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Neues DGNB-Zertifikat widmet sich dem Ressourcenschutz beim gezielten Rückbau von Gebäuden

(2.8.2020) Ein neues Zertifizierungssystem der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) setzt Anreize, die Nachhaltigkeit eines Rückbaus vor einer Neubau- oder Sanierungsmaßnahme auf ganzheitliche Weise zu erhöhen. Dabei geht es um ...

  • eine sortenreine Trennung von Abfällen,
  • die Wiederverwendung von Materialien,
  • Gefahrstoffsanierung,
  • Risikobewertung und
  • Kostensicherheit.

Das neue DGNB-System richtet sich an Kommunen, Bauherren, Planer sowie Rückbau- und Recyclingunternehmen:

„Mit dem neuen Rückbauzertifikat leistet die DGNB echte Pionierarbeit und setzt wichtige Impulse für einen verantwortungsvolleren Umgangen mit Ressourcen in der Bau- und Immobilienwirtschaft“, sagt Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand der DGNB. „Hier gibt es aktuell noch große Wissenslücken an den Schnittstellen zwischen den beteiligten Akteursgruppen und Defizite in der Praxis. Es geht uns darum, Stoffströme konsequent zu schließen, eine höhere Wertigkeit der Bausubstanz zu fördern und Lösungen im Sinne einer Circular Economy auf allen beteiligten Ebenen zu etablieren.“

Zwölf Kriterien für mehr Nachhaltigkeit beim Rückbau

Inhaltlich zielt das DGNB-Rückbauzertifikat darauf ab, Rohstoffe im Kreislauf zu führen, Recycling zu unterstützen und die zu entsorgenden Massen zu reduzieren. Es ist vergleichsweise schlank gehalten und umfasst zwölf Kriterien. Diesen liegt, wie bei den übrigen DGNB-Zertifizierungen auch, ein ganzheitlicher Nachhaltigkeitsansatz zugrunde, der Umwelt, Mensch und Wirtschaftlichkeit gleichermaßen einbezieht:

  • Aus ökologischer Sicht geht es um „Materialstrombilanz“ und „Gefahrstoffsanierung“.
  •  „Risikobewertung und Kostensicherheit“ sowie „Werte ausbaufähiger Ressourcen“ sind die zwei ökonomischen Kriterien.
  • „Projektkommunikation“ und „Sicherheit“ sind die Kriterien, die der soziokulturellen und funktionalen Qualität zugeordnet werden.
  • Aus technischer Sicht geht es um „Verwertung und Entsorgung“ sowie um eine „sortenreine Trennung und Kreislaufführung“.
  • Ein besonderer Fokus des Zertifizierungssystems liegt auf der Prozessqualität - bewertet werden hier vier Kriterien: „Rückbauplanung“, „Ausschreibung“, „Qualitätssicherung und Dokumentation“ sowie „Baustelle und Rückbauprozess“.

Vorteile für alle beteiligten Akteursgruppen

Von besonderer Relevanz bei der Anwendung des Systems ist das Zusammenspiel der verschiedenen Akteure. Eine dieser beteiligten Parteien sind Kommunen: Das DGNB-Rückbauzertifikat will diesen in Form einer umfassenden Qualitätssicherung und Erfolgskontrolle dienen. Dabei kann es etwa als Voraussetzung zur Vergabe von Abbruchgenehmigungen eingesetzt werden. Für Kommunen ist das Thema auch deshalb von besonderem Interesse, weil in der Regel die Auswirkungen der Rückbaumaßnahmen auf die direkte Umgebung möglichst gering gehalten werden sollen. Hier geht es zum Beispiel um eine möglichst geringe Belastung der Anwohner durch Lärm, Staub, Schadstoffe oder Baustellenverkehr.

Auch für Eigentümern und Bauherren verspricht die Anwendung des neuen Zertifikats Vorteile: So trägt es zur Kostensicherheit und Risikominimierung bei - ein wichtiger Punkt, liegt doch die Verantwortung für die Bauüberwachung und -koordination sowie die dazugehörige Haftung beim Bauherrn. Dabei geht es um Themen wie Abfall, Sorgfaltspflicht beim Arbeitsschutz oder Bausubstanzrisiken. Die Bauherren erhalten eine umfassende Dokumentation des Rückbaus und profitieren von einer erhöhten Prozesssicherheit, etwa über die Vermeidung von Anwohnerbeschwerden oder möglichen Baustopps.

Rückbauplanern, die im Sinne einer Circular Economy eine Kreislaufführung der Roh- und Baustoffe aktiv vorantreiben wollen, wird über die DGNB-Zertifizierung ein konkreter, bewertbarer Handlungsspielraum aufgezeigt. Gleichzeitig dienen die in den Kriterien definierten Anforderungen als Argumentationshilfe für Planungsentscheidungen. Letztlich spricht das neue DGNB-Zertifikat auch Rückbau- und Recyclingunternehmen an. Wer sich hier im Sinne einer Circular Economy positiv vom Wettbewerb abhebt, wird bei Vergabeentscheidungen Vorteile haben.

Erprobung an ersten Projekten

In den kommenden Monaten soll das neue Zertifizierungssystem bei ersten Projekten angewandt und final erprobt werden. Interessierte Projekte haben die Gelegenheit hier aktiv mitzuwirken. Nach Ablauf der Testphase soll es bei einer erfolgreich abgeschlossenen Rückbauzertifizierung eine positive Berücksichtigung geben, wenn die entsprechenden Folgeprojekte eine DGNB-Zertifizierung für Neubauten oder Sanierungen anstreben.

Für mehr Informationen bietet die DGNB am 12. August um 10:00 Uhr online eine kostenlose Informationsveranstaltung an - siehe  dgnb.de/de/veranstaltungen/digital.

siehe auch für zusätzliche Informationen:

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