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Kalksandsteinindustrie nimmt Kurs Richtung Klimaneutralität

(7.11.2021) Mit dem „Green Deal“ und dem „Circular Economy Action Plan“ hat die Europäische Union die Weichen in eine „grüne“ Zukunft gestellt. Die Bauwirtschaft und mit ihr die Kalksandstein-(KS-)Industrie stehen dabei in einem besonderen Spannungsverhältnis:

  • Einerseits werden bei der Herstellung von Baustoffen CO₂-Emissionen verursacht.
  • Andererseits sind die ambitionierten Klimaziele ohne die Bauwirtschaft nicht erreichbar.

Die KS-Industrie betont, dass sie sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sei und daher fortlaufend daran arbeiten würde, ihren Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten:

  • Der schrittweise Umstieg auf regenerative Energien in der Produktion,
  • der verstärkte Einsatz von Recyclingmaterialien sowie
  • die fortlaufende Reduzierung des CO₂-Ausstoßes

...  zeigten, dass Klimaschutz für die Branche kein Lippenbekenntnis sei. So bescheinige z.B. eine Umwelt-Produktdeklaration (EPD) den Kalksandstein-Produkten einen geringen CO₂-Fußabdruck. Immerhin habe man den CO₂-Ausstoß seit 1990 bereits um 40% verringert. Und in den nächsten Jahren will die Kalksandstein-Industrie ihre Anstrengungen in Bezug auf den Klimaschutz weiter erhöhen.

Fahrplan bis 2045


  

Im Herbst 2020 hat die KS-Industrie einen Prozess gestartet, der einen detaillierten Fahrplan in die Klimaneutralität bis zum Jahr 2045 zum Ziel hat. Dazu hat ein Expertenkreis der KS-Industrie mit wissenschaftlicher Unterstützung der FutureCamp Climate GmbH den gesamten Lebenszyklus von Kalksandsteinprodukten detailliert analysiert und daraus Szenarien, Maßnahmen und Handlungsempfehlungen zur CO₂-Einsparung abgeleitet. Die „Roadmap treibhausgasneutrale Kalksandsteinindustrie 2045“ soll Ende 2021 erscheinen.

Die Erreichung der Klimaziele ist für die KS-Industrie mit tiefgreifenden Veränderungen verbunden. Zentrale Prozesse in den Werken hängen derzeit noch an fossilen Energieträgern. Der Um­stieg auf erneuerbare Energien und grünen Wasserstoff erfordert neue Anlagentechnik und ist mit erheblichen Investitionen verbunden. Diese Belastung muss in Zeiten ohnehin steigenden Kostendrucks zusätzlich getragen werden. Die Aufgabe des Bundesverbands ist dabei, alle Unternehmen bei der anstehenden Transformation zu unterstützen. Die Forschungsvereinigung Kalk-Sand e.V., welche für die Grundlagenforschung der gesamten Industrie verantwortlich ist, und der Technische Ausschuss des Verbandes stehen allen Mitgliedern dabei jederzeit mit praktischen Informationen und Handlungsempfehlungen zur Seite. Vor allem sollen in den nächsten Jahren die in der Kalksandstein-Roadmap aufgezeigten Technologieentwicklungspfade fortlaufend durch praxisnahe Forschungsprojekte begleitet werden. Die Ergebnisse stehen dann allen Kalksandsteinunternehmen zur Umsetzung zur Verfügung.

Abhängigkeiten

Allerdings liegt die Erreichung der Klimaneutralität der KS-Industrie nicht allein in ihrer Hand. Ein Großteil des den Produkten zugerechneten Treibhausgasausstoßes wird von vorgelagerten Partnern in der Wertschöpfungskette verursacht. Nur rund 20% der CO₂-Emissionen sollen in eigenen Produktionsprozessen und eigenen Lieferketten entstehen. Der restliche Anteil entsteht bei der Produktion des Bindemittels Kalk, welches für die Herstellung von Kalksandstein essentiell ist. In den letzten Jahren sei es aber durch Produktionsoptimierungen gelungen, den Kalkanteil kontinuierlich zu senken. Parallel dazu erforsche die KS-Industrie fortlaufend neue Rezepturen mit CO₂-ärmeren Kalken und den Einsatz alternativer Bindemitteln.

Trotz aller bisherigen Anstrengungen bleibe die Transformation, die die KS- Branche in den nächsten 24 Jahren zu bewältigen habe, gewaltig. Damit sie gelingen könne, müsse auch die Politik ihren Beitrag leisten: Zentrale Aufgaben seien ...

  • der Ausbau der erneuerbaren Energien sowie
  • der Aufbau einer ausreichend großen Wasserstoffinfrastruktur.

Damit die Ressourcenwende die Wettbewerbsfähigkeit der Kalksandsteinindustrie nicht grundlegend gefährde, bräuchten die Unternehmen zudem passende Förderprogramme, die sie bei den anstehenden, erheblichen Investitionen in die Klimaneutralität unterstützten. Die Erreichung der Klimaziele könne nur ökologisch, ökonomisch und sozial ausgewogen umgesetzt werden. Dazu müsse ein konstruktiver Austausch zwischen der Politik, der gesamten Bau- und Baustoffbranche sowie den Verbrauchern fortlaufend intensiviert werden.

Auch wenn die Erreichung der Klimaziele die wichtigste und größte Zukunftsherausforderung ist, dürfen andere wichtige Aufgaben, wie die dringend notwendige Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, nicht vernachlässigt werden. Trotz aller Anstrengungen in den letzten Jahren fehlen nach Berechnungen des Deutschen Mieterbundes bundesweit aktuell rund 630.000 bezahlbare Wohnungen. Die KS-Industrie erinnert daran, dass Kalksandstein mit einem Anteil von 38% Marktführer im mehrgeschossigen Wohnungsbau ist. In innovativen Ansätzen wie dem modularen, seriellen oder zukünftig auch robotergestützten Bauen sehen die KS-Protagonisten eine Chance, die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage perspektivisch zu schließen.

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