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Pflasterklinker in gebundener Bauweise als Dachdeckung für monolithisches Gebäudeensemble

(25.9.2020) Dass der Neubaukomplex mit Pfarrzentrum und Kindertagesstätte St. Konrad in Neuss (siehe Google-Maps) etwas ganz Besonderes ist, das haben Architekt Paul Böhm und sein Auftraggeber, die Katholische Kirchengemeinde St. Konrad, inzwischen ganz offiziell bestätigt bekommen: Das Land Nordrhein-Westfalen (NRW) und die Architektenkammer NRW zeichneten das Projekt mit dem Kita-Preis 2020 aus.

Foto © Ingo Jensen / Tubag 

In Neus haben Bauherr, Architekt, die ausführenden Handwerker und die beteiligten Partner aus der Industrie eine Besonderheit geschaffen. So wurde auf dem Dach das Konzept der gebundenen Systembauweise aus dem Garten- und Landschaftsbau angewandt: Statt üblicher Dachziegel wurden klassische Klinkersteine als so genannte Sparverblender (im halben Steinformat) im Mörtelbett verlegt. Die insgesamt sieben Gebäude wirken dadurch wie monolithische Baukörper - zumal es auch keine sichtbaren Dachrinnen gibt, und an der Fassade derselbe Klinker wie auf dem Dach verwendet wurde. Beides in Anlehnung an die Kirche St. Konrad, die vor über 70 Jahren von Gottfried Böhm, dem Vater von Paul Böhm, erbaut wurde.

Ein Dorf im Dorf

„Unser Ziel war es, direkt neben der Kirche ein kleines Dorf im Dorf entstehen zu lassen. Denn das Ensemble ist ja eingebettet in eine Einfamilienhaussiedlung. Die neuen Gebäude sollten sich nicht von der städtebaulichen Körnung her von der umliegenden Bebauung abheben und dennoch der Kirche zugehörig sein. Es sollte sichtbar werden, dass Kirche und Dorf nicht aus der gleichen Zeit stammen und trotzdem eine gewachsene Einheit ergeben“, erklärt Paul Böhm. Mit dieser Idee hatte sich der Architekt aus Köln bereits 2012 in einem Architektenwettbewerb durchgesetzt.

Foto © Christian Stoltze / Tubag 

Für die besondere architektonische Gestaltung mit Dach-und-Wand-Einheit standen Bauwerke Pate, die in ähnlicher Konstruktion bereits realisiert wurden, wie zum Beispiel der Speicherturm des Landesarchivs NRW in Duisburg. „Den haben wir uns gemeinsam angeschaut und diese harmonische Optik konnten wir uns durchaus auch für unser neues Kita- und Pfarrzentrum vorstellen“, erklärt stellvertretend für die Bauherrenseite Norbert Reuber, der geschäftsführende Vorsitzende des Kirchenvorstandes der katholischen Pfarrgemeinde St. Konrad - siehe auch Beitrag „Balthasar-Neumann-Preis 2014 geht an das Landesarchiv NRW und 5 weitere Projekte“ vom 6.7.2014.

Keine Fertigteile

Es gab verschiedene Gedankenansätze, um den monolithischen Gestaltungswunsch der Architekten und die Anforderung einer innenliegenden Entwässerung in die Praxis umzusetzen: „Ursprünglich hatten wir Betonfertigteile im Sinn, bei denen die Klinker bereits werksseitig eingegossen sind. Alternativ war auch eine Lösung mit Pflasterklinker aus dem Gala-Bau infrage gekommen, die erste Variante war bei genauerer Betrachtung zu teuer. Am Schluss wurden die Dachflächen wie Platzflächen gesehen, vergleichbar mit dem Aufbau einer Tiefgarage“, erklärt Paul Böhm. Genauso wurde es dann auch umgesetzt: Mit ...

  • herkömmlicher Stahlbetonplatte,
  • EPS-Dämmung,
  • Bitumenabdichtung und eben mit
  • Pflaster-Klinkern, die auf einer hochbelastbaren Drainagematte in Systembauweise im Mörtelbett verlegt wurden.

Foto © : Christian Stoltze / Tubag 

Besondere Projekte benötigen besonders engagierte Partner. Diese fand das Architekturbüro Böhm in den Verarbeitern André Hamacher (Dachdecker), Jerzy Wagner und Michael Korczynski (Klinkerer Dach) sowie den Projektverantwortlichen von Wienerberger (Tonbaustoffe für die gesamte Gebäudehülle), Tubag (Bettungs- und Fugenmörtel sowie Haftschlämme), Gutjahr (Drainagematte) und Jordahl (Befestigungstechnik).

Rezepturen angepasst

Speziell für das Neubauprojekt St. Konrad in Neuss änderte Wienerberger den Farbton des Klinkers KKF ½-DF im Werk Bramsche-Pente von rot auf „leicht bunt“, um ihn genau an die Farbe des Fassadenklinkers anzupassen. Und bei Tubag in Kruft wurde die Rezeptur der Trass-Fugenmörtel TKF (Fassade) und TWM-s (für Lagerfugen, Gratfugen und Stoßfugen) auf die Fugenfarbe der benachbarten Kirche eingestellt.

„Für uns ist es natürlich toll, dass unser im Garten- und Landschaftsbau bewährtes System aus dem wasserdurchlässigen Trass-Drainagemörtel und Trass-Naturstein-Haftschlämme gemeinsam mit den Komponenten aus unserem Restaurationssortiment, wie dem Trass-Werksteinmörtel Spezial und den diversen Fugenmörteln, auch im Hochbau ein absolut stimmiges System abgegeben haben“, erklärt Christian Stoltze, der verantwortliche Projektleiter bei Tubag. Die Verlegung in Systembauweise und der Einsatz der Trass-Naturstein-Haftschlämme lassen einen besonders starken Haftverbund erwarten, der die Dachfläche auch bei starken Umwelt- und Witterungseinflüssen zuverlässig schützt. Der hohe Trassanteil der Tubag-Fugenmörtel schützt zudem nachhaltig vor Kalkausblühungen und hält sowohl die Wand- also auch die Dachflächen lange schön.


Foto © Christian Goldmann / Gutjahr

Zweite Entwässerungsebene

Als zweite Entwässerungsebene wurde die Drainagematte AquaDrain HU-EK von Gutjahr verbaut, eine 16 mm hohe, hochbelastbare kapillarpassive Flächendrainage - siehe auch Beitrag „Drainmatte verspricht sichere Verlegung von Naturstein auf ungebundenen Untergründen“ vom 9.5.2015. In Kombination mit dem Trass-Drainagemörtel wurde so ein bewährtes wasserdurchlässiges System aus dem Garten- und Landschaftsbau quasi zweckentfremdet. Als Dehnfugen fungieren jeweils die 14 Meter langen Gratfugen. Um die Sparverblender bei einer Dachneigung von 45° im Mörtelbett verlegen zu können, wurden auf den Dächern Konsolen von Jordahl montiert.

siehe auch für zusätzliche Informationen:

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