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25.000 m² Gründach des Jahres 2018 gewählt

(4.11.2018) Erstmals wurde unter der Ägide des neuen Bundesverbands GebäudeGrün (BuGG) das Gründach des Jahres auserkoren. Aus den zahlreichen Einreichungen wählte das Präsidium zunächst die drei Besten aus und stellte sie dann bei der GaLaBau in Nürnberg zur Wahl durch die Messe-Besucher. Dabei wurde das Objekt „Nationaloper und Nationalbibliothek Griechenlands in Athen“ mit überwältigender Mehrheit zum „BuGG-Gründach des Jahres 2018“ gewählt. Beratung und Produkte stammen vom Systemanbieter Zinco.

größere Karte (eventuell ist bei der „größeren Karte“ der 2D-Modus ergiebiger - sprich grüner!)

Die Teilnehmer des diesjährigen Wettbewerbs haben das Projekt aus verschiedenen Gründen gewählt - u.a. aufgrund der unvorstellbaren Größe der intensiven Dachbegrünung von über 25.000 m² und der Nutzung der Dächer als begehbare Dachterrassen.

Das neue Athener Kulturzentrum Stavros Niarchos-Kulturzentrum (SNFCC) ist Wahrzeichen für Bildung, Kultur und Nachhaltigkeit – für das griechische Volk sowie im internationalen Kontext. Das mit der LEED-Zertifizierung in Platin gekrönte Bauprojekt ist das größte in der jüngsten griechischen Geschichte und beherbergt die Nationaloper und Nationalbibliothek, deren Gebäude eingebettet sind in den 17 Hektar großen Stavros Niarchos Park. Dieser öffentliche Park mit Olivenbäumen und üppiger mediterraner Bepflanzung steigt ebenerdig an, bis über die Gebäudedächer auf 32 m Höhe. Rund 25.550 m² Dachflächen sind vollständig begrünt und ihre Höhenlage schenkt den Besuchern einen gigantischen Blick auf das nahe Mittelmeer.

Foto © SNFCC / Yiorgis Yerolymbos 

Verbindung zwischen Stadt und Meer

„Eine visuelle und physische Verbindung mit dem Wasser zu schaffen“, das war die Idee des weltberühmten Architekten Renzo Piano, der hier seine Handschrift verwirklicht hat. Eine begrünte Brücke führt als Fußgängerzone vom Meeresufer auf das Gelände. Parallel zu dieser „Esplanade“ schafft ein künstlich angelegter Wasserkanal ebenfalls physische Beziehung zum Wasser. Für die visuelle Verbindung - den freien Blick aufs Meer - sorgt die gezielte Anhebung des Geländes auf 32 m Höhe. Das ansteigende Parkgelände kulminiert in einer Dachterrasse mit Treppenanlage, welche von einem 10.000 m² großen, dünnen Solardach überspannt ist - von Renzo Piano „fliegender Teppich“ genannt.

Gebäude tauchen unter

Der Gebäudekomplex umfasst insgesamt ca. 25.550 m² Dachfläche und verschwindet dank vollständiger Begrünung förmlich in der Parklandschaft. Das hat den zusätzlichen Nutzen, dass die Räume vor Sonneneinstrahlung geschützt sind und damit Energie für die Klimaanlagen eingespart wird.

  • Unterhalb der erwähnten Dachterrasse (ca. 6.950 m²) präsentiert sich die griechische Nationaloper mit zwei multimedialen Konzertsälen auf klanglich wie bühnentechnisch höchstem Niveau.
  • Die Nationalbibliothek (ca. 6.150 m² Dachfläche) ist konzipiert als transparenter Raum, der Wissen jedermann zugänglich macht
  • Zum Gebäudekomplex gehört außerdem ein Parkhaus mit 1000 Stellplätzen (ca. 8.950 m² Dachfläche), welches ebenso wie Betriebs- und Entsorgungsgebäude (zusammen ca. 1.700 m²) und Lieferzufahrt „Pufferzone“ (ca. 1.800 m²) unter dem üppigen Grün verschwindet.

Foto © SNFCC / Yiorgis Yerolymbos 

Passende Systemaufbauten

Grundlage auf den bis 5° geneigten Betondächern war eine wurzelfeste bituminöse Abdichtung. Verwendet sind auf den Gebäuden objektspezifisch unterschiedliche ZinCo-Systemaufbauten. So sind die griechische Nationalbibliothek und die griechische Nationaloper als Umkehrdächer ausgeführt und erforderten diffusionsoffene Systemaufbauten: Erste Lage auf der Umkehr-Wärmedämmung war das luft- und dampfdurchlässige Trenn- und Gleitvlies TGV 21, darauf folgten die Stabilodrain-Elemente, welche im begehbaren Bereich als verlorene Schalung fungieren und einen hellen, fugenlosen Ort­be­ton-Belag tragen - siehe auch Beitrag „Stabilodrain - für Fahrbeläge auf Dächern“ vom 7.7.2009.

Für die Gräserbepflanzung rings um die Belagsflächen der Oper und der angrenzenden Nationalbibliothek wurde aufgrund seiner hohen Wasserspeicherkapazität der Systemaufbau mit Trenn- und Gleitvlies TGV 21, Dränage-Element FD 40, Systemfilter SF und rund 15-18 cm lokal aufbereitetes Substrat verbaut.

Foto aus dem Beitrag „Renzo Pianos Pollerleuchte für das Stavros Niarchos-Kulturzentrum jetzt für alle verfügbar“ vom 8.10.2018

Parkhaus mit Olivenbäumen

Das tragfähige, ungedämmte Dach des Parkhauses erhielt den Systemaufbau mit Isolierschutzmatte ISM 50 und Protectodrain PD 250. Diese stabile, hoch belastbare Dränageplatte mit unterseitig aufkaschierter Gummischutzmatte ist deshalb ideal, weil sie bereits in der Bauphase hervorragende Schutzfunktion bietet. Über den Systemfilter TG kamen 40 cm Zincolit Plus und weitere mindestens 40 cm Dachgarten-Substrat. Unter den Olivenbäumen beträgt die Substrathöhe insgesamt sogar bis zu 120 cm.

Da die geplanten Gehwege niveaugleich mit der Substratoberfläche verlaufen sollten, war ferner leichtes Auffüllmaterial gefragt. So verbaute man Schaumglasschotter bis zu einem Meter hoch und darauf ein Sand-Lehmgemisch als natürlichen Oberflächenbelag.

Aufgrund der einheitlichen mediterranen Bepflanzung geht die Dachbegrünung nahtlos in den angrenzenden Park über, welcher bis zur Gebäudehöhe aufgeschüttet ist und von diesem Niveau aus keilförmig abfällt. Alles zusammen ergaben sich stolze 17 Hektar öffentliche Grünfläche.

Foto © H. Pangalou and Associates Landscape Architects 

Inmitten von insgesamt 1.450 neu gepflanzen Bäumen und 280.000 Sträuchern entdecken Besucher faszinierende Gartenidyllen, des Weiteren ein Labyrinth, einen Sportpark, Spielplätze und Brunnen. Die nötige regelmäßige Bewässerung sämtlicher Grünflächen erfolgt über eine automatische Tröpfchen-Bewässerungsanlage.

Ein Kilometer Geländer

Da sich die gesamte Parkanlage in die Höhe erstreckt, erforderte dies ringsum beeindruckende 1.070 laufende Meter Geländer. Die Geländerbasis ist in den Dachbegrünungsaufbau integriert und wird durch die Auflast von Terrassenbelag beziehungsweise Substrat gehalten. Das System bietet so eine flächige Lastverteilung und kommt gänzlich ohne Dachdurchdringungen aus, was Schwachstellen in der Dachabdichtung und Wärmebrücken vermeidet. Auf der Geländerbasis erfolgte die Montage der Geländer, die von Renzo Piano eigens entworfen wurden.

Weitere Informationen zu Gründachaufbauten können per E-Mail an Zinco angefordert werden.

siehe auch für zusätzliche Informationen:

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