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Tarifverhandlungen im Bauhauptgewerbe ohne Ergebnis abgebrochen


  

(21.6.2021) Die Lohn- und Gehaltstarifverhandlungen für die rund 890.000 Beschäftigten im Bauhauptgewerbe sind heute ohne Ergebnis abgebrochen worden.

Aus Arbeitgeberkreisen hieß es, dass man über Löhne und Gehälter sowie die Ost-/ West-Angleichung verhandeln wollte, während die Vertreter der Arbeitnehmerseite ungekündigte Rahmentarifmaterie ins Spiel gebracht hätten. Konkret ging es wohl um die Wegstreckenentschädigung. Zur Erinnerung: Hierzu war in der Tarifrunde 2020 vereinbart worden, in moderierten Spitzengesprächen unter der Leitung von Prof. Dr. Rainer Schlegel Lösungen zu dieser Frage zusammen mit drei weiteren Themenfeldern zu entwickeln - siehe auch Beitrag „Bau-Arbeitgeber stimmen Schlichterspruch zu“ vom 17.9.2020. Das Abschlusspapier mit den entsprechenden Vorschlägen liegt den Gremien zur Beratung vor.

„Völliges Unverständnis“ bei der IG BAU

„Es herrscht bei uns völliges Unverständnis darüber, dass die Arbeitgeber die für ursprünglich zwei Tage angesetzten Tarifverhandlungen heute am frühen Nachmittag unterbrochen haben. Das gab es noch nie, dass die Arbeitergeberseite so unvorbereitet in die Gespräche gegangen ist“, konstatierte Carsten Burckhardt, Bundesvorstandsmitglied der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) und Führer der Verhandlungskommission. „Keine der von uns gestellten Fragen wurden auch nur ansatzweise beantwortet.“ Es sei auch unklar, welchen Sinn der jetzt angebotene neue Verhandlungstermin für August haben soll. „Was hat sich denn bis dahin verändert? Das konnten oder wollten die Arbeitgeber uns heute nicht beantworten. Sie wollen lediglich die Verhandlungen in die Länge ziehen mit dem Hintergedanken, dass es solange auch keine Tariferhöhungen gibt,“ mutmaßt Herr Burckhardt.

Foto © baulinks/AO 

Arbeitgeber „zur Einigung bereit gewesen“

Uwe Nostitz, Verhandlungsführer der Arbeitgeberseite und Vizepräsident des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB) erklärte nach dem Abbruch der Verhandlungen: „Nachdem wir bereits in der ersten Verhandlungsrunde unsere Kompromissbereitschaft signalisiert haben, haben wir heute nochmals unser Interesse an einer Lösung bekundet. Leider hat die Gewerkschaft immer wieder von der eigentlichen Diskussion der Entgeltfrage abgelenkt und stattdessen die bereits in den Spitzengesprächen diskutierten Fragen zur Wegstreckenentschädigung zum Gegenstand der Verhandlungen machen wollen.“

Jutta Beeke, Vizepräsidentin des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, versicherte: „In bewährter sozialpartnerschaftlicher Tradition wären wir heute gerne zu einer Einigung in der Entgeltrunde gekommen. Dazu haben wir auch einen konkreten Vorschlag zur Ost-/ West-Angleichung unterbreitet. Dafür hätte es aber auf Seiten der Gewerkschaft die Bereitschaft gebraucht, sich auf die eigentlichen Fragen der Lohn- und Gehaltstarifverhandlungen einzulassen. In diesem Sinne haben wir der Gewerkschaft einen dritten Verhandlungstermin angeboten.“

Forderungen

Die IG BAU fordert vor dem Hintergrund eines nach wie vor anhaltenden Baubooms 5,3% mehr Lohn und Gehalt, eine Entschädigung für die oft langen Fahrten zu den Baustellen sowie eine Angleichung der Ost-Einkommen an das West-Niveau - siehe auch Beitrag „5,3% mehr Geld für Baubeschäftigte von der IG BAU gefordert“ vom 18.4.2021.

Der derzeit gültige Tarifvertrag endet am 30. Juni 2021.  Die IG BAU will in einer Sitzung der Bundestarifkommission am kommenden Mittwoch (23.6.) über das weitere Vorgehen beraten.

siehe auch für zusätzliche Informationen:

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