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Betonbauten der Moderne öffnen zum Tag des offenen Denkmals

(5.9.2011) Beton gab der Moderne eines ihrer Gesichter. In der Antike erstmals eingesetzt, im 19. Jahrhundert wiederentdeckt und weiterentwickelt, gelang dem Baustoff im 20. Jahrhundert der Durchbruch, der eine völlig neue Formensprache in der Architektur erlaubte. Ein Beispiel dafür steht in Berlin - und öffnet am 10./11. September seine Türen.

Das Corbusier-Haus: eine Wohnmaschine für Berlin

Eine „vertikale Stadt im Grünen“ sollte der Beitrag zur Interbau 1957 werden: Wohnen, Einkaufen, Arztbesuche, Postversand - all dies sollte unter einem Dach möglich sein (siehe auch Bing-Maps und/oder Google-Maps). 130 m lange Korridore, „Innenstraßen“ genannt, durchziehen den Komplex, das Baumaterial – ob Glas, Stahl oder Beton – wird zur Schau gestellt:

Ein Stahlgerippe trägt die Deckplatten und Treppen aus Stahlbeton; die Wände übernehmen nur noch eine abgrenzende Funktion. Das auf Stelzen stehende 135 m lange und 17 Stockwerke hohe Hochhaus mit 530 Wohnungen ist ein Sinnbild der Industrialisierung und der durch sie veränderten Lebenswirklichkeit.

Vier weitere solcher „Unités d`habitations“ (Wohneinheiten oder auch Wohnmaschinen), schuf Corbusier insgesamt. Die Berliner Ausführung wurde allerdings zum ungeliebten Kind Corbusiers: Sein strenges Proportionssystem konnte er aufgrund der Berliner Bauordnung nicht durchsetzen. Als „Gestell für Flaschen“ bezeichnete er das Haus später. Dennoch: In Konzeption, Gestaltung und dem neuartigen Umgang mit Beton als Gestaltungselement war es seiner Zeit voraus und prägte die Arbeiten nachfolgender Architekturgenerationen.

Corbusier war es auch, der Mitte des 20. Jahrhunderts den Beton neu erfand: „Es ist nunmehr möglich, den Beton wie Stein in seinem Rohzustand zu zeigen“, sagte er. Spätestens damit war die Ära des Sichtbetons angebrochen. Unebenheiten in der Oberfläche werden dabei nicht versteckt, sondern ästhetisiert.

In den Jahren 1983 und 1984 erfolgte eine umfassende Betonsanierung der Corbusier-Haus-Fassaden durch Mitgliedsunternehmen der Güteschutzgemeinschaft Betoninstandsetzung Berlin und Brandenburg, bei der darauf geachtet wurde, das Erscheinungsbild des Gebäudes beizubehalten. 1994 wurde das Haus zum Baudenkmal erklärt. Seitdem sind die „Innenstraßen“ und das Foyer denkmalgerecht wiederhergestellt und die Fenster erneuert worden.

Betoninstandsetzung bei Denkmälern

Trotz aller Vorzüge des Baustoffs: Eine lange Lebensdauer erreicht er nur bei entsprechender fachmännischer Pflege. Der Geschichte des Betonbaus folgt daher stets die Geschichte der Betoninstandsetzung. „Denkmäler stellen dabei eine besondere Herausforderung dar“, so Hans Joachim Rosenwald, Geschäftsführer der Bundesgütegemeinschaft Instandsetzung von Betonbauwerken e.V. (ib). „Hier muss mit größter Präzision gearbeitet werden und oft unter strengen Auflagen, wie es nur sehr qualifizierte Unternehmen leisten können.“ Spezielle Vorgaben für die fachgerechte Instandsetzung von Betonbauten geben die Instandsetzungs-Richtlinie des Deutschen Ausschusses für Stahlbeton und verschiedene Bundesdienststellen mit ihren Vertragsbedingungen und Richtlinien vor, deren Einhaltung von der Prüf- und Überwachungsstelle der ib überprüft wird.

Beton und Stacheldraht: von der Berliner Mauer zur East Side Gallery

Ein Beispiel für die fachgerechte Sanierung eines denkmalgeschützten Betonbauwerks ist die East Side Gallery, ein 1,3 km langes Teilstück der Berliner Mauer, auf dem sich 118 Künstler im Jahr 1990 mit Bemalungen und Graffiti verewigten (siehe auch Google-Maps):

Um die längste Freiluftgalerie der Welt auf lange Zeit erhalten zu können, erfolgten vor zwei Jahren Betoninstandsetzungsarbeiten. Das ausführende Unternehmen, Scadock & Hofmann, arbeitete nach den Gütekriterien der ib: Zunächst wurden alle Mauerelemente mit einem Wasserdampf-Hochdruckstrahl von der Farbe befreit, beschädigte Betonteile entfernt und Fugen neu gefüllt. Verrosteter Baustahl musste freigelegt, entrostet und beschichtet werden. Die Ausbruchstellen füllten die Sanierungsexperten schließlich mit kunststoff-vergütetem Spritzmörtel. Auf die behandelten Betonflächen wurde dann eine wasserabweisende Schutzschicht aufgetragen. Auf diesem Untergrund konnten die Künstler ihre Bilder neu anbringen. Den Mauerresten und den Kunstwerken soll so eine lange Zukunft gesichert sein.

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