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Bericht vom BVF-Symposium 2018: klimaneutrale Gebäude, GEG, serielles Bauen, BVF-Award,...

(30.11.2018) Über 110 Teilnehmer aus der Heizungsbranche kamen zum diesjährigen Symposium des Bundesverbandes Flächenheizungen und Flächenkühlungen (BVF), das Ende November in Bad Nauheim stattfand. Auf der Agenda standen u.a. klimaneutrale Gebäude und Quartiere sowie digitale Chancen und Risiken für den Wärmemarkt in Bezug auf Flächenheizung und Flächenkühlung. Zudem wurden Einsatzorte der elektrischen Flächenheizung aufgezeigt. Hierzu waren nicht nur kompetente Referenten geladen, auch das offene Gespräch bereicherte wie in den letzten Jahren die Veranstaltung. Überdies wurde im Rahmen des Symposiums der BVF-Award ausgelobt.

Foto © baulinks/AO 


  

Nach der Begrüßung vom Vorstandsvorsitzenden Ulrich Stahl gab am 29.11. BVF-Geschäftsführer Axel Grimm einen Überblick über Neuerungen im Verband, wie den Flächenheizungsfinder und das Webtool zum überschlägigen Berechnen des hydraulischen Abgleichs bei bestehenden Fußboden­hei­zungs­kreisen - siehe auch Beitrag vom 23.11.2018 dazu. Zudem stellte er die neu gegründete Fachgruppe Kühl- und Heizdecken und ihre Ziele vor - siehe auch Beitrag „BVF plant Gründung einer Fachgruppe Kühl- und Heizdecken: Kick-off-Treffen am 6.9.“ vom 10.6.2018.

Klimaneutrale Quartiere und Gebäude

Im Anschluss daran ging es beim Vortag von Prof. Dr.-Ing. M. Norbert Fisch vom Institut für Gebäude- und Solartechnik der TU Braunschweig und Direktor von EGS-plan Stuttgart, um das Thema Klimaneutrale Quartiere und Gebäude. Seiner Meinung nach ist Klimaschutz mehr, als nur die Normen und Verordnungen einzuhalten. Denn diese hätten keinen großen Einfluss auf das Ergebnis. Seine Lösung: Nicht die Häuser, sondern die Energie grüner gestalten. Soll heißen, mehr auf Erneuerbare Energien setzen. Jeder Investor ist dafür selber verantwortlich. Allerdings muss bewusst gemacht werden, dass Klimaneutralität nicht kostenlos zu haben ist:

Chart aus dem Vortrag von Prof. Fisch 

Prof. Fischer hat auch untersucht, mit welcher Wärmetechnik Gebäude künftig idealerweise beheizt werden sollten und hat sich dabei deutlich für Photovoltaik auf dem Dach und eine Wärmepumpe (im Keller) ausgesprochen. Selbst der elektrischen Direktwärme mit Heizstab oder Heizdrähten gab er eine Chance. Die Solarthermie habe dagegen im Wettbewerb um die Nutzflächen auf dem Dach verloren.

Chart aus dem Vortrag von Prof. Fisch 

Und ebenso klar waren seine Schlussfolgerungen, wenn es um die Erreichung der CO₂-Klimaschutzziele geht: Prof. Fischer zufolge brauchen wir ...

  • ein CO₂-Label für Gebäude,
  • einen Gebäude-TÜV im 5-Jahresrhythmus,
  • die Förderung realisierter CO₂-Einsparungen,
  • eine CO₂-Bepreisung (Euro/t CO₂) auf fossile Brennstoffe zur Wärmeerzeugung,
  • eine Verdopplung der Sanierungsquote auf Basis der EnEV 2016,
  • keine Verschärfung der Anforderungen - sprich Wohnungsneubau auf KfW 55-Level und Nicht-Wohnungsneubau auf EnEV 2014/2016-Basis - sowie
  • Wärmepumpen und Photovoltaik.

Gebäude-Energie-Gesetz (GEG)

Dipl.-Ing. Horst-Peter Schettler-Köhler, Referatsleiter Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), stellte sich in seinem Referat der Frage: Wie geht es weiter mit dem Gebäude-Energie-Gesetz GEG? Dazu ging er zunächst auf die Probleme bei der Zusammenführung von EnEV sowie EEWärmeG ein und entschlüsselte die dazu nötigen politischen Forderungen. Darüber hinaus zeigte der Referatsleiter auf, was in naher Zukunft zu erwarten ist - wobei eine baldige Novellierung des GEG bereits absehbar sei:

Chart aus dem Vortrag von Dipl.-Ing. Schettler-Köhle 

Elektrische Flächenheizungen

Wie es um die Vollraumheizung mit elektrischer Flächenheizung steht, berichtete Dipl.-Ing. (BA) Thomas Schüßler, Geschäftsführer des Ingenieur- und Sachverständigenbüros FachplanerEnergie. In seinem Vortrag gab er Einblicke in die Vorteile der Technologie und in die Möglichkeiten, Neubauten mit elektrischer Flächenheizung nach EnEV 2016 und - als Ausblick – nach dem zukünftigen GEG zu bauen.

Zudem setzte er seinen Fokus auf mögliche Fördermittel und zeigte dem Publikum damit auf, dass Niedrigenergiehäuser heute und in Zukunft auch mit elektrischer Flächenheizung behaglich und wirtschaftlich beheizt werden können.

Axel Lange von ArgillaTherm sowie Lars Gumtow von Frenzelit schlossen sich dem Thema an. Sie griffen die praktische Seite der elektrischen Flächenheizung auf und stellten zwei Objektbeispiele vor: Bei dem ersten Beispiel handelt es sich um ein Einfamilienhaus mit 226 m² Wohnfläche aus dem Jahre 1966. Es wurde vor 2 Jahren modernisiert und mit einer elektrischen Lehm-Deckenheizung ausgestattet - siehe dazu auch den Beitrag „Neuartige Lehmklima-Decke mit elektrischem Heizsystem“ vom 29.11.2018. In der Heizperiode 2017-2018 lag der Verbrauch bei 4.650 kWh (37,2 kWh/m²).

Das zweite Objekt ist ebenfalls ein Einfamilienhaus, allerdings aus dem Jahre 2017 mit 189 m² Wohnfläche. Das in Holzständerbauweise errichtete Gebäude hat den KfW 55-Standard und wird ebenfalls über elektrische Deckenelemente beheizt. Im Zeitraum von Oktober 2017 bis September 2018 lag der Heizenergiebedarf bei 4.587 kWh.

Schnittstellenkoordination

Seit Mitte des Jahres bietet der BVF eine aktualisierte Version der Schnittstellenkoordination für Flächenheiz- und Flächenkühlsysteme in bestehenden Gebäuden an. Die neue Fassung orientiert sich am aktuellen Stand der Technik und wurde mit der Unterstützung zahlreicher Verbände überarbeitet. Planer und Ausführende bekommen somit eine praktische Hilfestellung für ihre täglichen Arbeit. Dipl.-Ing. (FH) Bernd Quiel von Wieland Werke hat als Vorsitzender des BVF-Arbeitskreises Technik die neue Fassung aktiv begleitet. In seinem Referat gab er Einblicke in das Werk und machte deutlich, wie wichtig ein gewerkübergreifendes Arbeiten ist - siehe auch Beitrag „Neue Fassung der ,Schnittstellenkoordination bei Flä­chen­heiz- und -kühlsystemen in bestehenden Gebäuden“ vom 7.7.2018.

Die Referanten (v.l.): Axel Lange (ArgillaTherm GmbH), Dipl.-Ing. (BA) Thomas Schüßler (FachplanerEnergie), Dipl.-Ing. Horst-Peter Schettler-Köhler (Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung), Alexandra Schneider (marketeam creativ), Lars Gumtow (Frenzelit GmbH), Axel Koschany (Koschany + Zimmer Architekten KZA). Nicht auf dem Bild: Dipl.-Ing. Bernd Quiel (Wieland Werke) und Prof. Dr.-Ing. M. Norbert Fisch (TU Braunschweig, EGS-plan); Foto © BVF 

Content-Marketing

Eine praxisgerechte Unterstützung in puncto digitale Werbung gab Alexandra Schneider, marketeam creativ - Fachagentur für Bauen und Wohnen. Sie befasst sich mit der Frage, wie man zielführend Inhalte online präsentieren und sich vernetzen kann. Zunächst erklärte sie dazu den Begriff und die Zielsetzung von Content-Marketing. Im weiteren Verlauf wurden den Teilnehmern diverse Beispiele gezeigt, wie heute ein zeitgemäßer Internetauftritt aussieht und wie sich welche Aktionen im Google Ranking bezahlt machen. Ganz nach dem Motto: Hochwertiger Content vermittelt Kompetenz sowie Vertrauen und macht das Unternehmen zum gefragten Experten.

serielles Bauen

Den letzten Fachvortrag des diesjährigen BVF-Symposiums übernahm Axel Koschany vom Architekturbüro Koschany + Zimmer Architekten KZA. In seiner Präsentation ging es um modulares und serielles Bauen, um die zukünftig bundesweit dringend benötigten Wohnräume schnell und wirtschaftlich zu schaffen. Seine Lösung: Vorgefertigte Baublöcke zu nutzen und individuell nach dem Lego-Prinzip zusammenzustellen. Mit diesem Konzept erhielten Koschany + Zimmer Architekten KZA und der renommierte Modulbauer ALHO aus Friesenhagen einen Preis des GDW Wettbewerbs für serielles Bauen - siehe auch Beitrag „Europaweiter Wettbewerb liefert Konzepte zum schnellen, kostengünstigen Wohnungsbau“ vom 4.6.2018.

Foto aus dem Beitrag „Geschosswohnungsbau mit Modulen in Bochum“ vom 20.11.2018 (Fotos © ALHO Holding GmbH)

Dabei machte Herr Koschany mit seinen Vorschlägen klar, das sich Wirtschaftlichkeit und architektonischer Anspruch miteinander verbinden lassen - siehe auch Baulinks-Magazin zum seriellen Bauen.

BVF-Award

Zum Abschluss des Symposiums wurden der BVF-Award verliehen sowie ein Lebenswerk ausgezeichnet. Den begehrten Award konnten dieses Jahr die Unternehmen mfh systems und Lindner GFT aus den Händen von Michael Muerköster (Vorstandsmitglied BVF) und Bernd Quiel (Vorstandsmitglied BVF) entgegennehmen.

Gewinner des BVF-Awards (v.l.): Robert Anzenberger (Lindner GFT), André Scheuring-Mazarin (Lindner GFT), Josef Bielmeier (Lindner GFT), Dieter Bitter (Schmöle), Carolin Weinzierl (Lindner GFT), Ulrich Stahl (BVF), Silke Stöckl (Lindner GFT), Heinz-Eckard Beele (BVF, IMI Hydronic Engineering Deutschland), Michael Muerköster (BVF, Danfoss), Achim Nierbeck (mfh Systems), Andreas Piephans (mfh Systems), Daniel Schuschan (mfh Systems); Foto © BVF 

Gewürdigt wurde also zum ersten Mal ein elektrisches Fußbodenheizsystem – das Ideal E-Nergy von mfh systems. Hierbei handelt es sich um ein Gipsfaser-Trocken­estrich­ele­ment, das eine maximale Temperatur von 50°C nicht überschreitet. Dies ist bisher bei Elektroheizkabeln nur regelungstechnisch möglich gewesen. Dieses System nutzt dafür ein selbstregulierendes Heizband - siehe auch Beitrag „Fermacell und mfh systems verheiraten Gipsfaser-Trockenestrich und Elektro-Fußbodenheizung“ vom 20.4.2018.

Der zweite BVF-Award geht an die Norit-Fußbodenheizung TE 30 Therm GF von Lindner GFT. Sie vereint Trockenestrich und Fußbodenheizung in einem System und deckt alle Anforderungen ab: Brandschutz nach DIN 4102-2 F90, Nutzlasten nach DIN EN 1991-1-1 4 kN, Trittschallschutz auf Holzbalkendecke 15 dB, Einhaltung BEB Merkblatt 4.6, Brandverhalten nach EN 13501-1 A1 sowie Nachhaltigkeit.

Zudem wurde der BVF-Award Sonderpreis Lebenswerk an Dieter Bitter vergeben. Der langjährige Geschäftsführer und heutige technische Berater der Schmöle GmbH bekam die Auszeichnung für seine Leistungen rund um den Bereich der Kühldecken verliehen. Das Ziel seiner Arbeit ist es, eine noch bessere und Ressourcen schonende Kühldecke zu entwickeln, die durch minimalen Materialeinsatz für eine nachhaltige Zukunft steht. Damit begann er bereits Anfang der 1990er Jahre, als noch die wenigsten an diese Technologie glaubten. Übergeben wurde der Preis von Ulrich Stahl (Vorstandsvorsitzender BVF).

siehe auch für zusätzliche Informationen:

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