Landesregierung BW beschließt bundesweit ersten Entwurf für ein Wärmegesetz
(13.7.2007) "Die vorhandenen Möglichkeiten zur Nutzung erneuerbarer Energien in Wohngebäuden werden nur sehr unzureichend ausgeschöpft. Dabei gibt es eine große Auswahl marktgängiger, technisch ausgereifter Anlagen. Über den Weg der gesetzlichen Verpflichtung wollen wir das, was in diesem Bereich heute bereits möglich und sinnvoll ist, zum Standard machen. Baden-Württemberg nimmt mit diesem Gesetzentwurf beim Klimaschutz eine bundesweite Vorreiterrolle ein und leistet einen wichtigen Beitrag, den Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases Kohlendioxid dauerhaft zu vermindern", erklärten Ministerpräsident Günther H. Oettinger und Umweltministerin Tanja Gönner am 10. Juli 2007 in Stuttgart.
Die Landesregierung hat als bundesweit erstes Land den Entwurf eines Wärmegesetzes beschlossen und zur Anhörung freigegeben. Bei der Heizung und Warmwasserbereitung in Wohngebäuden soll damit künftig die Nutzung erneuerbarer Energien zum Standard werden. Bei Neubauten soll bereits ab dem kommenden Jahr ein Fünftel des Wärmebedarfs durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Für den Wohnungsbestand sollen gesetzliche Regelungen erst nach einer Vorlaufzeit von über zwei Jahren in Kraft treten und nur unter bestimmten Voraussetzungen greifen.
Alternative bei steigenden Energiepreisen
Etwa
ein Drittel der rund 74 Millionen Tonnen jährlicher Kohlendioxidemissionen im Land gingen auf das Konto von Wohngebäuden, sagten Ministerpräsident Oettinger
und Umweltministerin Gönner. Zahlreiche Techniken wie beispielsweise Solarthermie, Biomasse aus Holzpellets und Holz, Geothermie, aber auch Biogas
und Bioöl seien ausgereift, in der Praxis erprobt und stellten auch unter
wirtschaftlichen Gesichtspunkten bei steigenden Energiepreisen eine Alternative
zur Versorgung mit fossilen Brennstoffen wie Erdgas, Öl oder Kohle dar. "Während
im Bereich der Stromerzeugung die erneuerbaren Energien in den vergangenen
Jahren eine steile Entwicklung genommen haben, steht der Wärmebereich erst am
Beginn, seine Potenziale zu erschließen. Mit unserer Initiative wollen wir in
diesem Bereich zusätzliche Impulse schaffen", unterstrich der Ministerpräsident.
Anteil erneuerbarer Energien von 10 Prozent bei Altbestand
Für bestehende Wohngebäude greife nach einer über zweijährigen Übergangsfrist die gesetzliche Regelung erst bei einer notwendig werdenden Erneuerung der Heizungsanlage, hob Umweltministerin Gönner hervor. Der vorgeschriebene Anteil erneuerbarer Energien solle dabei auf zehn Prozent festgeschrieben werden. An Stelle der Nutzung erneuerbarer Energien werde dem Eigentümer die Möglichkeit eingeräumt, ersatzweise alternative bauliche Maßnahmen durchzuführen, die in vergleichbarer Größenordnung zur Verringerung des Wärmebedarfs und damit zur Minderung des Kohlendioxidausstoßes beitragen. Dafür komme beispielsweise eine entsprechend über den heutigen Vorgaben liegende Wärmedämmung in Betracht.
Erfüllt werden könne die Verpflichtung außerdem über den Einsatz von Biogas oder Bioheizöl. Bestehende Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien würden anerkannt. "Ist der Einsatz erneuerbarer Energien aus technischen Gründen nicht möglich, soll der Hauseigentümer von der Verpflichtung befreit werden. Eine Befreiung ist auch möglich, wenn ein unverhältnismäßig hoher Aufwand oder eine sonstige Härte entstünde. Wir verfolgen im Bereich erneuerbarer Energien ehrgeizige Ziele, aber mit Augenmaß", unterstrichen Oettinger und Gönner.
Schub bei der technischen Weiterentwicklung
Nur etwa fünf Prozent des gesamten Primärenergieverbrauchs würden landes- wie auch bundesweit derzeit über erneuerbare Energien gedeckt. "In der Wärmeversorgung besteht auch gegenüber der Stromerzeugung ein erheblicher Nachholbedarf. Diese Lücke wollen wir im Interesse des Klimaschutzes und der Ressourcenschonung, aber auch mit Blick auf die immer weiter steigenden Energiekosten für Wohnungseigentümer und Mieter, schließen", unterstrichen Ministerpräsident Oettinger und Umweltministerin Gönner. "Außerdem werden die Kosten für eine Anlage durch die steigende Nachfrage und höhere Stückzahlen mittelfristig weiter sinken. Gleichzeitig bekommen wir einen Schub bei der technischen Weiterentwicklung." Moderne Umwelttechniken seien eine der viel versprechendsten Zukunftsbranchen. Über 100.000 Menschen im Land seien bereits in Umweltschutz und Umwelttechnik beschäftigt.
siehe auch für weitere Informationen:
- Staatsministerium Baden-Württemberg
- Fördermittel von Energieversorgern und der öffentlichen Hand
- Energie sparen - Ratgeber für Energieverbrauch, Heizkosten, Pumpen, Modernisierung, Strom sparen, Kühlschrank-Check
- Energiepaß aktuell und EnEV
jüngere Beiträge, die auf diesen verweisen:
- Altbausanierung: Wecksignale für Dornröschenschlaf (14.4.2009)
- Der Deutsche Solarindustriepreis 2008 geht an Tanja Gönner und Ulrich Kelber (24.11.2008)
- HKI gegen Bevormundung im Rahmen des EEWärmeG: Gesetz zur Förderung Erneuerbarer Energien im Wärmebereich, HKI Industrieverband Haus- Heiz- und Küchentechnik e.V (10.2.2008)
- EEWärmeG: Neues Wärmegesetz schafft Richtlinien für Häuslebauer (16.12.2007)
- Förderbestimmungen auf Erneuerbare-Wärme-Gesetz abstimmen! Heizanlagen, Heizungsanlagen, Erneuerbare-Energien-Wärme-Gesetz, EEWärmeG, Wärme-EEG, Förderung, Fördermittel, Verbraucherzentrale (11.11.2007)
- weitere Details...
ausgewählte weitere Meldungen:
- Pflicht ab 2009: Wärme aus Erneuerbaren Energien (8.6.2008)
- Neues Passivhaus Projektierungspaket 2007 (2.7.2007)
- BASF stellt vor: Vom 3-Liter-Haus zum Null-Heizkosten-Haus (2.7.2007)
- Bundesregierung ebnet den Weg zur Einführung von Energieausweisen (1.7.2007)
- ForschungsVerbund Sonnenenergie: Erneuerbare Energien im Vergleich (1.7.2007)
- Neues Wohnungseigentumsgesetz erleichtert energetische Sanierung von Eigentumswohnungsanlagen (23.6.2007)
- ZIV: Altbestand bei Zentralheizungen immer noch zu hoch (23.6.2007)
- Preise für Holzpellets sinken wieder auf Vorjahresniveau (13.6.2007)
- Neues Jahrbuch Energieeffizienz in Gebäude (28.5.2007)
- "Großteil der nötigen CO2-Einsparungen bereits mit heutiger Technik möglich" (20.5.2007)
- Wärme aus Erneuerbaren Energien: Neues Infopaket für Hauseigentümer (2.5.2007)
- KfW-Programm "Erneuerbare Energien" wieder geöffnet (22.4.2007)
- Forschungsstrategie für Energiegewinnung aus Biomasse (15.2.2007)
- Förderung Erneuerbarer Energien - neue Regeln ab Mitte Januar 2007 (10.1.2007)
- Ist energieeffizientes Bauen für Bauherren und Planer zu kompliziert? (24.9.2006)
siehe zudem:
- thermische Solaranlagen, Pelletsheizung, Wärmepumpen, PV-Anlagen, WDV-Systeme und Wärmedämmung auf Baulinks
- Literatur / Bücher zu den Themen Heizung, Solartechnik, erneuerbare Energien, Wärmedämmung und Niedrigenergiehaus bei Baubuch / Amazon.de