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FAQ zum vorbeugenden Brandschutz mit Bodenabläufen und Entwässerungsrinnen

  • Autor: Dipl.-Ing. (FH) Thomas Meyer, ACO Haustechnik

(31.7.2012) Fünf Antworten auf fünf Fragen zum vorbeugenden Brandschutz mit Bodenabläufen und Entwässerungsrinnen:

  1. Welche baurechtlichen Vorschriften und technischen Regeln sind zu beachten?
  2. Wie sollten Brandschutz-Bodenabläufe und Entwässerungsrinnen sicher und fachgerecht in der Decke eingebaut werden?
  3. Welche Produktwerkstoffe sind besonders gut geeignet zum Einbau in Decken mit einer vorgegebenen Widerstandsdauer?
  4. Wo sollte der Feuer- und Rauchverschluss am sinnvollsten eingebaut werden?
  5. Gibt es eine Kennzeichnungspflicht für eingebaute Brandschutzabläufe und Rinnen?

1. Welche baurechtlichen Vorschriften und technischen Regeln sind zu beachten?

Die baurechtlichen Vorgaben für den vorbeugenden Brand­schutz finden sich in den einzelnen Landesbauordnungen (LBO). Danach müssen bauliche Anlagen so beschaffen sein, dass der Entstehung eines Brandes und der Ausbreitung von Feuer und Rauch vorgebeugt wird und bei einem Brand die Rettung von Menschen und Tieren sowie wirksame Lösch­arbeiten möglich sind.

Es gilt dabei besonders zu beachten, dass Rohrleitungen nur dann durch z.B. Decken und Wände, für die eine Feuerwider­standsdauer vorgeschrieben sind, hindurchgeführt werden dürfen, wenn eine Brandausbreitung ausreichend lange nicht zu befürchten ist oder entsprechende Vorkehrungen hiergegen getroffen sind.

Nach den einzelnen Landesbauordnungen werden die verschiedenen Gebäudearten in Gebäudeklassen eingeteilt und die Feuerwiderstandsdauer für die Decken im Gebäude festgelegt.

Da aber das Baurecht nur Anforderungen stellt, aber keinerlei Hinweise auf die Um­setzung dieser Anforderungen in die Praxis gibt, war die Erarbeitung der Muster-Lei­tungsanlagenrichtlinie (MLAR) zwingend erforderlich. Erst durch diese Richtlinie war es möglich, die gesetzlichen Anforderungen nach einem feuer- und rauchdichten Ver­schluss im Bereich von Deckendurchdringungen brandschutztechnisch sicher und fachlich richtig umzusetzen.


Umfassende Brandschutzkonzepte verlangen detaillierte Planung und sorgfältige Produktauswahl. Da die Brandausbreitung entlang der Haustechnik eines der größten Risiken darstellt, verlangen insbesondere die Rohre und Leitungen besondere Aufmerksamkeit. (Bild vergrößern)

Mit Einführung der MLAR als Technische Baubestimmung im Anhang der Landesbau­ordnungen, ist die Grundlage für die zwingende Einhaltung dieser Richtlinie gelegt.

Technische Baubestimmungen sind allgemeingültig verbindlich, da sie nach §3 MBO beachtet werden müssen. Abweichungen hiervon sind nur zulässig, wenn mit einer anderen Lösung die allgemeinen Anforderungen in gleichem Maße erfüllt werden.

Unsicherheiten bezüglich der Gültigkeit verschiedener Normen im Brandschutzbereich bestehen nach wie vor. Für Deutschland gilt sowohl für die Bezeichnung der Baustoff­klassen als auch für die Brandprüfungen die DIN 4102.

Die Europäische Norm DIN EN 13501, Klassifizierung von Bauprodukten und Bauarten zu ihrem Brandverhalten, ist zwar inzwischen in Deutschland auch gültig, wurde aber in den einzelnen Landesbauordnungen noch nicht eingeführt. Die Landesbauordnungen enthalten zurzeit nur die DIN 4102.

Die einzelnen Landesbauordnungen stellen Anforderungen an die beim Bau von Gebäu­den verwendeten Bauprodukte in Bezug auf das Brandverhalten. Diese Anforderungen werden durch die als „bauaufsichtliche Benennung“ bezeichneten Begriffe charakteri­siert:

  • nicht brennbar
  • schwer entflammbar
  • normal entflammbar
  • leicht entflammbar

Die mit A1, A2, B1, B2 und B3 benannten Klassen werden auch als Baustoffklassen bezeichnet und durch Prüfungen nach DIN 4102-1 ermittelt. Eine direkte Zuordnung der europäischen Klassifizierungen nach DIN EN 13501-1 zu den Baustoffklassen nach DIN 4102-1 ist aber nicht möglich - siehe jedoch Tabelle auf der Seite Brandverhalten von Bauprodukten und Bauarten nach DIN EN 13501 und DIN 4102.

2. Wie sollten Brandschutz-Bodenabläufe und Entwässerungsrinnen sicher und fachgerecht in der Decke eingebaut werden?

Auf der Grundlage der baurechtlichen und normativen Bestimmungen ist der Verschluss der Deckendurchdringung von entscheidender Bedeutung, denn ein nicht fachgerecht ausgeführter Deckenverschluss stellt im Brandfall eine potentielle Gefahr in Bezug auf die Brand- und Rauchweiterleitung dar.


Fachgerecht in der Decke vergossene Brandschutz-Bodenabläufe. (Bild vergrößern)

Besonders die Bodenabläufe, aber auch Duschrinnen mit integriertem Ablauf als An­fangspunkte des Rohrleitungssystems, sind kritische Punkte in Decken mit Feuerwider­standsdauer, wenn sie direkt senkrecht durch die Decke hindurchgeführt werden und dann mit der Rohrleitung verbunden sind. Deshalb müssen diese Bauteile mit höchster Sicherheit gewährleisten, dass im Brandfall kein Feuer oder Rauch nach oben in den nächsten Brandabschnitt gelangen können.

Nach dem Einbau der Bodenabläufe in die vorhandene Aussparung ist die komplette Aussparung gemäß der Einbau- und Montageanleitung des Herstellers und ggf. den Angaben in der bauaufsichtlichen Zulassung fachgerecht vollflächig mit Mörtel zu verfüllen.

Wenn die Bodenabläufe aus nicht brennbaren Werkstoffen bestehen, kann die Vermörtelung in der Regel mit normalem, mineralischem Baustoff erfolgen.

Eine weitere Möglichkeit bieten Trockenbausets, wie beispiels­weise das System FitIn von ACO Haustechnik. Besonders bei Kernbohrungen werden solche Ausführungen bevorzugt ver­wendet. Der Einbau kann hier ohne Vermörtelung erfolgen, so dass der Installateur selbst, ohne Fremdleistung, den Boden­ablauf brandschutzgerecht einbauen kann.

Wichtige Voraussetzung für diese Art des Einbaues ist die Bestätigung einer entsprechenden Brandschutzprüfung von einem anerkannten Institut, dass die bauaufsichtlichen Anfor­derungen erfüllt sind.

Es gibt Bereiche, z.B. Eigentumswohnungen, in denen generell keine Leitungen durch die Decke geführt werden dürfen. Hier ist die Verlegung der Rohrleitung innerhalb der Decke bei aus­reichender Unterdeckung unproblematisch.

Wird allerdings die Decke vom Stutzen des Bodenablaufes durchdrungen, müssen je nach Gebäudeklasse besondere Maßnahmen ergriffen werden, um den Durchbruch entspre­chend abzuschotten.

3. Welche Produktwerkstoffe sind besonders gut geeignet zum Einbau in Decken mit einer vorgegebenen Widerstandsdauer?

Brandschutz-Bodenabläufe aus nicht brennbaren Werkstoffen, wie Gusseisen oder Edelstahl, sind sehr gut geeignet zum Einbau in Decken mit Feuerwiderstandsdauer. Bei derartigen Bodenabläufen vermeidet man den Einbau von zusätzlichen Brandlasten in die ansonsten nicht brennbare Decke.


Ein Brandschott, z.B. in Form einer Intumeszenzmasse im Gehäuse oder im Ablaufstutzen eines Bodenablaufes, verschließt im Brandfall schnell und sicher die bestehende Öffnung zur Rohrleitung und zum Raum. (Bild vergrößern)

Beispielsweise sind die Brandschutz-Bodenabläufe von ACO Haustechnik mit aus­tausch- und nachrüstbaren Brandschutzsets ausgestattet. Nennweitenabhängig besteht das Brandschutzset aus einem einteiligen Brandschutz-Geruchverschluss mit integriertem Brandverschluss und angeformter Brandschutz-Kartusche mit Intumes­zenz-Material oder wird als zweiteilige Variante im Brandschutz-Bodenablauf verwen­det. Dadurch ist ein einfaches Austauschen der Brandschutzteile ohne Ausbau des Bodenablaufes möglich. Besonderer Vorteil: Auch nach einem Brand kann der Guss- oder Edelstahlbodenablauf in der Decke verbleiben, da das Gehäuse aus nicht brenn­baren Werkstoffen besteht. Lediglich die Brandschutzeinsätze sind zu erneuern. Das spart nach einem Brand u.U. die teuren Aus- und Einbaukosten des Bodenablaufes.

Schwer entflammbare Werkstoffe haben dagegen den Nachteil, dass sie schon bei Temperatur unter 600° C brennen oder brennend abtropfen.

„Schwer entflammbar“ ist deshalb nicht gleichzusetzen mit „nicht brennbar“. Bei einem Brand stellen sich sehr schnell Deckentemperaturen von bis zu 1000° C ein. Bei sol­chen Brandtemperaturen sind auch schwer entflammbare Werkstoffe vom Brandge­schehen nicht ausgenommen.

Besonders beachten sollte man, ob die ausgewählten Brandschutz-Bodenabläufe z.B. auch für den Einsatz in Decken mit Feuerwiderstandsdauer zugelassen sind. Bauaufsichtliche Zulassungen müssen sorgfältig gelesen werden, damit diese Produkte auch entsprechend den Vorgaben in der Zulassung eingebaut und montiert werden.

Wichtig ist, dass die Brandschutz-Bodenabläufe für den jeweiligen Anwendungsfall geeignet sind. Nach den Bauordnungen der Länder unterscheidet man hier zwischen geregelten und nicht geregelten Bauprodukten.

  • Ein normaler Bodenablauf ist - wenn er der DIN EN 1253 entspricht und geprüft wurde - ein geregeltes Bauprodukt und kann so in eine Decke eingebaut werden. Denn die häufigsten Brandursachen, noch vor Fahrlässigkeit und menschlichem Versagen, sind Einbaufehler, die man nicht erkannt oder beseitigt hat, sowie mangelhafte Schutzvorkehrungen.
  • Ein Brandschutz-Bodenablauf ist dagegen - wenn er Intumeszenzmassen enthält - ein nicht geregeltes Bauprodukt. Das bedeutet, dass der Bodenablauf als sol­cher wohl der DIN EN 1253 entspricht, aber durch die Verwendung von Intu­meszenzmassen erst nachgewiesen werden muss, dass der Bodenablauf auch brandschutztechnisch funktioniert. Dazu ist eine entsprechende Prüfung bei einem anerkannten Prüfinstitut durchzuführen. Bei bestandener Prüfung wird ein Prüfzeugnis ausgestellt, mit dem beim Deutschen Institut für Bautechnik in Berlin eine bauaufsichtliche Zulassung beantragt werden kann. Erst dann ist dieser Brandschutz-Bodenablauf für den Einbau in Decken mit der entsprechenden Feuerwiderstandsdauer zugelassen.

4. Wo sollte der Feuer- und Rauchverschluss am sinnvollsten eingebaut werden?

Bei der Planung von Brandschutzmaßnahmen stellt sich immer wieder die Frage, wo das Brandschott am besten eingebaut werden sollte.

Empfehlenswert ist der Einbau im Deckenbereich, also an der Stelle, wo das Brand­schott im Brandfall die Decke verschließen soll. Ein Brandschott, z.B. in Form einer Intumeszenzmasse im Gehäuse oder im Ablaufstutzen eines Bodenablaufes, verschließt im Brandfall schnell und sicher die bestehende Öffnung zur Rohrleitung und zum Raum.

In Verbindung mit einem nicht brennbaren Gehäusewerkstoff bietet sich hier die ideale Kombination. Es werden keine zusätzlichen Brandlasten in die Decke eingebaut und damit ist die Brandgefahr sehr stark gemindert.

5. Gibt es eine Kennzeichnungspflicht für eingebaute Brandschutzabläufe und Rinnen?

Nach Abschluss der Arbeiten ist die Kennzeichnung der Brandschutz-Bodenabläufe besonders wichtig. Die Hersteller müssen ihre Produkte mit entsprechenden Hinweis­schildern liefern, die im Deckenunterbereich anzubringen sind:

Die Vorgaben hierfür macht das Deutsche Institut für Bautechnik in Berlin. Dadurch wird sichergestellt, dass die nachfolgenden Gewerke wissen, dass in diesem Bereich ein Brandschutz-Bodenablauf eingebaut ist und keine Veränderungen an der Decke vorgenommen werden dürfen, da sonst u.U. kein sicherer Brandverschluss mehr gewährleistet ist.

Weitere Informationen zu Brandschutzabläufen und -rinnen können per E-Mail an ACO angefordert werden.

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