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Gussglas aus Mannheim für den „Lichtregen“ im Louvre von Abu Dhabi

(19.1.2018) Saadiyat - Insel des Glücks - heißt die Insel vor den Toren von Abu Dhabi , die sich zu einem neuen kulturellen Zentrum der Vereinigten Arabischen Emirate entwickeln will. Hier entsteht ein Museumsareal, zu dem auch der gerade eröffnete Louvre von Abu Dhabi (siehe Google-Maps) gehört - das jüngste Mitglied im Kreise eines Netzwerks von 13 Museen, die jährlich bis zu 300 Werke ausleihen:

Foto © Louvre Abu Dhabi, Mohamed Somji 

Beim Entwurf des arabischen Louvre ließ sich Jean Nouvel von der Stadt Medina und typischen arabischen Siedlungen inspirieren. Es entstand eine Art Museums-Stadt im Meer, geformt aus 55 weißen Gebäuden, die von einer riesigen stählernen Kuppel zu einer Einheit zusammenfasst werden. Die Bauten sind unterschiedlich groß und zum Teil von Wasser umflossen. Der Museumsbau selbst umfasst eine Fläche von knapp 100.000 m².

Seine Kuppel hat einen Durchmesser von 180 m, lagert nur an vier Stellen auf und besteht aus acht Schichten von Stahlornamenten, die ein sternförmiges Gitter bilden. Diese filtern das Licht wie ein Blätterwerk, lassen Licht herein und schützen doch vor Hitze und Sonne. Der Pariser Jean Nouvel spricht von einem „Lichtregen“, der unter der Kuppel entsteht, einzelne Bereiche hervorhebt und andere nur erahnen lässt:

Foto dazu © Louvre Abu Dhabi, Mohamed Somji

Eine besondere Lichtstimmung wünschte sich Jean Nouvel auch für das Innere der 23 Ausstellungskuben, die sich großteils unter der Kuppel befinden. Insbesondere Museen erfordern in Sachen Beleuchtung eine sorgfältige Planung:

  • Exponate sollen einerseits ins rechte Licht gerückt werden können und
  • andererseits vor Schaden durch hochenergetisches Licht, das photochemische Prozesse auslösen kann, bewahrt werden.

Foto © Saint-Gobain Glass / Marc Domage 

Gussglas erhält den Vorzug vor Flachglas


Foto © Saint-Gobain Glass / Marc Domage (vergrößern)

Gefordert ist ferner eine möglichst blendfreie und breit gestreute Belichtung. Gleichzeitig stellte sich Jean Nouvel eine Suq-/Souk-ähnlichen Atmosphäre (siehe Wikipedia) mit diffusem Licht vor, in der sich die Besucher bewegen. Als natürliche Lichtquellen dienen daher Decken aus Gussglas. Im Gegensatz zu planem Flachglas bewirkt Gussglas durch seine Facettierung die gewünschte Lichtbrechung und eine diffuse Belichtung. Die zusätzliche Besonderheit der Glasdecken besteht darin, dass sie aus zwei laminierten Gussgläsern bestehen, die verschiedene Strukturierungen aufweisen oder zueinander verdreht eingebaut sind. So zaubern sie herrliche Lichteffekte in das Innere der Ausstellungskuben.

Um dies zu realisieren, wandte sich der Architekt schon in einer frühen Planungsphase an das Gussglaswerk in Mannheim. Gemeinsam wurde die Lichtwirkung unterschiedlicher Kombinationen von Gussgläsern erprobt, bis die gewünschten Effekte erreicht waren. Letztendlich kamen rund 25.000 unterschiedliche Scheibenmaße zum Einsatz - und 18 verschiedene Glastypen.

Jean Nouvels Grundidee für den Museumsbau war es, einen Raum für Emotionen und Ruhe zu schaffen - eine Oase, in der man sich ganz dem Anblick der Kunst hingeben kann. Tagsüber gelingt dies, indem natürliches Licht durch die Ornamentkuppel nach innen dringt. Nachts hingegen kehrt sich die Wirkung um: Die Beleuchtung strahlt von innen nach außen und verleiht dem Komplex eine geheimnisvolle Aura.

Übrigens: Neben dem Neubau von Jean Nouvel sind noch Bauten aus den Federn von Lord Norman Foster, Frank O. Gehry, Tadao Ando und Zaha Hadid(†) auf der Insel des Glücks geplant.

Weitere Informationen zu Gussgläsern können per E-Mail an Saint-Gobain Glass angefordert werden.

siehe auch für zusätzliche Informationen:

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