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Verbundprojekt „Unerhörte Hotels“ arbeitet an guter Hotelakustik


  

(5.11.2018) Ob Geschäftsreisender oder Tourist, fast alle versprechen sich von einem Hotelaufenthalt Wohlbefinden und Entspannung, Komfort und manchmal auch Luxus. Neben Sauberkeit und Hygiene steht das „ruhige Zimmer“ weit oben auf der Wunschliste. „Hellhörigkeit“ ist allerdings ein häufiger Anlass für Beschwerden. Der Bedarf an akustischer Hotelqualität ist also unverkennbar. Vor diesem Hintergrund hat das Fraun­ho­fer-Institut für Bauphysik (IBP) zusammen mit Partnerunternehmen die Initiative „Unerhörte Hotels“ ins Leben gerufen. Der fachübergreifende Verbund zielt auf maßgeschneiderte und zugleich wirtschaftliche Lösungen für eine ganzheitliche akustische Hotelqualität ab. Denn gute Hotelakustik ist mehr als Ruhe. Sie reicht ...

  • von der Privatsphäre im Zimmer
  • über die Diskretion an der Rezeption
  • bis zur Sprachverständlichkeit in der Lobby und im Tagungsraum und
  • darüber hinaus bis zur raumakustischen Atmosphäre in Restaurants,

Wie kann die Hotellerie diese Ansprüche ihrer Gäste in der Realität nachkommen? Es gibt zwar einige Qualitätsanforderungen wie die hierzulande etablierte Schallschutznorm oder die Klassifizierungs- und Zertifizierungssysteme, bislang fehlen jedoch hinreichende wissenschaftliche Untersuchungen zur Akustik von Hotels und Restaurants.

Um die Grundlagen für eine umfassende Gestaltung der akustischen Qualität in Hotels zu identifizieren, hat das Fraunhofer IBP sowohl Gästebefragungen als auch Messungen durchgeführt, internationale Forschungsergebnisse auswertet und den Austausch der an Planung und Gestaltung Beteiligten gefördert. „Die Liste organisatorischer, technischer und baulicher Maßnahmen mit positiven akustischen Resultaten ist lang. Letztlich stehen jedoch nicht nur die Wirkung von Einzelmaßnahmen im Vordergrund, sondern die Wechsel- und vor allem die Gesamtwirkung“, erklärt Prof. Philip Leistner, Leiter des Fraunhofer IBP sowie Direktor des Instituts für Akustik und Bauphysik an der Universität Stuttgart.

Die Ergebnisse der Befragung sind eindeutig:

  • Von außen eindringender (Verkehrs-)Lärm bei geschlossenen Fenstern ist für Hotelgäste der größte akustische Störfaktor. Ein wirksamer Lärmschutz von Außenbauteilen steht deshalb an erster Stelle. Dabei erweisen sich häufig Fenster und ihre Zusatzeinrichtungen als Schwachstelle - und zwar sowohl die Auswahl als auch der Einbau.
  • Die hörbaren Schallquellen im Inneren der Hotelgebäude bieten aber aus Sicht der Gäste ebenfalls Potenzial für Verbesserungen. Wer kennt das nicht: Gespräche und Geräusche auf dem Flur dringen ins Zimmer, Zimmer- und Brandschutztüren fallen donnernd ins Schloss. Technische Gegenmittel gibt es zwar, aber sie werden oft falsch eingebaut, dem Kostendruck geopfert oder mitunter auch einfach vergessen.
  • Im Bad ist nicht nur Design und Hygiene gefragt, um beste Voraussetzungen für Entspannung zu garantieren. Das Brummen des gefühlt ewig nachlaufenden Lüfters ist als akustische Störquelle ein „Klassiker“. Dabei ist eine Komfort-Lüftung mit energieeffizienten Ventilatoren auch geräuschlos möglich - dann wiederum kann aber gelegentlich Aufklärung nötig sein, dass Ruhe nicht etwa Fehlfunktion bedeutet.
  • Ähnlich stellt sich die Situation bei Wasser- und Sanitärgeräuschen dar. Die nach Norm gemessenen Schallpegel im Nachbarzimmer sind zwar gering. Die Norm blendet allerdings die Geräuschspitzen aus, obwohl gerade sie zu Aufwachreaktionen führen können. In jedem Fall sind schalltechnisch geprüfte Geräte und Installationen ein Schritt in die ruhige Richtung.
  • Auch die Entscheidung über den Bodenbelag in Hotels erfolgt nach vielen Kriterien. Dabei stehen Teppiche für eine Reihe von akustischen Vorteilen. Sie mindern spürbar Trittschall, Geh- und Rollgeräusche, und sie verringern die Halligkeit in Fluren und offenen Hotelbereichen.

So ließe sich die Liste der nützlichen Details fortführen, die vom Fraunhofer IBP zu einem Wissens- und Gestaltungsfundus für die Unerhörten Hotels zusammengetragen wurden. Auf deren Basis lassen sich auch die jeweiligen Kenngrößen und -werte je nach Art und Nutzung konkret formulieren. Umgesetzt in die Praxis wird nicht nur das »Hotel Schlaflos« vermieden, sondern eine akustische Qualität erreicht, in die zufriedene Gäste gern wiederkehren.

siehe auch für zusätzliche Informationen:

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