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Mundgeblasene Fenstergläser mit integriertem(!) UV- bzw. IR-Schutzfilter

(1.10.2019) Historisch wertvolle Objekte, Möbel und Raumausstattungen stehen unter regelmäßigem Einfluss von Tageslicht und sind damit der Schadwirkung ultravioletter und infraroter Strahlung ausgesetzt. Dabei gilt: Je kürzer die Wellenlänge, desto energiereicher und desto schädigender ist deren Wirkung:

  • UV-Strahlen bleichen Farbpigmente aus und zerstören die Struktur von Bindemitteln sowie Lackschichten.
  • IR-Strahlen führen aufgrund ihrer thermischen Wirkung zu Austrocknung sowie beschleunigter Alterung und Vergilbung. Ein ständiger Temperaturwechsel und damit einhergehende Ausdehnungs- und Kontraktionsbewegungen provozieren zudem auf Dauer Spannung, Risse und bei Malschichten Abplatzungen.

Foto © Glashütte Lamberts 

Der Eintrag schädlicher Strahlen in Innenräume erfolgt vor allem durch Fenster und stellt Konservatoren im musealen, sakralen wie auch profanen Bereich vor die Aufgabe, diesen durch adäquate Lichtschutzmaterialen zu minimieren.

Die natürliche Filterwirkung von einfachem Fensterglas endet bei etwa 280 nm. Der darüber liegende Spektralbereich - bestehend aus dem oberen UV-Lichtspektrum, dem sichtbaren Licht und dem sich anschließenden IR-Bereich - wird hingegen ungefiltert hindurchgelassen. In der präventiven Konservierung sind deshalb sowohl vor die Fenster gespannte Spezialgewebe und vollverdunkelnde Vorhänge als auch Beschichtungen oder Folien auf dem Fensterglas  anzutreffen. Allen gemeinsam jedoch ist eine glasexterne Wirkungsweise, die eine kritische Betrachtung der tatsächlichen Haltbarkeit und eventuell notwendig werdender baulicher Veränderungen nahelegen.

Nicht aufgetragene, sondern „durchgefärbte“ Schutzfilter

Vor diesem Hintergrund bietet Glashütte Lamberts mit Restauro UV und Restauro IR zwei mundgeblasenen Spezialgläser an, deren UV- bzw. IR-Schutzfilter bereits Teil der Glasmasse sind. Sie kommen also ohne aufkaschierte oder einlaminierte Folien aus!

Diese mit einem Schutzfilter „durchgefärbten“ Glastafeln haben den Vorteil, dass sie sich, 2 oder 3 mm stark, problemlos in schmale Glasfalze historischer Fenster einbauen lassen und wie alle anderen Gläser von Lamberts auch zu Bleiverglasungen weiterverarbeitet werden können.

Mundgeblasene Glasröhre wird nach dem Aufschneiden abgerollt 

Das Restauro UV- bzw. IR-Schutzglas ist außerdem als rein anorganisches Material dauerhaft und lässt einen zeitlich unbegrenzten Schutz erwarten. Mit ihren typischen Oberflächenbewegungen fügen sich die Gläser zugleich optisch perfekt in die historische Bausubstanz ein und tragen auf ästhetische Weise effektiv zum Erhalt und zur präventiven Konservierung wertvoller Kunst-und Kulturgüter bei.

Great East Window von York Minster

Eben diese Eigenschaften waren es, die die verantwortlichen Konservatoren bei der Restaurierung des Great East Window von York Minster zur Verwendung Restauro UV als Material für die Außenschutzverglasung bewogen. Es handelt sich hierbei um das größte Fenster der Kathedrale von York und mit seinen mehr als 300 Einzelfeldern gleichzeitig um das größte Werk mittelalterlicher Glasmalereikunst in England - siehe auch Google-Maps:

Geschaffen in den Jahren 1405 bis 1408, erfolgten im Laufe der 600-jährigen Geschichte zahlreiche Reparaturen in mehr oder minder großem Umfang. Eine Außenschutzverglasung bestand bereits, doch handelte es sich hierbei um blanke Rautenverglasungen. Im Zuge der groß angelegten Restaurierungskampagne des Ostfensters ab dem Jahre 2005 wurde deren Erneuerung diskutiert und hinsichtlich der verwendeten, zum Teil lichtempfindlichen Konsolidierungsmittel, beispielsweise zur Klebung von Glasbrüchen, gleichzeitig nach Lösungsvarianten zum Lichtschutz gesucht.


  

Auch die neue Außenschutzverglasung sollte als Bleiverglasung ausgeführt werden - allerdings mit dem Anspruch, anstelle geometrischer Formen das historische Bleinetz der dahinterliegenden mittelalterlichen Glasmalereien in vereinfachter Form aufzugreifen. Auf diese Weise kann der Eindruck kleinteilig bleigefasster Fenster gewahrt und damit die ursprüngliche Außenansicht wiederhergestellt werden.

Hinsichtlich des erforderlichen Lichtschutzes standen mehrere Varianten zur Diskussion. Aufgrund der unebenen Oberfläche durch die Bleiruten erwies sich die Verwendung selbstklebender Folien als nicht praktikabel, und angesichts der vielen kleinen Zuschnitte wurden die aufwendig zu schneidenden UV-Schutz-Ver­bund­gläser als unrentabel abgelehnt.

Aufgrund der stilistischen Nähe zu den historischen Gläsern und der leichten Verarbeitbarkeit zu Bleiverglasungen in Verbindung mit seiner Funktionalität, fiel 2013/2014 die Entscheidung auf Restauro UV. Und seit 2017 ist es nun als Außenschutzverglasung im Great East Window eingebaut.

Weitere Informationen zu Restauro UV und Restauro IR können per E-Mail an Glashütte Lamberts angefordert werden.

siehe auch für zusätzliche Informationen:

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