm erhöhen. Förderlich ist dafür auch ein humus- und nährstoffreicheres Substrat, zum Beispiel die Verwendung der ZinCo-Systemerde „Lavendelheide“.

Bei der Pflanzenauswahl sollte insbesondere auf deren Bedeutung als Futterpflanze für Insekten und Vögel geachtet werden. So sind zum Beispiel Wiesen-Salbei, Natternkopf, Lavendel und der wilde Majoran ein Leckerbissen für Bienen und Schmetterlinge.

„Biotop-Holz“
„Biotop-Holz“

Abgestorbene Äste und Stämme lassen sich als wertvolle Strukturelemente auf das Dach bringen. Diese werden von Moosen, Flechten, Pilzen, Käfern und Fliegen als Lebensraum genutzt, daher scheint der Begriff „Biotop-Holz“ weitaus treffender als die übliche Ausdrucksweise „Totholz“.

Wichtige Bereicherungen stellen auch vegetationsfreie Flächen in Form von Sandlinsen und Grobkiesbeeten dar, denn diese werden von Insekten und anderen Dachbewohnern als Versteck, Brut- und Sonnenplätze benutzt. Eine Reihe von weiteren Nisthilfen dienen der dauerhaften Insektenansiedlung. Neben Insektenhotels für Wildbienen und Schlupfwespen sind dies Hummelnistkästen und Ameisensteine:

Nisthilfe
Nisthilfe

Schließlich können auch temporäre Wasserflächen angelegt werden, um das Wasserangebot für Insekten und Vögel zu verbessern. An einzelnen Stellen der Dachfläche werden dazu Folien eingearbeitet und mit Sand abgedeckt, um Regenwasser über einen längeren Zeitraum auf dem Dach zu halten. Mit der Zeit entsteht so ein besonders artenreicher und ökologisch wertvoller Lebensraum.

Referenzobjekt im Rahmen der IGA Berlin 2017

Derzeit kommt auf dem Besucherzentrum der Internationalen Gartenausstellung IGA Berlin 2017 eines der spannendsten Gründächer Deutschlands zur Ausführung, denn hier entsteht ein solches Biodiversitäts-Gründach auf einer Fläche von annähernd 2000 m² (siehe auch Bild rechts und Google-Maps).

Besucher können während der Laufzeit der Gartenschau vom 13. April bis 15. Oktober 2017 das als praktisches Anschauungsobjekt konzipierte Dach über eine Plattform neben dem Gebäude besichtigen. Auf Basis des ZinCo-Systemaufbaus „Steinrosenflur“ gestaltet sich das Dach als vielseitiges Mosaik aus sämtlichen Biodiversitäts-Modulen. Der Gestaltungsplan für dieses Biodiversitäts-Gründach stammt aus der Feder der Firma fairplants-system GmbH und wurde im Sommer 2016 ausgeführt - unter der Projektträgerschaft von der IGA Berlin 2017 und dem Deutschen Dachgärtnerverband e.V.

Im Laufe der Zeit wird sich die Vielfalt auf dem Dach - vor allem an tierischen Bewohnern - noch steigern. So wird das Biodiversitäts-Gründach auch über die IGA hinaus als bedeutsames Referenzobjekt wirken und für eine stärkere Berücksichtigung der Artenvielfalt werben.

Upgrade möglich

Bereits existierende, artenärmere Extensivbegrünungen oder auch wenig gestörte Intensivbegrünungen lassen sich selbstverständlich jederzeit „upgraden“. So wird sich unter Einsatz der verschiedenen Biodiversitäts-Module der Artenreichtum an Fauna und Flora deutlich vergrößern. Und schöner aussehen wird die Dachbegrünung außerdem. Allerdings ist stets solides Grundwissen über die ökologischen Zusammenhänge natürlicher Lebensräume gefragt, um artenreiche Dachbegrünungen zu planen und zu gestalten - eine spannende und wichtige Aufgabe gleichermaßen für Planer, Dachgärtner und Bauherren.

Weitere Informationen zu „Biodiversität“ auf dem Dach können per E-Mail an ZinCo angefordert werden.

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