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Bericht von der Beton-Insta 2011

(23.10.2011) Die Beton-Insta 2011 in Dresden stellte die sach- und fachkundige Ausführung von Beton-Instandsetzungsarbeiten in den Mittelpunkt. Dabei wurden aktuelle Erkenntnisse zur Erhaltung und Instandsetzung von Betonbauwerken umfassend vorgestellt.


Eine begleitende Fachausstellung bot den Teilnehmern die Möglichkeit, sich über die Vorträge hinaus weiter über Produkte und Dienstleistungen rund um die Betoninstandsetzung zu informieren. (Bild vergrößern)

Mehr als 200 Teilnehmer, darunter Mitarbeiter von ausführenden Unternehmen, Behörden, öffentlichen und privaten Auftraggebern, Immobiliengesellschaften und Planungsbüros sowie Hochschulen waren zu der Veranstaltung gekommen. Der in zweijährigem Turnus stattfindende Expertentreff, der nunmehr bereits zum zweiten Mal in Dresden tagte, wurde von der Bundesgütegemeinschaft Instandsetzung von Betonbauwerken (ib) in Zusammenarbeit mit der Landesgütegemeinschaft Sachsen/Sachsen-Anhalt und der Bundesgütegemeinschaft Betonflächeninstandsetzung (BFI) organisiert.

„Ziel der Veranstaltung ist,“ so der Vorsitzende der Bundesgütegemeinschaft Instandsetzung von Betonbauwerken e.V., Dr.-Ing. Martin Mangold, bei der Begrüßung, „die Qualität von Schutz- und Instandsetzungsleistungen sicherzustellen.“ Dies sei kein Eigennutz der Unternehmen, sondern diene dazu, Bauwerke auch langfristig zu erhalten oder zu ertüchtigen. „Wir möchten mit diesem Fachsymposion,“ so Dr. Mangold weiter, „aktuelle Erkenntnisse auf dem Gebiet der Erhaltung und Instandsetzung von Betonbauwerken möglichst umfassend erörtern und einen intensiven Erfahrungsaustausch betreiben.“ Eine große begleitende Fachausstellung bot den Teilnehmern außerdem die Möglichkeit, sich über die Vorträge hinaus weiter über Produkte und Dienstleistungen rund um die Betoninstandsetzung zu informieren.

Dr. Mangold verwies u.a. auch auf steigende Mitgliederzahlen in den Landesgütegemeinschaften. Derzeit zählen zur Landesgütegemeinschaft Sachsen und Sachsen-Anhalt 23 Fachunternehmen und 2 Fachplaner. Insgesamt haben sich über die verschiedenen Landesverbände in der Bundesgütegemeinschaft mehr als 270 Fachbetriebe und rund 60 Fachplaner zur Qualität von Betoninstandsetzungsarbeiten verpflichtet. Auch die Zahl der zur Fremdüberwachung angemeldeten Bauvorhaben weist nach Mangold einen ständigen Zuwachs auf.

Wie eine sach- und fachkundige Ausführung von Betoninstandsetzungsarbeiten aussehen kann, zeigte der Vortrag von Dr.-Ing. Rainer Kless, der den Weg des denkmalgeschützten Dresdener Erlweinspeichers zum modernen Kongresshotel schilderte. Baustoffliche und baukonstruktive Mängel, mangelnder Bauunterhalt nach 1945 und Kriegseinwirkungen hatten erhebliche Schäden in der Stahlbetonkonstruktion des 1914 erstellten Gebäudes zur Folge. Eindringende Feuchtigkeit konnte so direkt an die Bewehrung gelangen und sorgte dort für teilweise erhebliche Bewehrungskorrosion, die schließlich zu Betonabplatzungen führte. Da eine restauratorische Sanierung zu teuer gewesen wäre, entschloss man sich je nach Zustand der Betonoberfläche zu kleinflächigen Reparaturen und Reprofilierungen bzw. bei großflächigen und tiefgreifenden Schädigungen der Betonoberfläche zu einem flächigen Spritzbetonauftrag. Bei starken Beeinträchtigungen der Bewehrungsquerschnitte wurde ein Ersatz des Bauteils bzw. wesentlicher Teile davon geplant und ausgeführt. Risse, die die Statik beeinflussen, wurden kartiert. Eine Risssanierung durch Verpressen mit Zementsuspension verband die Rissufer kraftschlüssig und stellte die ursprüngliche Steifigkeit der Bauteile wieder her. Insgesamt konnten so 328 Zimmer und Suiten auf einer Geschossfläche von 22.500 m² realisiert werden. Die Baumaßnahme wurde innerhalb von knapp zwei Jahren fertiggestellt. Dem Kongress-Hotel ist das internationale Congress Center Dresden angegliedert, in dem die Beton-Insta stattfand.

Prof. Dr.-jur. Gerd Motzke, Rechtsanwalt und Honorarprofessor für Zivil- und Zivilverfahrensrecht der Universität Augsburg erläutert die „Beschränkte Ausschreibung im Baurecht nach VOB/A im Bereich Betoninstandsetzung“ aus juristischer Sicht. Dabei wurde klar: Ausschreibung und Vergabe von Betoninstandsetzungsmaßnahmen erfolgen nach unterschiedlichen Regeln. Grundsätzlich ist zwischen Planungsleistungen und Ausführungsleistungen zu trennen, dabei muss beachtet werden, ob die Maßnahme in den Anwendungsbereich der Sektorenverordnung d.h. für Auftraggeber im Bereich Wasser-, Energie- und Verkehrsversorgung sowie Postdienste fällt. Außerdem ist zu berücksichtigen, ob Schwellenwerte erreicht werden, die unter EU-Recht fallen. Dann nämlich kommen die Vorgaben der Vergabe- und Koordinierungsrichtlinie 2004/18/EG und der Sektorenrichtlinie 200/17/EG zum Tragen, die im Abschnitt 2 der VOB/A und der Sektorenrichtlinie sowie in §§97 ff GWB umgesetzt werden.

Über die Verantwortung und Pflichten der Eigentümer von Immobilien für Wartung und Erhaltung dachte Bauing. Hannes Fiala, Sachverständiger für die Beurteilung von Betonschäden und die Planung von Instandsetzungsmaßnahmen nach. Sein Fazit: Die ständige Überprüfung des Ist-Zustandes der öffentlichen und privaten Bauten ist durch die entsprechenden Gesetze mit den dort verankerten Verpflichtungen zur Eigenverantwortung, zum Schutz der öffentlichen Ordnung und Sicherheit vorgegeben. Dabei können Maßnahmen, die frühzeitig zur Erhaltung der Bausubstanz eingeleitet werden, weniger Kosten verursachen, als später erfolgte grundsätzliche Maßnahmen zur Ertüchtigung des gesamten Gebäudes. Bauwerksanalysen durch einen sachkundigen Ingenieur helfen, den richtigen Zeitpunkt zu ermitteln. Hilfreich, so seine Empfehlung ist das Führen eines Bauwerksbuches, in dem Abweichungen vom Soll-Zustand kontinuierlich dokumentiert werden.


Bald fertig: Die Waldschlösschenbrücke in Dresden, derentwegen die UNESCO der Stadt den Titel 'Weltkulturerbe' entzogen hatte. Im Dezember 2010 konnte der vorgefertigte Stahlkörper der Brücke über den Wasserweg eingeschwommen und zwischen den Vorlandbrücken positioniert und verankert werden. Die Brücke wird wie geplant fertiggestellt. (Bild vergrößern)

Dipl.-Ing. Reinhard Koettnitz, leitender Baudirektor und Amtsleiter des Straßen- und Tiefbauamtes in Dresden, berichtete über den Status beim Bau der geplanten Waldschlösschenbrücke in Dresden. 2009 hatte die UNESCO der Stadt wegen Errichtung des Brückenbauwerkes den Titel „Weltkulturerbe“ entzogen. Die Stadt hatte sich jedoch von der Durchführung des Vorhabens - erste Planungen für ein Brückenbauwerk an gleicher Stelle stammen bereits aus dem 19. Jahrhundert - nicht abhalten lassen: Im Dezember 2010 konnte der vorgefertigte Stahlkörper der Brücke über den Wasserweg eingeschwommen und zwischen den Vorlandbrücken positioniert und verankert werden. Die endgültige Fertigstellung verläuft nach Zeitplan.

Um Unsicherheiten und Sicherheiten beim Einsatz von Stoffen für die Betoninstandsetzung ging es im Beitrag von Dr.-Ing. Michael Stauch vom Berliner Ingenieurbüro Specht, Kalleja und Partner (SKP). Sein Fazit: Trotz teilweiser Nutzung von nicht mehr geltenden Regelwerken für die Prüfung von Baustoffen und bei pragmatischer Duldung durch die zuständigen Bauaufsichtsbehörden besteht nach wie vor Sicherheit bei der Anwendung dieser Stoffe. Voraussetzung ist, dass die notwendige Fremdüberwachung durch die Stoffhersteller auch weiterhin veranlasst wird. Stauch empfiehlt die zügige Weiterentwicklung der Instandsetzungs-Richtlinie sowie die Erstellung einer Ergänzungsnorm für die Bauprodukte Mörtel und Korrosionsschutz. Die Möglichkeit, durch weitere Instandsetzungsprinzipien auf andere, neue Lösungen zurückgreifen zu können, erfordert eine spezielle Qualifikation und Verschärfung des Leistungsprofils des sachkundigen Planers.

Dr.-Ing. Jeanette Orlowsky von Institut für Bauforschung der RWTH Aachen präsentierte erste Erfahrungen textilbewehrter Spritzmörtelschichten zur Instandsetzung von Wasserbauwerken. Ihre Untersuchungen ergaben, dass nach ZTV-W LB 219, Abschnitt 5 zugelassene Spritzmörtel mit Textilien bewehrt werden können. Es konnte in Versuchen ein ausreichender Verbund zwischen Textilien und Spritzmörtel nachgewiesen werden. Rissbewegungen eines Untergrundrisses konnten durch Textilbewehrung auf mehrere feinere Risse verteilt werden. Dabei erwiesen sich in ihren Experimenten Textilien mit epoxidharzgetränktem AR-Glas als am besten geeignet, andererseits ist das Carbontextil G 600 besser im Markt verfügbar und im Trockenspritzverfahren einfacher zu handhaben.

Die Frage „Abriss oder Erhaltung?“ stellte Dipl.-Ing. Michael Hänig, von der ibb Mangold Ingenieurgesellschaft für Bauwerkserhaltung und Bauüberwachung mbH und zeigte dabei am Beispiel einer Bogenbrücke in Stahlbetonbauweise die Möglichkeiten der zielgerichteten Vorplanung zur Instandsetzung eines Ingenieurbauwerkes auf. Aufgrund des umfassenden Schadensbildes, das bei einer turnusgemäßen Hauptprüfung nach DIN 1076 an der Gewölbeuntersicht der Brücke festgestellt wurde, wurden sofortige Maßnahmen zur Sicherstellung der Betriebssicherheit eingeleitet. Erschwerend war dabei, dass der unter der Brücke durchführende Bahnverkehr wegen seiner hohen Verkehrsdichte nur begrenzt eingeschränkt werden konnte. Es wurde eine Geschwindigkeitsbegrenzung eingeführt. Die Betriebssicherheit der Bahnstrecke konnte durch die sach- und fachgerechte Ausführung der Instandsetzungsarbeiten der Gewölbebrücke wiederhergestellt werden.

Zum Abschluss der Tagung bot Prof. h.c. Dr. phil. Kurt Gaik von der Universität Wuppertal Tipps für eine erfolgreiche Verhandlungsführungen. Professor Gaik ist auf das Lehr- und Forschungsgebiet Rhetorik und Verhaltenspsychologie spezialisiert. Wichtig sei, so Gaik, eine möglichst umfassende Vorbereitung auf die Verhandlung. Vorzugsweise sollte die Argumentation aus der Vorteilssicht des anderen erfolgen. Dabei habe es sich bewährt, so das Ergebnis von Gaiks Forschungen, absehbare Einwände am besten selbst auszusprechen und gleich zu widerlegen.

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