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Architektenforum der AKNW auf der Fachmesse DACH + WAND

(19.2.2006) Der Titel der Messe war - aus Sicht der Architekten - eigentlich ein Anachronismus: "Dach und Wand" sind in ihren klassischen Funktionen zwar weiterhin bestimmend für ein Gebäude, können aber heute vielfach gar nicht mehr im klassischen Sinne unterschieden und eindeutig definiert werden. So könnte man - etwas überspitzt - das Ergebnis des Architektenforums "Dach und Wand - Richtige Gestaltung" am 16. Februar auf der DACH+WAND in der Kölnmesse zusammenfassen.

Über 300 Architektinnen und Architekten folgten den Ausführungen der drei Referenten, die mit ganz unterschiedlichen Perspektiven auf das Thema vor allem eines deutlich machten: Der Wand kommen in der modernen Architektur eine Vielzahl neuer Aufgaben und Funktionen zu, die angesichts der technischen Entwicklung weiter wachsen werden.

Hartmut Miksch, der Präsident der Architektenkammer NRW, eröffnete das Architektenforum der AKNW: "Dach und Wand bilden die Hülle eines jeden Gebäudes und stellen damit die zentralen Ansatzpunkte dar, wenn es darum geht, Bauwerke energetisch zu optimieren und im Sinne einer nachhaltigen Gebäudebewirtschaftung zukunftsfähig auszurichten." Hartmut Miksch, der Präsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, gab in seinem Begrüßungsstatement den Schwerpunkt des Architektenforums klar vor. Miksch betonte zugleich, dass die rasante technische Entwicklung, die immer neue Fassaden- und Dachkonstruktionen ermöglicht, nicht die Frage der gestalterischen Qualität von Architektur in den Hintergrund treten lassen dürfe.

Kontinuierlicher Wandel

In einer tour d’horizont rief zunächst Prof. Frank Werner von der Bergischen Universität Wuppertal die historische Entwicklung der Funktionselemente Dach und Wand in Erinnerung. Er betonte, dass spätestens im ausgehenden Mittelalter Wandkonstruktionen zu einem bevorzugten Experimentierfeld von Architekten und Bauingenieuren wurden. Die Trennung der statisch wirksamen Konstruktion von der den Innenraum prägenden Wand- bzw. Deckengestaltung komme im barocken Kirchenbau und auch im Wohnungsbau des 18. und 19. Jahrhunderts mit seinen vorgestellten Schmuckfassaden bereits deutlich zum Ausdruck. Eine Entwicklung, die durch die Stahlskelettbauweise des frühen 20. Jahrhunderts ihre logische, technisch ermöglichte Fortschreibung erfahren habe. Die Auflösung der Wand durch den Einsatz von verglasten Fronten und die heutige computergestützte Entwurfsarbeit habe die frühere, konstruktiv bedingte Trennung von Dach und Wand - zumindest in einigen experimentellen Bauwerken - heute hinfällig gemacht.

Innovationsmotor Glas

Mit dem Baumaterial Glas beschäftige sich intensiv Stefanie Reuss, Projektleiterin Klimaengineering bei Transsolar in Stuttgart. "Immer mehr Funktionen, die früher aufwändig auf verschiedene Bauteile verteilt werden mussten, übernimmt heute das Glas als Fassadenelement", konstatierte die Physikerin. Anhand zahlreicher Projektarbeiten stellte Reuss die neusten Möglichkeiten der Glas-Fassadenkonstruktion vor. Transparente Bauwerke wie die Akademie der Künste in Berlin seien erst möglich geworden durch technische Innovationen, die das Problem der Sonneneinstrahlung beherrschbar machten. So seien bei der Akademie der Künste Glasscheiben verbaut worden, die mit hauchdünnen Metallpartikeln bedampft worden waren. Diese ließen das Licht passieren, reflektierten zugleich aber die Wärmeeinstrahlung. Auch der Einbau empfindlicher, steuerbarer Lamellensysteme in Glaselemente, etwa beim Bau der Gelsenwasser-Zentrale in Gelsenkirchen, sei eine Möglichkeit, die Sonneneinstrahlung in eine Gebäude jahreszeitlich angepasst zu regulieren. Neben der Steuerung des Lichteinfalls, dem Schallschutz und der Modifizierung der Raumakustik sei vor allem die intelligente Belüftung eines Gebäudes eine zentrale Aufgabe moderner Glasfassaden, so Reuss. "Die Konstruktion einer ‚Wand’ ist heute ein hochkomplexer Vorgang, der für jedes größere Projekt neu konzipiert werden muss."

Potenzial industrieller Produkte

Einen anschaulichen Beleg für diese These lieferte Ludwig Wappner vom Münchner Architekturbüro Allmann Sattler Wappner. Anhand einer Vielzahl älterer und neuer Projektarbeiten zeigte Wappner auf, dass die Qualität der Architektur, der Gestaltung von Dächern und Wänden, nicht vom gewählten Baumaterial abhänge, sondern vom Gesamtkonzept des Entwurfs. "Ein Projekt muss streng an seiner Aufgabe ausgerichtet werden - und an den Möglichkeiten des Auftraggebers", fasste der Architekt die Philosophie seines Büros zusammen. In der Tat lassen Allmann Sattler Wappner in ihrem Werk keine Vorliebe für bestimmte Baustoffe erkennen: Von der Holz-Glas-Konstruktion der Herz Jesu Kirche in München über die Edelstahlfassade der Zentrale von Südwestmetall in Reutlingen bis hin zur kleinen, kostenreduzierten Modellbauwerkstatt in Wolfratshausen mit ihrer Scobalitfassade sind dem Münchner Büro Bauten gelungen, die nicht nur durch ihre Architektursprache und ihr Innovationspotenzial die Fachwelt aufhorchen ließen, sondern auch die Bauherren nachhaltig zufrieden stellten.

Qualität nur im Zusammenspiel von Architektur und Handwerk

Passend zum Messeumfeld wiesen alle Referenten darauf hin, dass Qualität dann realisiert werden könne, wenn der Entwurf und die Detailplanung der Architekten von fachkompetenten Handwerkern umgesetzt werde. "Ideal für Bauherren ist das Zusammentreffen von guter Planung und fachgerechter Ausführung", brachte Manfred Schröder, Ehrenpräsident des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks, diese Anforderung auf den Punkt.

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