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„Virtuelles Wasser“: 185 Liter Wasser stecken in einer Tüte Chips

(17.8.2008; überarbietet am 23.3.2009) „Wassermangel ist eines der drängenden Probleme unserer Zeit und nicht nur eine Frage des reinen Vorhandenseins der Ressource, sondern auch des Zugangs und der Nutzung. Wir brauchen ein weltweites, international koordiniertes Wassermanagement. ... Generell gilt: Wasserverbrauch ist nichts schlechtes, sondern ein ganz natürlicher Vorgang. Wenn jedoch während einer Dürre noch Wasser abgezweigt und verschwendet wird und dann die Fischer stromabwärts ihre Lebensgrundlage verlieren, ist das nicht in Ordnung. Es kommt also drauf an, wann, wo und wie viel Wasser aus der Natur entnommen wird,“ erinnerte WWF-Experte Martin Geiger bereits im Vorfeld der Stockholmer Weltwasserwoche 2008. Doch das ist gar nicht so einfach festzustellen!

„Virtuelles Wasser“ erhöht Pro-Kopf-Verbrauch maßgeblich


Unsichtbare Wasserlast in Lebensmitteln und Industriegütern
(Bild vergrößern)
 

Der Wasser-Fußabdruck eines jeden Menschen setzt sich nicht nur aus der Dusche am Morgen, Wäsche waschen und dem Toilettengang zusammen. Hinter jedem Produkt des all­täg­lichen Lebens verstecken sich wahre Wasserfluten - und die kommen nicht aus wohnortnahen Quellen, sondern je nach Herkunft gar aus Regionen, die dramatisch unter Wasser­knapp­heit und Dürre leiden. Um diesen Verbrauch greifbar machen zu können, wurde der Begriff „Virtuelles Wasser“ eingeführt. Er fasst die Menge an sauberem Wasser zusammen, die zur Herstellung eines Produkts verbraucht, verdunstet oder verschmutzt wird.

Das Konzept des „virtuellen Wassers“ geht zurück auf den britischen Wissenschaftler John Anthony Allan, der erstmals Anfang der 1990er Jahre in die Wasserbilanz von Produkten sämtliche Mengen einbezog, die zu ihrer Herstellung und Weiterverarbeitung erforderlich waren. Demnach konsumieren ...

  • ein US-Amerikaner durchschnittlich etwa 6.000 Liter virtuelles Wasser pro Tag,
  • jeder einzelne Europäer rund 4.000 und
  • die Bewohner vieler afrikanischen Staaten jeweils weit weniger als 1.000 Liter.

„Die Deutschen haben beim direkten Pro-Kopf-Verbrauch einen sehr guten Durchschnittswert. Zählt man jedoch das Virtuelle Wasser hinzu, schnellt der Fußabdruck eines jeden Bürgers dramatisch nach oben“, mahnt Martin Geiger. „Wir haben die Verantwortung, bei dem Import von Produkten auf deren Wasserverbrauch bei der Herstellung zu achten.“

Wasserlast eines Frühstückseis entspricht einer Badewannenbefüllung

Der Wasserverbrauch bei der Herstellung von Lebensmitteln und Industriegütern ist oft mehr, als zunächst allgemein vermutet wird: Wer hätte gedacht, dass hinter einem normalen Frühstücksei 135 Liter Wasser stecken? Das entspricht in etwa dem Fassungsvermögen einer Badewanne. Wer sein Ei mit einer Scheibe Brot genießen will, muss noch einmal 40 Liter hinzu addieren. Die Tasse Kaffee schlägt mit 140 Litern zu Buche, für die 10g-Scheibe Käse werden noch einmal 50 Liter berechnet. Und so stecken in einem kleinen Frühstück schon 365 Liter virtuelles Wasser. Das ist aber noch wenig im Vergleich zu den 2.400 Litern, die für einen Hamburger aus Rindfleisch benötigt werden. Die Produktion von einem Liter Milch oder einem Kilo Weizen soll sogar bis zu 4.000 Liter benötigen, ein Kilo Reis soll mit bis zu 5.000 Liter Wasser zu Buche schlagen. In einer Tüte Kartoffelchips (200g) stecken Experten zufolge beachtliche 185 Liter Wasser. Ein Computerchip von 2g Gewicht verbraucht im Laufe seiner Herstellung 32 Liter, ein Baumwoll-T-Shirt 4.100 Liter.

Wasserknappheit und Übernutzung der Wasserressourcen

Sebastian Schönauer, Wasserexperte beim BUND, sagte anläßlich des „Tags des Wassers“ im März 2009: „Das Ausblenden des Einsatzes großer Mengen Wassers zur Herstellung fast aller Alltagsprodukte ist eine der Ursachen für die zunehmende Wasserknappheit und die Übernutzung der Wasserressourcen. Vor allem in Ländern, die ohnehin unter Wassermangel leiden, ist die Verwendung von sehr viel Wasser für Exportprodukte ein großes Problem. So führt beispielsweise die Bewässerung von Golfplätzen in Spanien zur Absenkung des Grundwasserspiegels und zur Austrocknung ganzer Regionen. Kaum jemand weiß, dass mit dem Export eines in Spanien hergestellten Mittelklasseautos weit mehr als 100.000 Liter ,virtuelles‘ Wasser exportiert werden."

Was ist zutun?

Einige Unternehmen haben die mahnenden Zeichen der Zeit erkannt, effektive Wasser-Recyclingsysteme eingeführt und streben ein ambitioniertes Wassermanagement an. Doch es besteht weiterhin in vielen Bereichen erheblicher Optimierungsbedarf. „Es liegt an den Unternehmen bei der Herstellung von Produkten auf einen nachhaltigen und umweltschonenden Wasserverbrauch zu achten“, resümierte WWF-Wasserexperte Martin Geiger und forderte 2008 in Stockholm zugleich von der Politik: „Regierungen sollen mit gutem Beispiel vorangehen und einen Politikrahmen für verantwortungsvollen Umgang mit Wasser setzen.“

Sebastian Schönauer vom BUND schloss sich dem gut ein halbes Jahr später an: „Die internationale Gemeinschaft muss über Verteilerschlüssel für die begrenzten Wasservorräte verhandeln, das Wassermanagement und der Agrarsektor müssen so reformiert werden, dass die Wasserressourcen vor allem in Trockengebieten nicht übernutzt und nicht weiter verschmutzt werden. Ein Fünftel der Weltbevölkerung hat außerdem überhaupt keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, deshalb muss auch die Verschwendung virtuellen Wassers stärker ins Blickfeld rücken.“

Der BUND sieht Möglichkeiten zur Senkung des Verbrauchs „virtuellen“ Wassers vor allem auch in einer Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe, im Ausbau von Spartechniken und in der effizienten Wassernutzung. Ein geeignetes Mittel sei beispielsweise die Verwendung von Regenwasser in Haushalten und Industrie. Allein die Regenwassernutzung in Häusern könne deren Trinkwasserbedarf um ein Drittel senken.

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