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Berlins Futurium in bedruckter Gussglashülle

(5.9.2018) Die durchgestylte Fassade des „Futurium - Haus der Zukunft“ in Berlin besteht aus vielen tausend rautenförmig angeordneten Kassettenelementen mit Metallreflektoren und keramisch bedrucktem Gussglas. Das Umgebungslicht erzeugt in ihnen ein changierendes Erscheinungsbild.

alle Fotos © Arup / Rossmann, Berlin  

Für ihren Entwurf ließen sich die Architekten Christoph Richter und Jan Musikowski von zwei Ideen leiten:

  • Zum einen soll das Futurium ein „Zukunftsgefäß“ sein - mit einer eigenständigen Form und starken Raumsequenzen.
  • Zum anderen wollte man es mit einer robusten, aber durchaus fragil wirkenden Hülle umschließen.

Entstanden ist ein Baukörper, der als eine Art „gelandete Wolke“ zwischen den steinernen Blockrandbauten seine ganz eigene Anmutung und Wirkung entfaltet.

Als neues Veranstaltungs- und Ausstellungszentrum liegt das Futurium vis-à-vis des Spreebogenparks (siehe Google-Maps). Durch das Zurücksetzen der Baufluchten im Norden und Süden schufen die Architekten zwei öffentliche Plätze. Der Grundriss des Neubaus selbst ist fünfeckig und leicht asymmetrisch. Darüber faltet sich das Volumen zu beiden Schauseiten „schmetterlingsförmig“ auf. Die aus der Anhebung resultierenden Auskragungen bilden bis zu 18 m überdachte Freiflächen und markieren so die Haupteingänge des Baus.

Die Struktur des Hauses ist dreigeteilt:

  • Im Erdgeschoss liegt das in hellen Farbtönen ausgestaltete Foyer mit Treppe. Um den Aufenthaltsbereich herum gruppieren sich Infrastrukturblöcke sowie Restaurant und Shop. Die größte Fläche nimmt jedoch das zwischen 56 und 670 m² flexibel konfigurierbare Veranstaltungsforum ein.
  • Dunkle Oberflächen prägen das unterirdische, 600 m² große Futurium Lab; Akzente setzen hier die in regelmäßigem Raster verteilten Lichtspots an den Decken.
  • Im Obergeschoss findet der Besucher das eigentliche Herz des Futuriums: ein rund 3.000 m² großer Ausstellungsbereich, der zukünftig in die „Denkräume“ Mensch, Natur und Technik eingeteilt wird. Diese lassen sich von den beiden Galerieebenen großzügig überblicken.

Die Ost- und Westfassade sowie die Eingangsuntersichten sind von einer rund 4.000 m² Schicht hinterlüfteter, rautenförmiger Kassetten umhüllt. Diese setzt sich aus 70 auf 70 cm großen Elementen zusammen, etwa 8.000 sind es an der Zahl. Drei Viertel davon bestehen aus 12 cm tiefen, unterschiedlich gefalteten Metallreflektoren und in der äußeren Ebene aus keramisch bedrucktem, 6 mm starkem Gussglas (Decorglass SGG SR LISTRAL L).

„Das Gussglas ermöglicht ein vielfältiges Lichtspiel. Im Gegensatz zu transparentem Glas streut und moduliert es das Licht mit den Umgebungsreflektionen.", erklärt Architekt Christoph Richter. „Für uns ist das ein wichtiger gestalterischer Effekt.“ Das reflektierte Licht erzeugt ein sich mit der Tages- und Jahreszeit beständig änderndes Erscheinungsbild.

Die Gesamterscheinung der Kassettenflächen lässt sich nach Ansicht der Architekten als grafischer Abdruck einer Wolke interpretieren, aber auch als Schwarm oder Partikelsturm. Erzeugt wird dieses charakteristische Muster durch verschiedene Bedruckungsgrade auf den Glasflächen: Die vier verschiedenen Elementtypen wurden zu ¼, ½, ¾ bzw. vollständig bedruckt. Der Bedruckungsanteil entspricht wiederum der Knickposition des Metallreflektors.

Vor dem Veranstaltungssaal, der Verwaltung im Obergeschoss und der Galerieebene ist das Muster hingegen „durchlässiger“ gestaltet, um einen stärkeren Lichteinfall zu erhalten. So wurden hier vor allem ¼-bedruckte, transparentere Gläser verbaut. Die Büros verfügen über Parallelausstellfenster für die Komfortlüftung.

Die 28 m breiten und 8 bzw. 11 m hohen Pfosten-Riegel-Fassaden an den auskragenden Schauseiten sind komplett an darüber liegenden Hohlkastenträgern abgehängt. Rund 210 und 350 m² Climatop-Gläser im System Vario DZ sorgen hier für den erforderlichen Wärmeschutz.

Die Verglasung ist grau getönt, so dass auf einen außenliegenden Sonnenschutz verzichtet werden konnte. Des Weiteren kamen rund 330 m² Paneele mit keramisch bedrucktem SGG Planiclear zum Einsatz. Ein „Skywalk“ führt um und durch das fast vollständig mit PV- und Solarthermie-Elementen belegte Dach. Wie auch die Verglasung der Fassade ist es ein wichtiger Baustein, der das Futurium zum Niedrigstenergiehaus macht. Die Zukunft hat hier schon längst begonnen.

Weitere Informationen zu Gussgläsern können per E-Mail an Saint-Gobain Glass angefordert werden.

siehe auch für zusätzliche Informationen:

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